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HIER mehr lesenStell Dir vor, Du hättest bis hierhin nicht nur alle Newsletter zum Thema „Selbstdisziplin“ gelesen, sondern auch die einzelnen Anweisungen, Übungen und Anregungen ausprobiert und für Dich adaptiert. Dann wären wir jetzt an einer Stelle, an der Du voller Motivation genau weisst, was Du willst. Ja, ich weiss, für die meisten von uns fühlt sich „normales Leben“ so nicht an.
Die meisten von uns verstehen es einfach nicht, aus Einsicht heraus konsequent mit guten Gefühlen zu handeln. Aus Einsicht heraus bedeutet, daß ich im Verlaufe eines Entscheidungsprozesses bis zum Ende, dem Erreichen meines Zieles nachgedacht habe und zum Ergebnis gekommen bin, daß es gut für mich ist, dieses Ziel zu erreichen. Mit guten Gefühlen heisst dann, daß ich über Strategien verfüge, die das, was in meinem Körper schwingt (Umschreibung für Gefühl) so hoch schwingt (Umschreibung für gutes Gefühl), dass ich mehr davon haben (tun) will.
Doch wie oft kommt Dir Deine Bequemlichkeit dazwischen. Wie oft tust Du dann doch immer wieder das Gleiche und landest vor dem Fernseher oder einer anderen Art von passiver Konsumierung. Dabei spreche ich garnicht von Selbstdisziplin. In diesem Kontext wäre dann Selbstdisziplin eine Art von Automatismus, der einsetzt, wenn trotz der Einsicht, daß etwas gut für mich wäre, die augenblickliche Handlungsmotivation fehlt. Und dann mach ich‘s trotzdem. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir gehen hier einmal davon aus, daß wir bestens gelaunt planen wollen, was die richtigen Schritte für uns sind. Eine Faustregel habe ich früher schon genannt: Act on it. Mach den ersten Handlungsschritt so klein, daß er SOFORT ausführbar ist. Dann hast Du schon mit der Umsetzung begonnen.
Ein Beispiel aus meinem Leben zur weiteren Veranschaulichung: als ich vor nunmehr fast zwei Jahren begonnen hatte, jeden Tag direkt nach dem Aufstehen Yoga zu praktizieren, war für mich nicht abzusehen, daß dies eine dauerhafte Einrichtung in meinem Leben werden würde. Ganz im Gegenteil. In meiner ersten Yogastunde nach fast zwanzig Jahren glaubte ich, schon die Aufwärmübung (Sonnengruss) nicht zu überstehen. Ich erinnere mich noch genau an meinen verzweifelten inneren Dialog: „Das überleb ich nicht, keine Minute mehr kann ich das!“ Mal ehrlich, nur die Anwesenheit von deutlich älteren Frauen, denen diese Übungen offensichtlich auch noch Spass bereiteten, veranlasste mich, aus Selbstachtung zu bleiben.
Während der drei Wochen war jeden Tag Yoga gefordert und siehe da, schon nach der ersten Woche bemerkte ich deutliche Fortschritte in meiner Kondition und Flexibilität. Und diese Fortschritte waren so deutlich und positiv, daß ich mir vornahm, auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland mit meiner morgentlichen Yogapraxis fortzufahren. Eine Stunde jedoch war mir zu viel.
Ich unterhielt mich mit dem Yogalehrer, studierte einige Übungsbücher dazu und entschloss mich, jeden Tag fünfzehn Minuten zu investieren. Sonnengruss, Vorwärts- und Rückwärtsflexibilisierung des Rückens, einige Dehnungsübungen und drei Pilatesübungen. Danach eine Atemübung und das wichtigste: die Endentspannung. Das war‘s.
Ich nahm mir vor, einen Monat lang, jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen zu üben. Das habe ich auch durchgehalten. Der Unterschied in meiner körperlichen Befindlichkeit war so enorm, daß es für mich feststand, damit „erst einmal“ weiterzumachen. Ich war süchtig nach dem guten Gefühl geworden, das sich einstellt, wenn Geist und Körper erwachen. Ich beginne seither den Tag ganz anders.
In dieser kleinen Geschichte stecken schon alle Strategien und Tipps für die Planung der einzelnen Handlungsschritte:
1. Act on it
Den ersten Schritt gleich.
2. Die richtige Grösse herausfinden
Handlungsschritte durch Testen in der Grösse kalibrieren
3. Bei wiederkehrenden Handlungen:
Evaluationszeitraum mit Dir selbst vereinbaren
4. Mit dem Fortschritt den Anspruch steigern
5. Regelmässige Testroutinen einbauen:
Führt das, was ich gerade tue, auch zum Ziel?
6. Erfolgskriterien vorher festlegen:
Woran messe ich, daß ich Erfolg habe?
Was sehe, höre, fühle ich?
Und einen Ratschlag habe ich noch, für die immer wiederkehrenden Handlungsschritte. Die sind ja wirklich wichtig für Dein Leben. Wenn Du Gewicht verlieren willst, wenn Du fitter werden willst, wenn Du eine Sprache lernen willst, wenn Du ganz allgemein ein Ziel erreichen willst, das nur durch wiederkehrende Aktionen zu erreichen ist: KEIN MENSCH IST VOLLKOMMEN. Auch Du nicht. Es wird also passieren, daß Du, aus welchen Gründen auch immer, das Regelmässigkeitsmuster durchbrichst. DAS ist der häufigste Grund (neben der fehlenden Selbstdiziplin), für einen Abbruch einer erfolgversprechenden Handlungsstrategie. Überlege Dir deshalb, wie Du ganz einfach wieder in die Aktion kommst.
In manchen Diätbüchern habe ich vom sogennanten „Belohnungstag“ gelesen. Jener Tag also, der Dir nach einer bestimmten Zeitspanne (meist einmal pro Woche) erlaubt, alles zu essen, was Du gerade willst. Wieder ein Beispiel aus meinem Leben: Ich bin momentan mit meinen Trainern auf Reisen und musste aus Mangel an Möglichkeit mein „Green Smoothie Experiment“ unterbrechen. Das fällt mir schwer genug, weil sich in der Zeit vorher die Vorteile für mich ganz deutlich zeigten. Nur reise ich nicht so gerne mit einem schweren Mixer durch die Lande und erprobe meine Flexibilität lieber anders.
Allerdings freue ich mich schon wieder auf die Zeit zu Hause, wenn ich wieder „grün“ trinken kann. Und ich freue mich auf mein körperliches Befinden, wenn ich dann etwa nach einer Woche die Vorteile davon direkt in meinem Körper spüren kann.
Meine Yogaübungen kann ich ja mit auf Reisen nehmen. Da sammle ich in meinem Kopf die Erinnerungen an die schönsten Stellen für meine morgentlichen Übungen: Eine Terasse hoch über dem Bergurwald, am Rande einer heissen Quelle, wenn der Morgennebel noch über dem Tal liegt, im Innenhof eines alten chinesischen Hofes auf 3000 Meter Höhe bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, so viele wunderbare Erinnerungen, die ich alle nicht hätte, wenn ich auf meine Übungen verzichtet hätte.
Soweit so gut. Jetzt sind wir bereit, im nächsten Newsletter über die Selbstdisziplin nachzudenken. Das Fundament ist geschaffen. Ich wünsche Dir die besten Erfahrungen für diese Woche und freue mich wie immer über Nachrichten, die von Deinen Erfahrungen berichten.