Überwinde Deinen inneren Schweinehund

Disziplin auf Marathonläufer Niveau

Der letzte Sonntag im September ist ein besonderer Tag in Berlin: Marathon. Mit zigtausenden von Läufern am Start und den meisten Strassen in der Innenstadt entweder gesperrt oder unpassierbar bleibt dem „normalen“ Bürger in Berlin (also mir) meist nur die Flucht nach draußen, ins Grüne. In der S-Bahn, auf dem Weg zum Wandern, blieb auch ich nicht vom Geist des Marathon verschont. Ein Sportler sass mir gegenüber, der seine 42 Kilometer in knapp dreieinhalb Stunden gelaufen war. Für mich wäre dies eine beachtliche Leistung, für ihn war es eher unbefriedigend. Sein Grund: „Ich bin über meinen inneren Schweinehund gestolpert!“

Aus seiner Bemerkung entspann sich ein Gespräch über die Gefahren des inneren Schweinehundes und der Möglichkeiten, ihn zu überwinden. Obwohl er von NLP nie etwas gehört hatte, war ihm aufgefallen, wie sehr seine „innere Stimme“ beitrug, sich zu motivieren oder das Gegenteil zu erreichen. Meine Frage nach seinen Strategien zur Überwindung seines inneren Schweinehundes beantwortete er sehr strukturiert. Ich schreibe sie Dir hier auf:

1. Finde das große Ziel

Es hilft Deiner Motivation gewaltig, wenn Du weißt, wofür Du etwas tust. Setze Dir DEIN großes Ziel. Das gilt für Dein Leben genauso, wie für die nächste Stunde.  Für meinen Läufer waren es 180 Kilometer, die er pro Woche absolvieren wollte, um seiner späteren Herausforderung zu begegnen. Danach der Marathon. „Du musst ein so großes Ziel haben, dass es Dich vorwärts zieht!“ sagte er zu mir. Das leuchtet mir ein, spricht man doch im NLP von „moving towards“.

Ich konnte ihm helfen, indem ich ihm mit NLP erklärte, was es heißt, ein Ziel, das er sich gesetzt hat, auch erreichen zu können. Im NLP nennt man dies die „Zielkriterien bestimmen“. Ich erklärte ihm die Grundlagen, die Du ganz einfach im verlinkten Artikel nachlesen kannst. Auch die Submodalitäten, also die Eigenschaften der inneren Bilder hatte ich ihm schnell erklärt.

Er sagte zu mir: „Ich stelle mir mein Ziel so leuchtend und positiv vor, dass es mich dahin zieht.“ Er stellte sich tatsächlich einen Staubsauger hinter seinem Bild vor, der ihn ins Ziel saugt. „Lange kann ich mich gegen die Macht des positiven Bildes nicht wehren, es gewinnt irgendwann immer!“, sagte er. Diese Aussage hat mir sehr gut gefallen.

2. Die unterteilten, erreichbaren Unterziele

Für viele Menschen ist ein großes Ziel oft auch ein Hindernis. Die Motivation kapituliert vor der schieren Grösse der Aufgabe. Da hilft es, dieses große Ziel in einfach erreichbare Unterziele aufzuteilen. Mein Gegenüber in der S-Bahn erzählte mir: „Dreissig Kilometer an sechs Tagen in der Woche, das ist ein Ziel, das ich in mein Leben relativ einfach eingliedern kann. Abends nach der Arbeit laufe ich erst die Strecke, danach esse ich Kohlehydrate und dann schlafe ich wunderbar.“

Vielleicht willst auch Du Dir Deine Ziele in leicht erreichbare Unterziele einteilen. Dieser Artikel steht auf einer Webseite für NLP Techniken, deshalb hier gleich eine solche: Die Fragen des MetaModells helfen Dir dabei. Frage Dich: wann genau, wieviel genau, wie genau.

Lege jeden Schritt, der Dich zum großen Ziel führt, möglichst genau fest. Schreibe ihn auf ein Blatt. Hänge das Blatt an die Wand. Schreibe in „Ich-form“ mit einem ganzen Satz, was Du tun wirst: „Morgen, am Dienstag den 29. April 2046 werde ich um 6 Uhr morgens aufstehen und von 6:15 bis 6:45 die erste Serie an Hata Yoga Übungen absolvieren!“ So etwas könnte auf Deinem Blatt stehen, wenn Du Dir vorgenommen hättest, jeden Morgen Yoga zu üben.

3. Der Beginn (vom Ende des inneren Schweinehundes)

Bleiben wir gleich bei diesem Beispiel, der halben Stunde Yoga am Morgen. Es tut Deinem Körper und Deinem Geist gut und ist „eigentlich“ einfach zu bewerkstelligen. Eine halbe Stunde früher aufzustehen, ist ja keine Monsteraufgabe. Und auch die Schwierigkeit der Übungen kannst Du selbst bestimmen. Danach bist Du richtig energetisiert und wach und Dein Körper fühlt sich richtig gut an. So hast Du das gutes Gefühl, etwas Gutes für Dich getan zu haben, noch bevor der Tag richtig begonnen hat,

Wie Du aus eigener Erfahrung weißt, ist nicht jeder Tag gleich. Die Bettdecke fühlt sich manchmal soooo gut an, es ist soooo schön warm im Bett und Dein innerer Schweinehund meldet sich: „Einmal aussetzen macht doch wirklich keinen Unterschied. Bleib doch liegen…!“ Und wie oft habe ich diesen Rat befolgt. Und wie oft sind aus einem Tag mehrere Tage geworden und dann ist es wieder einmal viel zu lange her, dass ich morgens Yoga geübt habe.

Es geht auch anders. Wieder hilft Dir NLP. Stell Dir vor, ein Chor wundervoller Menschen singt „Dein Aufstehlied“. Mit Pauken und Trompeten. Wen hielte es da im Bett? Vielleicht bist Du mehr visuell orientiert. Dann kannst Du Dir vorstellen, wie Du aus dem Bett springst und gut gelaunt Yoga machst, wenn Dein echter Körper noch im Bett liegt. Oder mit mehr guten Gefühlen…, Du weißt schon, worauf ich hinaus will. Stimulation in allen Sinneskanälen.

4. Gewohnheit und Ritual

Es hilft Dir, täglich wiederkehrende Notwendigkeiten auch immer gleich zu absolvieren. Etwa so, wie das Putzen Deiner Zähne nach dem Aufstehen am Morgen. Probiere, Dir die Zähne nicht zu putzen und Du wirst herausfinden, dass Dir etwas fehlt, in Deinem Morgenritual. Es braucht etwa 20 bis 30 Wiederholungen, bis eine Tätigkeit zum Ritual wird.

Zum Schreiben dieses Newsletters setze ich mich beispielsweise bequem auf die Couch oder in einen Stuhl. Den Laptop auf den Knien schreibt es sich besser, wo immer ich gerade bin. Laptop auf den Knien heißt: Newsletter ist angesagt. Das Geräusch des Wasserkochers am Morgen heißt: Yoga kann beginnen. Wenn Du Dir bewusst bist, welche Macht täglichen Rituale für Dich haben können, kannst Du sie im Tagesablauf sehr zu Deinen Gunsten einsetzen.

5. Erst einmal beginnen

Dieser letzte Ratschlag meines Läufers hat mir sehr geholfen. „Wenn ich meine Laufschuhe angezogen habe (Ritual) und erst an der frischen Luft bin, ist das Meiste schon geschafft. Ich sage mir ‚ich laufe einfach ein bisschen los‘ und wenn ich dann laufe, dann geht es fast von selbst weiter!“

Ich habe es ausprobiert. „Nur eine oder zwei Yogaübungen, das reicht schon!“ Die einzelnen Übungen sind längst zu einem Ritual geworden und es bleibt „natürlich“ meistens nicht bei einer oder zwei Übungen. So ist es bei Vielem im Leben: Erst einmal ein paar Sätze schreiben, dann kommt der gute Gedanke und es schreibt sich „wie von selbst“. Erst einmal „die Schuhe anziehen“ ist für mich zu einem Synonym geworden für so viele kleine Aktionen.

Als ich dann nach weniger als 20 Minuten des Gespräches mit meinem Läufer aus der S-Bahn ausstieg, fühlte ich mich bereichert. Ich hatte neue Einsichten über die Art meiner Fähigkeiten zur Motivation gewonnen. Ich hatte einige sehr gute Tipps und Techniken erhalten, meinen inneren Schweinehund zu überwinden.

Etwas gab er mir noch mit auf den Weg. „Diejenigen, die im Leben etwas erreichen, nutzen gute Techniken, ihren inneren Schweinehund zu überwinden. Wer seinen Hund an der Kette hat, erreicht etwas im Leben!“ Seinen Namen habe ich nie erfahren. Seinen Hund hat er Bello genannt.

Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose
Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose

Seit über 25 Jahren lehre ich Menschen das Modell von NLP und die Techniken von Hypnose. Ich glaube fest daran das jeder Mensch in sich die Ressourcen trägt um sein Leben selbständig und nach eigenen Maßstäben zu gestalten.

2 Antworten

  1. Hallo,

    ich bin wirklich ein Fan von Ihnen Herr Mulzer. Ich lese sehr oft Ihre Beiträge, Sie inspirieren mich. