Handlungsoptionen

Sonntag, 25. Dezember 2011 12:39

Weihnachten - und bevor Du anfängst, romantische Gefühle zu bekommen sage ich Dir, dass ich schon frühzeitig in meinem Leben Lug und Trug der stillen Jahreszeit für mich erkannt habe und seit vielen Jahren davor fliehe. Irgendwohin in der Welt, meist dahin, wo es auch warm ist.

Seit meinem sechzehnten Lebensjahr hatten wir in meiner Familie die (auch eingehaltene) Abmachung, nur weil Weihnachten ist, doch keine Geschenke zu kaufen. Es ergeben sich ja während des übrigen Jahres Gelegenheiten genug, mit kleinen Aufmerksamkeiten und ohne größeren Anlass einer nahestehenden Person seine Gewogenheit zu zeigen.

Stattdessen trafen wir uns als Familie am heiligen Abend beim geräucherten Karpfen und verplauderten den Abend bis in dies späte Nacht. Ich romantisiere da nichts (Change History...), das war wirklich immer ein Fest an das ich mich sehr gerne zurück erinnere.

Aus der Ferne betrachtet, mit meiner Reiseagenda und der tollen Reisegruppe im Rücken, wirkt die französisch überlieferte Version von Weihnachten in Saigon sehr lustig. Doch erst einmal genug von Weihnachten. Letzte Woche schrieb mir eine Leserin, sie fühle sich beim Lesen meines Newsletters an einen Sohn erinnert, der an seine Eltern zu Hause schreibt. Da dachte ich mir grinsend, spricht eine sorgende Mutter. Ich fühle mich eher dann schon an einen Vater erinnert, der seinen daheim gebliebenen Kindern schreibt. Aber natürlich trifft es auch dieses Bild nicht. Beim Schreiben des Newsletters treten jeweils einzelne Menschen vor mein geistiges Auge, die eine ähnliche Themenstellung hatten, wie jene, die ich gerade bearbeite. Ich schöpfe also aus meiner erinnerten Erfahrung.

Heute soll es also, nach einiger Verzögerung, um das Thema der Handlungsoptionen gehen. Innerhalb der Entscheidungsstrategien. Klar ist, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Entscheidungen zu treffen. Oft gibt es (oder scheint es zu geben) nur eine Möglichkeit der Entscheidung. Entweder, ich gehe ins Fitnessstudio, oder ich gehe nicht. Dann geht es also nur darum, sich zwischen ja oder nein zu entscheiden. Aber ganz so einfach ist der Fall nun wirklich nicht. Die meisten Menschen haben dabei außer Acht gelassen, dass DAVOR schon eine ganze Menge passiert ist. Und genau da liegt eine große Chance versteckt.

Stell Dir einmal vor, Du würdest Dir überlegen, WARUM Du ins Fitnessstudio gehst. Der interne Dialog: „Jetzt wird es aber höchste Zeit, wieder einmal ins Fitnessstudio zu gehen!“, hatte ja einen Auslöser. Vielleicht der Blick auf die Waage, oder den Muskelkater nach einem straffen Sonntagsspaziergang. Erinnere Dich an den Newsletter, in dem dies schon zur Sprache kam. Nimm vielleicht den ersten Auslöser, den Blick auf die Waage. Du wiegst zu viel. Es geht also darum, Gewicht zu verlieren. Und jetzt sind wir beim Thema der Handlungsoptionen.

Stell Dir vor, Du würdest ein Blatt Papier zur Hand nehmen und alle die Möglichkeiten aufschreiben, die Du sonst in subbewussten Eliminierungsstrategien gar nicht erst in Erwägung ziehst. Die Entscheidung, ins Fitnessstudio zu gehen ist ja schon das Ende eines viel komplizierteren Entscheidungsprozesses, der häufig komplett unbewusst abläuft. Ich verzichte in diesem Zusammenhang darauf, Dir weitere Möglichkeiten der Gewichtsabnahme vorzuschlagen. Wenn dies ein Thema für Dich ist, wirst Du bestimmt tatsächlich ein Blatt Papier zur Hand nehmen und erstaunt sein, wie viele Möglichkeiten Du findest.

