Deine Welt ist nicht die ganze Welt

Über Glaubenssätze und eigene Prioritäten

Stell Dir vor, es gibt tatsächlich mehr als einen Weg, ein Ziel zu erreichen. Das Sprichwort sagt: “Viele Wege führen nach Rom.” Die Welt jedoch ist voller Bücher, die Menschen geschrieben haben, die glauben, dass ihr einmal gegangener Weg zum Erfolg auch derjenige ist, der alle anderen Menschen ebenfalls ans gleiche Ziel bringt. Meist ist dieses Ziel mit „reich und berühmt“ schnell beschrieben. Und tatsächlich hat es viele der Schreiber reich und berühmt gemacht. Leider ist dieses Ziel kein Garant für ein glückliches Leben.

Ich bin überzeugt, Du hast ebenfalls den einen oder anderen Ratschlag für Freunde, Kollegen oder fremde Menschen parat. Du bist vielleicht stolz darauf, Ziele, die Du Dir gesteckt hast, auch erreicht zu haben und glaubst nun, das Patentrezept gefunden zu haben. Oder gehörst Du sogar zu jenen, die Ratschläge für Andere jederzeit parat haben, sie jedoch selbst nicht befolgen? Mein Rat: Dein Rat muss für Dein Gegenüber wirksam sein, nicht für Dich.

Sprache definiert die Grenzen der Welt

Als erstes gilt es deshalb, herauszufinden, wo die Grenzen dessen sind, was Dein Gegenüber glaubt, dass für ihn möglich ist … oder eben nicht! Du kannst dies schnell durch eine geschickte Anwendung des Metamodells der Sprache herausfinden. Ich nenne diesen Vorgang: Die Grenzen der individuellen Welt erkunden.

Dafür kannst Du ein einfaches Modell zur Orientierung anwenden. Wenn Dein Gegenüber etwas erreichen will, das er noch nicht hat oder kann, liegt das Ziel ausserhalb seiner Welt. Deine Aufgabe ist es, ihm den Weg zu zeigen, dieses Ziel in sein Weltmodell zu bekommen. Oder anders herum: Dein Gegenüber hat, macht oder kann etwas, das er loswerden will. Rauchen, zu viel Gewicht, schlechte Gewohnheiten gehören dazu. Deine Aufgabe ist es dann, dieses Verhalten aus seiner Welt zu schaffen.

Manipulation mit NLP
NLP Elemente 03: Verdeckte Installation und "Veränderung nebenbei"

Wie kannst Du das Modell von NLP anwenden, ohne dass Dein Gegenüber weiss, dass Du mit ihm arbeitest. Bei erfahrenen Trainern ist die Arbeit meistens schon zu großen Teilen erledigt, wenn die Teilnehmer sich noch fragen, wann "es jetzt endlich losgeht...".

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Innerhalb der Grenzen der Welt, gelten die Glaubenssätze des „ist für mich möglich“. Das heisst jedoch noch lange nicht, dass aus Möglichkeiten auch Wirklichkeiten werden. Dabei spielt die Priorität der jeweiligen Glaubenssätze eine sehr grosse Rolle. Ich gebe Dir ein Beispiel.

Stell Dir vor, Du würdest Deinem Gegenüber die Frage stellen: „Was ist Dir im Leben wirklich wichtig?“ Vielleicht würdest Du als Antwort bekommen: „Meine Familie geht mir über alles!“ Gleichzeitig will Dein Gegenüber eine Lösung finden, durch gezielte Aktionen seine berufliche Position zu verbessern.

Noch mehr Zeit und Energie in den Job investieren? Nicht, wenn die Familie das Wichtigste ist. Es mag nun sein, daß für Dich die Karriere wichtiger ist, als Familie oder Beziehung. Ein Ratschlag nach DEINEN Prioritäten wäre deshalb ein schlechter Ratschlag. Er mag vielleicht sogar um den Vorteil im Beruf die Familie zerstören…

Eine kleine Übung schafft Klarheit

Ohne es bewusst zu realisieren, sind viele Menschen Konflikten ihrer unterschiedlichen Glaubenssysteme ausgeliefert. Vielleicht gilt das auch für Dich und so ist es sicherlich eine gute Idee, zunächst einmal Klarheit zu schaffen, wie Deine Prioritäten im Leben verteilt sind. Ich schlage Dir deshalb eine sehr sinnvolle, kleine Übung vor.

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Schritt 1: Bestandsaufnahme

Setze Dich in einer ruhigen Stunde an einen Tisch. Nimm mehrere Blätter Papier und einen Stift zur Hand. Frage Dich: „Was ist mir wichtig im Leben?“ und schreibe diese Begriffe auf ein Blatt Papier. Da mag dann stehen: Gesundheit, Erfolg, Beruf, Liebe, Beziehung, Sport, Verdienst, Anerkennung, Adrenalin, Freunde, Abenteuer, Sex, Lernen, und noch viel mehr.

Achte darauf: meist tritt nach mehreren, flüssig hingeschriebenen Begriffen Stillstand ein – warte ein paar Augenblicke, bis Deine Kreativität wieder fliesst und schreibe mindestens dreissig Begriffe auf Dein Blatt.

Schritt 2: Bestand gruppieren

Dann kannst Du beginnen, die Begriffe zu ordnen. Beziehung, Liebe, Sex kannst Du in eine Gruppe „befördern“ mit dem Namen „Beziehung“ als Kapitelüberschrift. Den Begriffen Karriere, Verdienst, Anerkennung kannst Du den Namen „Beruf“ geben und Yoga, Fitness, Laufen, Bungee kannst Du unter „Gesundheit“ gruppieren. So kannst Du für die verschiedensten Bereiche Deiner Lebenswirklichkeit sinnvolle Gruppen bilden.

Schritt 3: Begriffe präzisieren

Jetzt wird es interessant: Nimm einen Begriff, beispielsweise den Begriff „Liebe“. Überlege Dir einen Glaubenssatz, der für Dich den Begriff Liebe zusammenfasst. Das kannst Du mit folgenden Fragen herausfinden:

Was glaubst Du, dass Liebe für Dich ist, möglich oder unmöglich macht. Da könnte dann auf dem Blatt stehen: „Liebe ist etwas für hilflose Romantiker!“ oder eben „Liebe ist die Essenz meiner Existenz!“ je nach Glaubenssystem. Die Ergebnisse geben Dir viel Stoff zum Nachdenken. Wenn Du willst, arbeite Dich mit diesen Fragen durch alle Bereiche Deines Lebens.

Schritt 4: Priorisieren auf zwei Ebenen

Nachdem Du Deine Glaubenssätze auf diese Weise analysiert hast, ist es nun relativ einfach, für jeden Lebensbereich die einzelnen Begriffe nach Wichtigkeit zu priorisieren. Frage Dich beispielsweise: Ist (innerhalb der Gruppe „Beruf“) Anerkennung für Dich wichtiger, oder Dein Einkommen.

Ordne die Begriffe der einzelnen Gruppen nach ihrer Wichtigkeit. Das Wichtigste kommt ganz nach oben, das Unwichtigste an die letzte Stelle. Dann kannst Du die großen Gruppen priorisieren. Ist „Beruf“ wichtiger, als „Gesundheit“? Ist „Beziehung“ wichtiger als „Beruf“ und so weiter. 

Ein neues Leben

Du wirst vielleicht überrascht sein, wie sich durch diese einfache Übung Dein Leben darstellt. Du definierst damit die Grenzen Deines Weltverständnisses. Wirklich spannend wird es, wenn es Dir gelingt, Deinen Partner davon zu überzeugen, die Übung mit Dir zu machen. So kann jeder sein Verhältnis zu den einzelnen Glaubenswelten darlegen – und damit auch die unterschiedlichen Grenzen ausloten. Wo finden sich Übereinstimmungen und – viel wichtiger – wo finden sich Differenzen? Sprecht darüber! Die Ergebnisse werden Dir wichtige Einsichten über Dich und Deinen Partner vermitteln. 

Mit diesem Wissen bist Du bereit, zu erkennen, dass jeder Mensch die unterschiedlichsten Welten mit sich herumträgt. Welten, die in ihren Grenzen und Limitierungen jeweils anders definiert sind. Dies zu erkennen ist eine der spannendsten Übungen. Die Konsequenzen für Dein Leben werden ein Leben lang andauern. Und diese Erkenntnisse werden Dich natürlich auch in Deinen Coachings beeinflussen. In den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Coach habe ich erkannt, dass es die Kenntnis und die Veränderung der limitierenden Glaubenssätze Deiner Gesprächspartner ist, die den Schlüssel für die Ergebnisse Deiner Coachings liefern.

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