NLP Metaprogramme 4: Überblicksortierer / Detailsortierer

Von Erbsenzählern und inkompetenten Chefs

Hast Du Dich jemals gewundert, was Japaner in Deutschland treiben, wenn sie auf der Strasse ein dickes Buch in der Hand halten und hilflos dreinschauen? Sie machen Sightseeing. Allerdings funktioniert diese Form des Reisens anders als das, was Du als Europäer gewohnt bist. Was das mit dem heutigen NLP Metaprogrammpaar zu tun hat? Lies einfach weiter.

Üblicherweise findest Du jetzt am Anfang eines solchen Artikels die NLP Sichtweise und Erklärung eines Sachverhaltes, den Du für Deine Belange ins „richtige Leben“ transportieren kannst. Das nennt sich politisch korrekt „wertneutral“ überlässt Dir allerdings die Arbeit des Einordnens und Bewertens. Du musst die Frage nach dem „was mache ich damit“ selbst beantworten. Heute probieren wir es einmal anders.

Japanisches Sightseeing leicht gemacht

Japaner fühlen sich wohl, wenn sie sich in einer Umgebung bewegen wo sie „die Regeln“ kennen. Für jede Situation gibt es in Japan eine perfekte Art, sich zu verhalten und zu reagieren. Das gilt für die Nutzung der U-Bahn im Berufsalltag genauso, wie für den Umgang mit dem Chef.  Diese Form des geregelten Miteinander gilt natürlich auch für das Verhalten im Urlaub. Nur dass dort in einer für sie unbekannten Umgebung der Regelsatz unbekannt ist. Der reisende Japaner braucht also Regeln für das Land.

So kommt es, dass japanische Reisebüros Broschüren herausgeben, was „man“ in Deutschland ansieht und wie man sich dabei benimmt. Fein säuberlich getrennt nach zur Verfügung stehenden Tagen und selbstverständlich mit kleinen Kästchen für „erledigt“. Das führt dann beispielsweise zu der skurrilen Situation, dass die Geschäfte für Trachtenmode in München von Japanern überlaufen werden, die ein Heidengeld ausgeben, um in Krachlederner und Dirndl das Oktoberfest „richtig“ zu geniessen.

Auf dem Oktoberfest bestellen sie eine Mass Bier und holen sich ein Hendl. Danach sind sie sturzbetrunken, weil der japanische Metabolismus anders mit Alkohol umgeht, als der deutsche. Aber es gibt fünf Kästchen abzuhaken und eine Menge daheim zu erzählen und von den Selfies gar nicht zu reden. NATÜRLICH ist dies eine grenzenlose Verallgemeinerung und es gibt jede Menge Japaner, die sich nicht an dieses Schema halten. Zu denken geben kann Dir diese Verallgemeinerung allerdings trotzdem, wenn es um DEIN Verhalten im Urlaub und in einem fremden Land geht.

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Sightseeing in Japan leicht gemacht

Wie sich das für einen Deutschen anfühlt, der mal eben ein paar Tage in Japan wandern will, kann ich Dir ebenfalls zeigen. Im November letzten Jahres wanderten wir den Kumano Kodo, einen alten Pilgerpfade auf der Shirahama Halbinsel. Solltest Du das auch einmal machen wollen, lies einfach die Unterlage, die ich Dir hier verlinkt habe. Das nennt man Detailverliebtheit, die Dir als Professionalität getarnt, überall in Japan begegnet. Und diese Eigenschaft hat ihre wunderbar angenehmen Seiten.

Jedes kleine Dorf hat zum Beispiel eine „Tourist Information“ in der man Dir hilft, das zu tun und anzusehen, was „man“ an diesem Ort tut. Die Listen sind oft lang, wenn Du Zeit zur Verfügung hast. Es wird durchaus kontrolliert, ob Du eine solche Liste auch „richtig abarbeitest“. Das fühlt sich manchmal seltsam an, ist aber immer gut gemeint. Jeder Japaner würde sich verloren fühlen, wenn er keine Regeln bekommen hätte, an denen er sich orientieren kann. Das vermutet man selbstverständlich auch für einen „hilflosen“ Ausländer.

Sightseeing in den USA leicht gemacht?

Lass uns das Land wechseln und begib Dich im Geiste nach den US of A. Der typische amerikanische Tourist lässt sich im eigenen und in fremden Ländern oft oberflächlich treiben und stürzt sich in Shorts und T-Shirt in unwägbare Abenteuer. Einfach mal machen, ist seine Devise. Daher kommen dann die endlosen Warnschilder in den touristisch erschlossenen Gegenden. Und selbstverständlich ist auch dies wieder eine starke Generalisierung.

Deshalb kann Dir auch die deutsche Bergwacht von ahnungslosen amerikanischen Touristen erzählen, die sich „einfach mal so“ auf eine mehrstündige Bergtour begeben haben und dann in Flipflops im Schneesturm aufgegriffen werden. Das Wort „Wettersturz“ hat damit schon oft lebensbedrohende Bedeutung angenommen. Es ist also nicht immer ratsam, einfach „mal so“ zu machen und zu sehen, was dabei herauskommt. Ein weiterer Themenwechsel folgt:

Und hier spielt nun die Musik etwas anders

Vor einigen Monaten war für mich ein besonderer Tag.Konzerttermin in Dresden. Ich hatte mich lange auf dieses Ereignis gefreut und mich gründlich darauf vorbereitet.  Auf dem Programm standen die Goldberg Variationen von Johann Sebastian Bach, gespielt von Martin Schmeding an der Silbermann Orgel der katholischen Hofkirche in Dresden.

Mit Otto, dem Tonmeister der Practitioner Trancen erlebte ich ein wundervolles Konzert. Nach dem Konzert im Auto, auf dem Rückweg nach Berlin gab es angeregte Gespräche über die Erlebnisse und Wahrnehmungen. Unser musikalischer Hintergrund könnten nicht verschiedener sein. Otto spielt Orgel und Klavier, ich interessiere mich seit vielen Jahren für klassische Musik, ohne ein Instrument erlernt zu haben.

Wie unterschiedlich unsere Wahrnehmung war, hat das anschliessende Gespräch auf der Rückfahrt gezeigt. Otto spielte zur Vorbereitung Auszüge der Komposition auf dem Klavier. Er war begeistert, weil das Stück im Original für ein zweimanualiges Cembalo geschrieben ist und auf dem Klavier nur mit einer speziellen Spieltechnik umgesetzt werden kann. Er erlebte das Konzert aus der Sicht seiner technischen Spielbarkeit.

Ich besitze etwa sieben verschiedene CD Aufnahmen, kenne fast jede Note  und bereitete mich mit der Partitur vor. Ich liebe die Finesse Bachs bei der Melodieführung und war überrascht, welche Mühe es mir bereitete, die Melodienbögen und die Bassführung beim Hören zu trennen. Zumal ja alle Stücke ausschliesslich Variationen der Basslinie darstellen. Naja ungefähr jedenfalls…

Besonders deutlich wird das im Vergleich mit der Aufnahme von Glenn Gould von 1981, meine Referenzaufnahme. Gleich in der ersten Variation Takt 8 bis 16 lösen sich bei Gould beide Stimmen wunderbar auf. Über den Nachhall in der Kirche und vor allem über das Tempo hörte sich die Version Schmedings wie Glockengeklingel über einem nicht näher differenzierten Bassfundament an. „Wow“ dachte ich mir, „das wird ja interessant…“ So war ich im Verlaufe des Konzertes immer wieder überrascht, mit wieviel Ausdrucksreichtum das über 250 Jahre alte Instrument (das letzte Werk Silbermanns) überraschte.

Was soll der Scheiss….?

Gleiches Konzert, unterschiedliche Wahrnehmungen. Für uns beide waren die 90 Minuten auf der harten Kirchenbank schnell vorbei und nun bin ich mitten im Thema des heutigen Newsletters gelandet. Während des Lesens magst Du Dich öfters gefragt haben, worauf ich denn mit meinen Geschichten hinaus will: „Das ist doch ein NLP Newsletter und kein Tourismusführer oder ein Forum für Musikkritiker…!“ Recht hast Du! Vielleicht waren es Dir zu viele Informationen.  Ja genau!

Je nach Interessenlage und Kontext brauchst und verarbeitest Du verschiedene Mengen an Information. Dies berücksichtigt das MetaProgramm Paar:

Überblickssortierer – Detailsortierer

Der Überblickssortierer schwebt über „dem Ganzen“ und sieht keine Details. Dafür hat er eben das Ganze im Blick. Der Detailsortierer sieht – und braucht – jedes kleine Detail und verliert deshalb oft den Blick auf das Ganze. Was kannst Du nun mit diesen Infoemationen anfangen?

Jetzt kommt das Märchen vom inkompetenten Chef

Ein Unternehmer kann sich nicht um alle Details kümmern, die seine Angestellten für die Erledigung ihrer Arbeit brauchen. Wenn Du ein Unternehmer werden willst, wirst Du Dich also um eine Strategie bemühen müssen, Dir soviel Überblick zu verschaffen, dass Du Dein Unternehmen erfolgreich steuern kannst. Du wirst allerdings dazu viele Details brauchen, gerade UM den Überblick zu behalten.

Deshalb begibst Du Dich auf eine Gratwanderung, die von der Kraft und Zeit bestimmt wird, die Dir zur Verfügung steht. Vielleicht hast Du einen Detailsortierer als Assistenten, der Dir die nötigen Informationen entsprechend aufbereitet. Vielleicht kennst Du Deine Neigungen, Dich in Details zu verlieren und weisst sie entsprechend zu nutzen.

Denke vielleicht auch einmal darüber nach, wie Du in Projektteams dem Überblickssortierer und dem Detailsortierer in ihren Rollen in unterschiedlichen Phasen des Projektes wichtige Rollen übertragen würdest. Wärst Du ein Chef, der alles besser kann und sich in jedes Detail einmischt? Dann  bist Du ein aus den Geleisen gelaufener Detailsortierer am falschen Platz. Meist stecken Deine eigenen Probleme hinter einem solchen Verhalten.

Denk einmal nach: immer dann, wenn Du wenig Lust hast, eine wichtige Arbeit zu Ende zu führen, hast Du dann die Tendenz, zum Überblickssortierer zu werden? „so viele Details… es genügt doch auch so.“ Das ist einer der Sätze, die Dich und unsere Gesellschaft zum Mittelmaß verdammen. Da kannst Du Dich fragen, wie viel Information Du für eine gegebene Arbeit oder Entscheidung wirklich brauchst. Genügt Dir die Information, die Du hast, wirklich? Da lohnt es sich, zum Detailsortierer zu werden.

Der Text für Deine Bewerbung, Deine Webseite, Deinen Artikel, ein Text, wie dieser hier. Wenn Du bis zur letzten Minute wartest, bleibt meist nicht genügend Zeit, Deinen fertig geschriebenen Text einige Tage liegen zu lassen und Dich dann erneut mit ihm zu beschäftigen. Du wirst Dich wundern, wie viel es an einem Text zu verbessern, ändern, umzustrukturieren gibt.

Mach Dich auch hier zum Detailsortierer. Einen wichtigen Text kannst Du nach mindestens acht Kriterien jedes Mal neu durcharbeiten. Gedankliche Schlüssigkeit, logischer Verlauf, flüssige Sprache, richtige Rechtschreibung, Satzzeichen, bist Du zum Punkt gekommen, was willst Du, das der Leser tut… und noch vieles anderes mehr.

Und wenn Du dann für Dich eine Einschätzung gefunden hast, zu welchem Typus Du neigst, dann kannst Du vielleicht andere Nationen besser verstehen, in ihrer Neigung zur Detail- oder Überblickssortieren. Vielleicht kannst Du Deinen Überblickssortierer ja einmal einschalten und darüber nachdenken, wie ein typischer Japaner uns Deutsche wahrnimmt und dann als Japaner durch die Stadt marschieren und Deine Liste an Orten abhaken und Dich überall richtig benehmen. Wäre mal was anderes…

Wo ist Dir dieses Metaprogrammpaar schon ein mal aufgefallen? Bei Dir selbst? Oder bei anderen? Und wie bist Du damit umgegangen? Schreib mir Deine Erfahrungen in den Kommentaren.

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3 Kommentare

  • Hallo Chris,
    meine Aufgaben versuche ich immer gewissenhaft und bestmöglich abzuliefern. Wenn ein Mitmensch sagt er kann das, gebe ich immer wieder ein Vorschußvertrauen und glaube es nach gewissem Hinterfragen. Und immer wieder werde ich enttäuscht, weil der Andere eine andere Einstellung zu Richtig oder „Perfekt“ hat und leide deshalb darunter alles selbst machen zu müssen. Oft bekomme ich dann zu hören: Hier muß das nicht 100% sein, das geht auch so. Man kann dann den Zusammenhang erklären und dann heißt es : das habe ich so nicht gewußt.
    Erklärt man es vorher ganz genau warum etwas so gemacht werden soll heißt es : ist ja schon gut, das weiß ich schon, es wird schon werden – und das Ergebnis ist wieder nicht wirklich toll und man wird noch als Erbsenzähler hingestellt.
    Und ich spreche hier nicht von „Minderbemittelten“ oder Hilfsarbeitern.
    Ein Kollege wird NLP – mäßig geschult und kommt immer wieder, wie gut ihm das gelungen ist ( man darf es nicht genauer anschauen), wie gut das Wetter ist ( weil es nicht regnet), wie schnell ihm das gelungen ist ( doppelt so lang wie Andere) usw. In seiner Selbstsuggestion und in seiner Welt ist er der Größte, der Beste und bringt das in die Welt der Anderen, wirkt entweder kompetent oder überheblich, hält aber mit seinen Ergebnissen gegenüber Anderen nicht stand.
    Deine Artikel sind sehr interessant, Einiges mache ich schon „immer“ so, andere Anregungen stimulieren mich – aber mein Problem ist, das ich nicht die Kunden über ihr Verhalten ausspionieren und manipulieren will oder gar wie mein Kollege werde.
    Irgendwie wollte ich das mal loswerden, weiß, daß es wohl sehr viele Gegenargumente geben wird, die sich aber nicht über Schriftwechsel ausräumen lassen. Leider werde ich auch keine Zeit und Geld für einen Seminar haben – eines habe ich schon hinter mir ohne jegliches Ergebnis. Trotzdem mach weiter so – ein wenig hilft das ein oder andere Thema dann doch weiter.
    LG Martin

    Antworten
  • Hi. Und wie lerne ich als Überblicksortierer Details? Gerade im Beruf oder beim Abitur sollte Ich viele Details kennen die ich nur schwer in den Kopf bekomme.
    Gibt es dazu Konzepte oder einfach die vorhandenen Lern Techniken benutzen?

    Antworten

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