Atem ist Leben!

Übungen für mehr Bewusstsein und Energie

NLP lernen bedeutet für viele Neulinge zuerst, Wissen anzuhäufen und die entsprechenden Techniken zu beherrschen. Vieles von dem Erfolg, den Du mit der Anwendung von NLP haben kannst, beruht jedoch auf der genauen Beobachtung Deines Gegenüber. Es ist zuerst eine Übung in Sinnesaufmerksamkeit. Das englische Fachwort dafür heißt „Sensory Acuity“. Bei den Sinneskanälen stellst Du Dir Fragen wie: „Was sehe ich gerade?“ oder „Was höre ich gerade?“ Oft jedoch vergessen die Teilnehmer an meinen Workshops der Wahrnehmung des Atems jene Wichtigkeit beizumessen, die ihm meiner Meinung nach gebührt.

Atem ist Leben - Lunge Wolke

„Atem ist Leben!“ Wie richtig dieser Ausspruch ist, kannst Du jetzt sofort mit einem kleinen Experiment feststellen. Kurze Frage vorher: Wie lange kannst Du es ohne Atmen aushalten? Probiere es doch aus, gleich jetzt! Nimm Deine Armbanduhr, atme ein paarmal tief ein und aus – und halte dann den Atem an. Beobachte, wie der Sekundenzeiger weiterrückt und warte ab, wie lange es dauert, bis Dein Drang, wieder Luft zu holen, übermächtig wird… Na, wie lange hast Du es ausgehalten? Dreißig Sekunden, eine Minute, oder sogar länger? Tja, und dann…? Dann hast Du weiter geatmet, wie seit dem Beginn Deines Lebens. Auch wenn Du die meiste Zeit des Tages nicht daran denkst, wie Du atmest, Gibt es eine Instanz in Dir, die diesen Zyklus steuert. Und weil das Atmen für die Funktion Deines Körpers so wichtig ist, sind viele vegetative Prozesse daran geknüpft. Mit der kurzzeitigen Veränderung des Atmens kannst Du deshalb diese Prozesse positiv beeinflussen. Das erfährst Du am Besten mit einer kleinen Übung:

Deinen Atem loslassen – es atmet

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Schließe für einen Moment Deine Augen. Konzentriere Dich auf Deinen Atem. Beobachte, wie Du ein- und ausatmest. Dann lass los – oder versuche es zumindest. Konzentriere Dich darauf, dass die „Tätigkeit““ des Atmens über den Tag hinweg sowieso automatisch abläuft. Probiere ob es Dir gelingt, trotz dieses Bewusstseins „Dich atmen zu lassen“. Entkopple die bewusste Kontrolle des Atems und nimm wahr, was Dein Körper unbewusst sowieso macht: Atmen. Lass Deinen Atem von selbst fliessen, ohne bewusst zu entscheiden: Jetzt atme ich ein, und jetzt atme ich aus.

Ich finde, es ist ganz wunderbar, einmal ganz bewusst herauszufinden, dass es eine Instanz in Dir gibt, die so gut für Dich sorgt. Ich nenne sie den „Freund auf der anderen Seite“. Er bildet eine Instanz, die Dein Herz schlagen lässt und Deinem Körper ständig den lebenswichtigen Sauerstoff zuführt. Das geschieht die meiste Zeit des Tages und der Nacht, ohne dass Du einen Gedanken daran verschwenden müsstest. Kein Wunder also, dass sich die alten Kulturen Gedanken über die Nutzung der zusätzlichen Energien gemacht haben, die in der bewussten Beeinflussung des Atmens gemacht haben.

Mehr Energie mit rhythmischen Atmen

Ich habe vor kurzem ein paar Tage in der Umgebung erfahrener Yogameister verbracht und mit ihnen Yoga praktiziert. In Indien, legt man sehr großes Gewicht auf die energiefördernden Atemübungen (Pranayama). Von 90 Minuten Yogapraxis wird nur etwa die Hälfte für die Asanas (Yogastellungen) genutzt. Der Rest ist Meditation, Entspannung  und eben Atemübung. Manche Yogastunde in Deutschland fühlt sich dagegen mehr wie eine Gymnastikstunde an. Dabei soll die Yogapraxis doch den Ausgleich zwischen Körper und Geist herbeiführen.

