Hypnose #2: Die Induktion der Trance

Öffne das Tor zum Unbewussten

Wenn Du Dich im Internet umsiehst, magst Du denken, eine erfolgreiche Tranceinduktion wäre das Non plus Ultra der Hypnose. Dem ist nicht so. Die Tranceinduktion ist der Weg, Deinem Gegenüber die Türen in die Welt des Unbewussten zu öffnen. Nicht mehr – und nicht weniger. Dabei ist es wie im richtigen Leben: es führen viele Wege nach Rom.

In dieser Artikelserie beschreibe ich Dir, wie ich eine erfolgreiche Hypnose-Sitzung  gestalte. Sie beschreibt die 5 Abschnitte, in Die ich eine Hypnose teile: SettingTranceinduktionUtilisation, Posthypnotische Suggestionen und Aufwecken, Nachbereitung. Wenn Du noch keine Erfahrung mit Hypnose hast beginne bei meinem Artikel Hypnose lernen in 6 Schritten

Hyponose Trance Induktion SpiraleUm es Dir gleich zu Anfang zu sagen: der sogenannten „manipulativen Blitzhypnose“ messe ich keinen Wert bei. Dabei werden die menschlichen Werte auf den Kopf gestellt. Da stellt sich ein selbst ernannter „Hyopnosemagier“ mit seinen manipulativen Kräften in den Vordergrund. Ich meine Angebote wie: „Du kannst jeden Menschen dazu bringen, alles zu tun, was DU willst!“. So verkaufen sich Programme für unsichere Heranwachsende. Damit will ich nichts zu tun haben, darüber findest Du hier nichts.

In diesem Artikel erkläre ich Dir vielmehr, was Du bei der Induktion von Trance beachten kannst und gebe Dir einen Überblick über die vielen verschiedenen Methoden, eine Trance zu induzieren. Vielleicht möchtest Du zuerst einmal wissen, was eine Trance überhaupt ist?

Ein Trancezustand ist in Deinem Gegenüber dann erreicht, wenn sein Bewusstsein die kritische Instanz „abgeschaltet“ hat und damit sein Tor zum Unbewussten geöffnet ist. Je nachdem, was Du in der Trance erreichen willst, kann die Trance leicht oder sehr tief sein. Daran orientiert sich auch die Art, eine Trance zu induzieren.

Die Munchie - Maschine
Mehr Freude und Genuss beim Essen

Hast Du auch manchmal den Munchie Blues und plünderst den Kühlschrank und nimmst Dinge zu Dir, von denen Du weisst, dass sie Dir nicht gut tun? Kannst Du häufig nicht aufhören, wenn Du eigentlich schon satt bist? Liebst Du Fettes und Fleischiges mehr als Grünes und Fruchtiges? Dann bist Du hier richtig.

ab 19,00 €  ...mehr erfahren

Die Tranceinduktion als Weg zum Ziel

Als Tranceinduktion bezeichne ich den von Dir gesteuerten Prozess, Deinem Gegenüber zu helfen, seine kritische Instanz abzuschalten und ihn mit möglichst angenehmen Gefühlen in den Zustand einer mehr oder weniger tiefen Trance zu begleiten. Nochmals also: Deine Rolle ist nicht der alles beherrschende Diktator sondern diejenige des anbietenden Begleiters.

Die kritische Instanz ist jener Teil des Denkvorganges, der Glaubenssätze etabliert, Meinungen bildet und Urteile fällt. Dieser Teil unterscheidet für Dich zwischen heiß und kalt, gut und böse, wahr und unwahr, hell und dunkel. Er gestaltet Deine „reale Welt“. Wenn es Dir (nach Elman) also gelingt, die kritische Instanz Deines Patienten so zu umgehen, daß er nicht mehr zwischen heiß und kalt, gut und böse, wahr und unwahr, hell und dunkel unterscheidet, kannst Du Dir die Kräfte des selektives Denken mit seinen vielen Vorteilen in der Trance zu Nutze machen.

Vielleicht klingt diese Definition etwas wischi-waschi für Dich. Leider steckt das Gebiet der Hypnose immer noch in den Kinderschuhen. Wir beginnen erst damit, die wunderbaren Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen, die eine Arbeit mit dem Unbewussten bereit hält. Ich komme mir bei jeder Hypnosesitzung vor wie ein Forscher, der gerade auf einer einsamen Insel gelandet ist. Er wird nun herausfinden, wie das neue Land beschaffen ist, was er Essen und Trinken kann und wie er seinen Aufenthalt am besten nutzen kann.

