Das hätte sich Friedrich Anton Mesmer nicht träumen lassen. Sein Name war es nämlich, mit dem sich die Technik der Hypnose für alle Zeiten verband. Mesmerismus, dieser Name steht heute noch im anglosächsischen Sprachbereich für die Technik der Hypnose. Er vermarktete seinen Namen und seine Technik publikumsträchtig und gab in den Salons der feinen Gesellschaft Vorstellungen über den „thierischen Magnetismus“, wie er ihn nannte.
Mesmer entriss die Hypnose den Klauen einer vermeintlich zwielichtigen Herkunft und begründete mit seiner Popularität die moderne Psychotherapie. Auch wenn Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert nicht immer das Zentrum der Entwicklung therapeutischer Hypnosetechniken war — deutsche Ärzte gestalteten die Entwicklung an vorderster Front mit. Als ich 1996 begann, mich mit den Möglichkeiten der Übertragung von Hypnoseformaten auf elektronische Medien zu beschäftigen, bewegte ich mich auf Neuland. In diesem Jahr ist die erste deutsche Produktion eines Hypnose Workshops bei kikidan GmbH erschienen. Meine grundätzlichen Gedanken dazu möchte ich Dir heute gerne präsentieren.
Frage 1: Übersetzbarkeit therapeutischer Sprachmodelle:
Milton H. Erickson beeinflusste in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Richtung der Hypnose ähnlich, wie F. A. Mesmer im Neunzehnten. Der große Hypnosetherapeut aus den USA veränderte die Szene der klinischen Hypnose entscheidend. Weil die Muster seiner therapeutischen Interventionen von Wissenschaftlern in verschiedenen Modellen auf der Meta- und Verständnisebene detailliert beschrieben wurden und weil sich die Milton H. Erickson Institute in aller Welt vorbildlich um die Verbreitung seiner Lehre kümmern, hat er vielleicht die meisten Anhänger und ist die Struktur seiner Lehre so verbreitet. Seine Werke und die wichtigsten Kommentare dazu sind allesamt in die deutsche Sprache übersetzt. Seine Muttersprache jedoch war das amerikanische Englisch. Dieser Fakt beinhaltet bereits alle möglichen für einen deutschen Therapeuten. Sein Modell wirksam in die deutsche Sprache zu transferieren ist noch schwerer, als ein Buch aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen. In der Beschäftigung mit seiner Therapiesprache und seinem Therapiemodell werden die Grenzen einer therapeutisch wirksamen Übersetzung sofort deutlich. Die bisher im Handel erhältlichen Übersetzungen seiner Werke tragen diesem Umstand keine Rechnung. Hervorragend sprachlich übersetzt, fehlt ihnen allesamt die Wirksamkeit sobald sie in der therapeutischen Umgebung angewendet werden sollen. Alle Hypnotherapeuten, mit denen ich sprach, haben mit der Methode „Versuch und Irrtum“ eigene, funktionierende Sprachmodelle entwickelt.
Umberto Eco hat in seinem Buch „Mouse or Rat?1“ eigenen Gedanken zum Thema der präzisen Übersetzbarkeit beigesteuert. Er schreibt im Kapitel „Losses“, wie er im Buch Baudolino eine Kunstsprache entwickelt, und wie sie dem Übersetzer des Werkes große Probleme bereiten. Vieles der Originalität ging im Prozess der Stilfindung während der Übersetzung einfach verloren. Wenn Sie die Problematik, die Übersetzungen aus den verschiedensten Sprachen innewohnt für Ihren Beruf als Therapeut betrifft, sollten Sie auch die Anmerkungen des Übersetzers Michael Walter lesen. Er übersetzte in neun Jahren Arbeit ein einziges Buch: Laurence Sterne — „Tristram Shandy2„. Der Übersetzer Dieter H. Stündel wagte sich gar an ein bis dahin unübersetzbar gehaltenes Werk: James Joyce, Finnegans Wake3. Er machte seinen Übersetzungsprozess dadurch transparent, daß er das komplette englische Manuskript mit allen übersetzerischen Anmerkungen als Faksimile der übersetzten Originalseite gegenüberstellte.
Die Spanne der Übersetzungsexperimente aus einer Originalsprache in das Deutsche reicht bis zu Rudolf Borchard, der in den zwanziger Jahren bei der Übersetzung von Dantes Göttlicher Komödie gleich ein völlig neues Werk schuf: Dante Deutsch4. Für die therapeutisch wirksame Übertragung der Muster von M.H. Erickson arbeitete ich im Vorfeld zur Aufzeichnung des Hypnose-Workshops mit meinem amerikanischen Assistenten über achzehn Monate zusammen. Wir diskutierten hypnotherapeutisch relevante Wortfelder und fanden heraus, dass die wörtliche Übersetzung nicht immer die Sinnhafte ist. Zur therapeutischen Wirksamkeit veranstalteten wir in Workshops Experimente mit unterschiedlichen Induktions- und Utilisationsvarianten. Danach befragten wir die Teilnehmer nach ihren subjektiven Erlebnissen. Mit den wirksamsten Varianten arbeiteten wir weiter. Dabei ergaben sich ganz eigene, sehr wirksame, hypnotische Sprachmuster. Diese sind, genau wie bei M.H. Erickson sehr stark von analogen Komponenten wie Duktus, Semantischer Dichte und Sprachmelodie geprägt.
Frage 2: Kompatibilität kultureller Eigenheiten

Frage 3: Kompatibilität mit anderen Therapiemodellen z.B. NLP
Bisher werden Hypnosetechniken meist als eigenes Therapiemodell gelehrt. Es gibt viele Institute für klinische Hypnose und genauso viele Therapeuten, die Aspekte der Hypnotherapie gerne in ihrer eigenen Praxis und mit Ihren eigenen Therapiemodellen einsetzen möchten. Diesem Umstand wollte ich Rechnung tragen. Wenn es um die Vermittlung der verschiedenen Induktionstechniken geht, bleibt dieser Anspruch noch recht neutral. Wenn es allerdings darum geht, wie eine vorhandene Tieftrance utiltisiert werden soll, scheiden sich schnell die Geister. Ich habe für den Workshop ein Metapherngerüst entwickelt, das auf den Glaubenssystemen der Extrasensorik etwas esotherisch angehaucht daherkommt. Dies entspricht in der Suche nach ethischen Werten dem Erwartungshorizont sehr vieler Teilnehmer. Dieser Schein trügt allerdings. Bei genauer Betrachtung ist dies die elegante Variante einer glaubenssatzneutralen Vermittlung. Die Führung des Hypnosepatienten geschieht aus dem Unbewussten heraus, sie kalibriert sich selbst. Das gibt gerade Anfängern in Hypnosetechniken ein großes Maß an Sicherheit in der Anwendung. Die vermittelte Betrachtungsweise ist einerseits modelltheoretisch einfach und übersichtlich — damit leicht merkbar und wieder abrufbar —
andererseits fügt sie sich modellneutral in vorhandene Therapiekontexte ein.
Frage 4: Effektivität der Wissensvermittlung

Und wenn Du dann beginnst, auf der Basis Deiner Erfahrungen im Alltag Experimente zu machen, die Dir Deine Arbeit viel leichter machen, dann sende Doch ein herzliches Dankeschön gen Himmel. Schließlich war es Friedrich Anton Mesmer, der Dir vor fast 200 Jahren die Grundlagen dafür bereitet hat.