Die Übungsstunden begannen wir mit einer kurzen Zeit der meditativen Versenkung. So kann der Geist zur Ruhe kommen. Dann ging es weiter mit Anuloma Viloma, der Wechselatmung, Nach dieser Übung fühle ich mich energetisch, als hätte ich drei Tassen Kaffee getrunken. Nur bin ich sehr viel ausgeglichener. Diese massive Zunahme an Energie erstaunt mich immer wieder. Ich habe diese Atemübungen in meine Übungspraxis dauerhaft eingebaut. Vielleicht willst Du ebenfalls mit dieser Form von „Energieboost“ experimentieren.

Meine täglichen Atemübungen haben neben dem Energiegewinn mein Atemvolumen vergrößert und mein Bewusstsein für den alltäglichen Fluss des Atems geschärft. Nach einigen Tagen des regelmässigen Übens haben sich die Nasenschleimhäute frei gemacht und mein Geruchsempfinden ist viel stärker geworden. Und das sind nur einige der positiven Wirkungen der Wechselatmung. Hier eine kurze Beschreibung der Technik:

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Setze oder stelle Dich aufrecht hin. Atme bewusst durch die Nase ein und zähle langsam bis vier, vielleicht nutzt Du dabei den Rhythmus Deines Herzschlags. Halte nun die Luft an und zähle bis zwölf. Atme nun durch die Nase aus und zähle bis vier. Jetzt kannst Du ein paar Sekunden pausieren, bevor Du diese kleine Übung mehrmals wiederholst. Achte auf Deinen gleichmäßigen Rhythmus beim Atmen.

Dies ist nicht die klassische Wechselatmung aus der Yogapraxis. Die obige Übung ist einfach auszuführen und gibt Dir einen ersten Eindruck über die Wirksamkeit. Wenn Du eine genauere Erklärung der eigentlichen Übung willst, gib den Namen Anuloma Viloma einfach in eine Suchmaschine ein und Du wirst hunderte von Videos mit einer genauen Erklärungssequenz angezeigt bekommen.

Stilles Qi Gong
Sieben Übungen zur inneren Harmonie

Ich wurde auf einer Reise durch China mit der Technik und Philosophie dieser Übungen der Aktivierung der geistigen Energie durch Qi Gong bekannt. Die körperlichen Bewegungsübungen des Qui Gong sollen in langen Jahren der Praxis einer nie erreichbaren Vollendung entgegenstreben. Dagegen sind die Übungen des "stillen Qi Gong", die richtige Anleitung vorausgesetzt, sehr gut für jeden nachzuvollziehen und können schnell zu deutlich wahrnehmbaren Ergebnissen führen.

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Bauchatmen für mehr Wohlbefinden

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Öffne für diese Übung ein Fenster. Setze Dich bequem auf einen Stuhl, am Besten jedoch in den Lotossitz oder in den Schneidersitz. Lege Deine Hände auf die Oberschenkel und richte Dich gerade auf. Schliesse Deine Augen und achte auf das gleichmässige Fliessen Deines Atems. Reise gedanklich an einen Ort mit viel frischer und klarer Luft. Erinnere Dich zum Beispiel an einen positiven Urlaubsaufenthalt am Meer.

Spitze nun die Lippen, als wolltest Du pfeifen und atme tief durch den Mund in den Bauch ein. Halte dann die Luft für ein paar Sekunden an und atme anschließend mit gespitzten Lippen komplett wieder aus. Stelle dir vor, wie verbrauchte Luft und Energie beim Ausatmen Deinen Körper verlassen und wie Du energiereiche und saubere Luft einatmest. Du kannst das Einatmen mit blauer Farbe der Luft und das Ausatmen mit brauner Farbe visualisieren. Diese Sequenz solltest Du mehrmals wiederholen.

Stress schnell wegatmen

Wie oft kommt es im Alltag vor, dass Du Spannung und Stress anhäufst und keinen Gedanken darauf verschwendest, ihn auch wieder loszuwerden. Dazu brauchst Du nicht bis zum Abend zu warten, es genügen einige wenige Minuten, die Du einfach einmal zwischendurch „abzweigen“ kannst. Mehrmals über den Tag hinweg sorgen sie für ein ausgeglicheneres Gemüt und effektiveres Arbeiten.

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Diese Übung führst Du im Stehen aus. Lasse Deine Arme locker am Körper herunterhängen und atme ein. Hebe beim Einatmen Deine Arme an, bis sie sich über dem Kopf berühren. Atme dabei tief ein. Beim Sinken der Arme lässt Du die Luft komplett ausströmen und gibst ein langgezogenes Aaaaahhhh von Dir. Stell Dir dabei vor, wie aller Stress und alle Anspannung aus Dir weichen. Für eine Stunde Stressfreiheit genügt es, die Übung drei bis viermal zu wiederholen.

Kopfschmerzen einfach wegatmen

Es ist schnell passiert, dass Dir Dein Körper Signale gibt, wenn Du nicht auf ihn achtest. Spannungskopschmerz ist leider ein häufiger Begleiter falscher Haltung (am Computer) und falscher Fokussierung. Dein Körper schreit nach Veränderung und warum gibst Du sie ihm nicht?

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Für diese hilfreiche Übung setzt Du Dich in den Schneidersitz, oder wenn Du das kannst, in den Lotossitz. Lege Deine Hände auf die Oberschenkel und richte Deinen Oberkörper gerade auf. Stecke beide Zeigefinger in Deine Ohren und atme tief ein. Beim Ausatmen erzeugst Du einen hohen, brummenden Ton, wie es eine Biene tut. Drücke Deine Finger dabei leicht gegen den Ohrknorpel. Wiederholen Sie diese Übung bei Bedarf bis zu zehnmal. Du wirst über die Wirkung sehr überrascht sein.

Der NLP Atem-Anker

Diese wirklich nützliche Übung hat Augustinus, Bischof von Hippo (der heilige Augustinus) im Jahre 387 in seinem Werk De Rhetorica erstmals in der Literatur beschrieben. Er ist damit einer der frühen Anwender von NLP…:-)) Mit dieser kleinen Übung kannst Du schnell Dein seelisches Gleichgewicht wieder herstellen. Dies ist ausgesprochen nützlich, wenn Du in langwierigen Diskussionen oder Konferenzen argumentativ angegriffen wirst und Dir ein ausgeglichener Gemütszustand wichtig ist.

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Drehe Deinen Körper im Sitzen leicht gegen den Uhrzeigersinn. Lege Deinen rechten Unterarm auf eine Unterlage und lasse den linken Arm in Deinen Schoss sinken. Schliesse für einen Moment Deine Augen und atme langsam vollständig aus. Pausiere so lange, bis Du den Reflex zum Einatmen verspürst. Atme dann langsam wieder ein und öffne dabei die Augen. Während des Ausatmens kannst Du Dir vorstellen, wie Du in ein Becken mit klarem, blauem Wasser springst. Achte auf Deinen internen Dialog: Ein lang gezogenes, tiefes Aaahhhhh… ist sehr wirksam und unterstützt die Übung.

Mit dem Ausführen aller beschriebenen Übungen hast Du Dir eine kleine Schatzkammer der positiven körperlichen Beeinflussung für die unterschiedlichsten Situationen angelegt. Wie so oft, liegt es nun an Dir, die segensreichen Wirkungen auch in Dein tägliches Leben zu transportieren. Dabei wünsche ich Dir nicht nur viel Spass, sondern auch den besten Erfolg in Deinem Sinne.

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4 Kommentare

  • Tolle Übung. Besonders hilfreich, da ich Asthma habe und momentan auch viel Stress in der Arbeit.
    Danke!

    Antworten
  • Das ist eine hilfreiche Sammlung, danke!
    Kleine Verbesserungsvorschläge: in der Anleitung der Übung gegen Kopfschmerzen steht ein Satz in dem die Anrede plötzlich vom üblichen Du zum Sie wechselt. Und ist es nicht „Lotus Sitz“ anstelle von „Lotossitz“?

    Ausserdem vielleicht auch nützlich zu erwähnen: die Atemtechnik vom Wim Hof. Sie hilft mir sehr, meinen Körper zu entspannen und meinen Bewusstseinszustand zu verändern.

    Danke nochmals!

    Antworten
  • Seeeeehr schön.
    Spannend, dass dieser Artikel gerade jetzt kommt.
    Für mich kein Zufall.
    Ich lese gerade über die Atemtechnik von Wim Hof.

    Antworten

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