Wann hast Du Dein Ziel erreicht?

Am liebsten wäre es mir, wenn ich Dir als Antwort auf diese rhetorische Frage einen genauen Prozess und genaue Testkriterien an die Hand geben könnte. Ich würde dann eine Trance in „Tiefenstufen“ einteilen, so etwas wie Trancetiefe 1 bis 5 wobei 5 der tiefste Zustand, der sogenannte Esdaile Zustand** nach Dave Elman wäre.

Wir können uns jedoch auf einige Grundlagen einigen. Zum Beispiel, dass eine Tranceinduktion als Prozess mit mehreren Prozessschritten darstellbar ist. Dein Gegenüber kommt in einem beliebigen Zustand zu Dir. Du führst unterschiedliche Prozessschritte durch und am Ende befindet sich Dein Gegenüber in einer Trance. Wie nun kannst Du dahin gelangen?

Dave Elman hat den Versuch unternommen, eine standardisierte Tranceinduktion für sein Anwendungsgebiet – die hypnotische Schmerzunterbindung – zu entwickeln. Sie findet sich unter dem Stichwort „Elman Induktion“ in hunderten von – mehr oder weniger guten – Anwendungsbeispielen im Netz wieder. Ich halte es mit der Flexibilität und für mich sind Teile der Elman Induktion neben vielen anderen Induktionstechniken das Mittel der Wahl.

Damit Du Dich im Dschungel der Möglichkeiten zurechtfindest, gebe ich Dir nachfolgend eine mögliche Struktur einer Tranceinduktion und erläutere Dir, was Du im jeweiligen Prozessschritt beachten kannst. Zwei Anmerkungen vorab: Zum einen ist es nicht immer nötig, die tiefstmögliche Trance zu induzieren. Je nach Anwendungsfall reicht vielleicht schon eine milde Trance. Zum zweiten ist es wichtig, praktische Demonstrationen zu erhalten und mit Feedback zu üben.

Es reicht nicht, Dir ein Internetfilmchen anzusehen und dann bist Du ein Hypnosemeister. Klar, dass ich Dir an dieser Stelle die Teilnahme an einem meiner Workshops empfehle. Doch es gibt viele Angebote. Achte auf Seriosität und darauf, dass Dein Lehrer sein Handwerk versteht und Spass an der Sache hat. Ein paar Jahrzehnte Erfahrung schaden wirklich nicht. Schliesslich öffnest Du das Tor auch zu Deinem Unbewussten. Genug der Vorrede, hier kommt die Prozessbeschreibung einer Tranceinduktion.

Sonderfall: die nonverbale Tranceinduktion

Wenn es darum geht, einen Trancezustand zu induzieren, ohne dies explizit zu thematisieren, kannst Du mit verschiedenen, nonverbalen Mitteln arbeiten. Ich nutze diese Technik im NLP Practitioner und zeige meinen Teilnehmern damit, wie einfach es sein kann, den Bewusstseinszustand zu verändern.

Zu den nonverbalen Induktionstechniken gehört beispielsweise das Atempacing. Bevor ich lange und theoretisch erkläre, schaust Du Dir dazu vielleicht eine kleine Demonstration an, eben die aus dem NLP Practitioner.

Schritt 1: Kontextualisierung

Ich halte es mit Milton H. Erickson, der seinen Trancesitzungen vor oder nach dem Augenschluss. Als Beispiel für eine Kontextualisierung mag Dir der Beginn  der Integrationstrance von Tag 8 aus dem NLP Practitioner dienen. In diesem Falle habe ich zuerst die indirekte Suggestion zum Augenschluss gewählt und dann die Kontextualisierung:

„Mhhh, gerade jetzt kannst Du, wenn Du Deine Augen schließt, Dich wieder einmal ganz einfach fallen lassen. Spüren, dass Trost und Komfort, der aus Dir kommt für Dich immer ganz nah ist. So viele Menschen meinen, ihnen würde das Leben übel mitspielen, während sie doch selbst die Methoden ersinnen, die genau dies geschehn lassen. Manches Mal suchen sie sich aus einer wunderschönen Realität, genau jene Dinge heraus, die es eher wert gewesen wären, schnell daraus zu lernen, und sie dann ganz einfach zu löschen, sie dem schnellen und gründlichen Vergessen anheimfallen zu lassen….“

Schritt 2: Offene oder geschlossene Augen

Letztendlich ist es egal, ob Dein Gegenüber seine Augen schliesst, oder nicht. Auf die mögliche Tiefe einer Trance hat dies keinen Einfluss. Manchmal nutze ich sogar explizit das Öffnen der Augen als Mittel der Vertiefung. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es vielen Menschen sehr viel leichter fällt, in eine Trance zu gelangen, wenn sie ihre Augen geschlossen haben. Der Augenschluss fördert den „Fokus nach innen“.

Du kannst zwei Arten von Suggestionen zum Augenschluss unterscheiden: Direkt oder Indirekt. „Schliesse Deine Augen…!“ ist eine direkte Suggestion. Im Beispiel aus dem vorigen Absatz kannst Du dann lesen, dass es nicht zwingend notwendig ist, eine direkte Suggestion zu geben und wie die indirekte Suggestion funktioniert. In Dave Elman schlägt in seiner Induktion vor, den Augenschluss zu testen und mit einer direkten Suggestion zu verknüpfen. Hier sein Bespiel:

„Und wenn Du ganz sicher bist, dass Deine Augenmuskeln aufgehört haben zu arbeiten, dass Deine Lider geschlossen bleiben, kannst Du ganz einfach herausfinden, wie sehr Deine Augenmuskeln entspannt sind, wenn Du versuchst, Deine Augenlider zu öffnen. Denn je mehr Du versuchen wirst, sie zu öffnen, desto mehr wirst du feststellen, dass sie geschlossen bleiben. Genau, versuch es, probiere es. So entspannt sind Deine Augenlider, daß sie einfach geschlossen bleiben.“

Schritt 3: Die körperlichen Entspannung

In diesem Schritt geht es darum, den Fokus Deines Gegenübers auf die Entspannung des Körpers zu legen. Dafür gibt es unendlich viele Methoden und Anleitungen. Nimm nur einmal das Autogene Training als Beispiel. Eine bewährte Methode zur Autosuggestion, die Du sehr gut für Deine Zwecke einsetzen kannst.

Auch in den beiden Integrationstrancen des ersten Tages beim NLP Practitioner liegt der Fokus ganz auf der Entspannung. Du kannst davon ausgehen, dass eine Person, die zum ersten Mal mit Trance und Hypnose zu tun hat, einige Zeit braucht, bis sie sich an die von aussen geleitete Form der Bewusstseinsveränderung gewöhnt hat.

Es ist eine gute Übung, die beiden Trancen des ersten Tages beim NLP Practitioner einmal für Dich zu transkribieren. Dadurch lernst Du nicht nur die Struktur sondern auch die Art und Weise der Formulierung. Im Modell von NLP beschäftigst Du Dich ja zwar mit der linguistisch korrekten Formulierung von Suggestionen (im Milton Modell, bei mir an Tag 4) allerdings nicht mit Inhalt. Den solltest Du selbst entwickeln.

Schritt 4: Das Fraktionieren

Weiter oben habe ich Dir berichtet, dass Dein Gegenüber, wenn er zum ersten Mal eine Erfahrung mit Hypnose macht, üblicherweise etwas befangen ist. Das äussert sich oft darin, dass er ab einer bestimmten Trancetiefe plötzlich die Augen wieder öffnet und sagt: „Es funktioniert nicht…! oder er lacht oder macht etwas anders.

Das kannst Du als einen Widerstand gegen seine zunehmende Entspannung interpretieren und ihm auf geeignete Weise helfen, sie zu überwinden. Da ist Fraktionieren das Mittel der Wahl. Dabei führst Du Dein Gegenüber zuerst stückweise wieder aus seiner Trance heraus und dann um so tiefer wieder hinein. Diese Technik kannst Du nacheinander beliebig oft anwenden und so sehr schnell sehr tiefe Trancezustände erreichen.

Ob Dein Gegenüber vollständig körperlich entspannt ist, kannst Du mit der Elman Methode testen. Ich verzichte darauf, die Suggestionen hier wiederzugeben, Du findest das gesamte Transkript einer standardisierten Elman Trance mit entsprechenden Kommentaren auf meiner Webseite, wenn Du dem Link folgst.

Schritt 5: Die geistige Entspannung

In den meisten Anwendungsfällen bist Du mit dem Erreichen von Schritt 4 und einem entsprechend gut verankerten körperlich entspanntem Trancezustand hervorragend bedient. Die meisten Trancephänomene kannst Du damit darstellen. Ich zähle dazu wirksame posthypnotische Suggestionen, Amnesie, strategische Suggestionen zur Prozessoptimierung, Traumalösungen und vieles mehr.

Wenn Dein Erfahrungsschatz zunimmt, möchtest Du Dich vielleicht an wirklich fortgeschrittene Techniken wagen. Dazu gehören die kontrollierte Anästhesie, bis hin zu Operationen am offenen Herzen OHNE Betäubungsmittel (selbst gesehen), das Hervorrufen optischer Phänomene, also positive und negative Halluzination sowie Phänomene der subjektiven Zeitverschiebung.

Eine Technik dazu besteht in der direkten Suggestion nach Dave Elman. Diese kannst Du Dir in der oben erwähnten Trance-Transkription aneignen. Du kannst allerdings auch indirekt arbeiten, indem Du über installierte unbewusste Fingersignale dem Unbewussten die Art überlässt, wie tief es für die Darstellung des jeweiligen Phänomens gehen will. Dazu mehr im nächsten Artikel.

Der letzte Schritt: Der Esdaile Zustand

Der „Esdaile-Zustand“ ist nach James Esdaile benannt, einem schottischen Chirurgen. Er arbeitete im 19. Jahrhundert in einem Krankenhaus in Indien. Da er keine Narkosemittel zur Verfügung hatte, nutzte er eine spezielle Form der tiefen Hypnose um seine Patienten in diesem Zustand schmerzfrei zu operieren. Er führte über 300 umfangreiche Operationen und 19 Amputationen durch.

So schön der Esdaile-Zustand für Dein Gegenüber ist, für eine Hypnose-Therapie ist er nach meiner Erfahrung kaum geeignet. Dieser Trancezustand ist so tief, dass die Suggestionen bei Deinem Gegenüber unwirksam bleiben. Sein Bewusstsein verharrt in einem Zustand der Euphorie und des Friedens und will dabei nicht gestört werden. Am ehesten kannst Du diesen Zustand mit dem des erleuchteten Samadhi vergleichen.

Eine kleine Zusammenfassung

Wenn Du diesen langen Artikel bis hierher gelesen hast, ist Dir bestimmt klar geworden, dass ein solcher Artikel nicht einmal die oberste Ebene dessen ankratzt, was Du an Hypnosetechniken wissen und können kannst. Es ist ein kleiner Überblick geworden über die Möglichkeit, anderen Menschen das Tor zum Unbewussten zu öffnen. Mehr sollte es auch nicht sein.

Wenn Du damit wirklich arbeiten willst, halte ich es für sehr wichtig, dass Du angeleitete und praktische Erfahrungen damit machst. Besuche doch einfach einmal einen meiner Workshops. Die ersten drei Tage der NLP Workweek mit der intensiven Einführung in die Welt der Hypnose  eignen sich hervorragend dafür. Zusätzlich wendest Du eine Menge an Suggestionen zur Optimierung Deiner Persönlichkeit gleich und direkt an. Wir sehen uns… Einstweilen jedoch wünsche ich Dir grossen Spass und viel Erfolg bei der Umsetzung der vielen Inhalte dieses Artikels.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (11 votes, average: 4,73 out of 5)
Hypnose #2: Die Induktion der Trance hat 4.73 von 5 Sterne bei insgesamt 11 Bewertungen. Wie findest Du diesen Artikel?
Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Vielleicht interessiert dich auch:

Ein Kommentar

  • Guten Abend,

    zum Thema Hypnose, bei psychischer Grunderkrankung überzeugt mich die Wirksamkeit, im Selbstveruch, anlehnend an das Drug of Choice Format.

    Bestimmte als Krank klassifizierte Zustande gehen mit einer Art Flashback bzw. gelegentlichem Rücksprung aus dem Derealisations-Erleben einher und machen sich mit hierrüber nutzbar, beschriebener weise also eher, wie in der gleichen Situation, anders, neu aufwachen.

    Nur gleichsame Intensität des Phänomens ist mir noch nicht gelungen, permanente Qualitätssteigerung allerdings durchaus.

    Stichpunkte: Konzentration, Gedächtnisvermögen, Agitiertheit, Emtionale abgeflachtheit, Grundstimmung (Bündeln von Ressourcen)

    Zudem stellen sich Kognition und Empfinden (Glauebnssätze) der vollendeten Tatsache dazu in Frage. (Da geht was)

    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email