In einem anderen Zusammenhang nennt man diese Tätigkeit „Brainstorming“ und wenn Du diesen Begriff im Internet nachschlägst, steht als eine der Grundregeln zu lesen: ALLES aufschreiben, keine Kritik, keine Limitierungen. Lass Deine Gedanken fließen. Einschränken (Entscheiden) kannst Du später.

Ein sehr erfolgreicher Unternehmer hat mir einmal den Rat gegeben, VOR jeder beruflichen oder betrieblichen Entscheidung mindestens zehn gangbare Alternativen im Kopf, oder noch besser, auf einem Blatt Papier, aufzuschreiben und die Konsequenzen aus jeder dieser Alternativen bis zum Ende zu durchdenken.

Das ist als wichtiger Punkt zu beachten: die Handlungsoptionen (nichts anderes nämlich sind obige „Alternativen“) bis ZUM ENDE zu durchdenken. Die meisten Menschen denken bis zum ersten unbekannten oder unangenehmen Gefühlstest und steigen dann gleich zu Beginn aus der „Evaluationsstrategie für Handlungsoptionen“ wieder aus. Nur die eine oder zwei Optionen, die sich durchaus gut anfühlen, werden weiter verfolgt.

Dabei ist das Gefühl meist nur ein assoziatives (nicht zu verwechseln mit „Assoziiert“) Gefühl. Bei neuen Dingen, die Du noch nie gemacht hast, sucht Dein Unbewusstes nach Ähnlichem und wenn es nichts findet, fühlt es sich gar nicht wohl. Meist bedeutet das, dass Du Dich, wenn Du Dir diesen Prozess nicht bewusst machst, für Bekanntes und Vertrautes entscheidest und unbekannte, aber vielleicht einfachere oder erfolgreichere Handlungsoptionen frühzeitig eliminierst.

Wenn Du Dir diese „Strategie zum Generieren von Handlungsoptionen“ zur Gewohnheit machst, kannst Du schnell feststellen, dass Dein Leben sehr viel turbulenter und abenteuerlicher wird. Du kannst Dich tatsächlich bewusst entscheiden, einmal eine eher unwahrscheinliche Handlungsoption zu testen. Du kannst den Fahrstuhl nehmen, oder die Treppe. Oder Du kannst .....was nicht sonst noch alles.

Wenn Du zum Jahreswechsel einmal Dein bisheriges Leben überdenkst, wirst Du bestimmt schnell herausfinden, dass es mit den wahrgenommenen Handlungsoptionen, oder überhaupt mit den wahrgenommenen Möglichkeiten nicht zum Besten steht. Vielleicht ist es sinnvoll, wenn Du Dir fürs neue Jahr den Vorsatz fasst, KEINE Entscheidung zu treffen, bevor Du nicht mindestens fünf, besser noch zehn Handlungsoptionen BEWUSST in Erwägung gezogen hast. DAS wäre doch einmal ein richtig guter und relativ einfach zu erreichender Vorsatz.

In diesem Sinne wünsche ich Dir für das bevorstehende Weihnachtsfest die nötige Ruhe und Gelassenheit. Die Statistik sagt, dass zwischen Weinachten und dem 15ten Januar mehr Beziehungen kaputtgehen, als im gesamten Jahr davor. Bevor Du streitest, überlege Dir doch einmal mögliche Handlungsoptionen. Oder überlege Dir, mit wie vielen verschiedenen Möglichkeiten DEIN Fest zu einem unvergesslichen Erlebnis für Dich und Deine Familie werden kann. Überhastet und gedankenlos Geschenke zu raffen und dann das „Fest“ vor dem Fernseher zu verbringen, ist nur eine Option. Der nimmersatten Industrie gefällt es natürlich, dies als die einzige Option darzustellen.



einen Kommentar schreiben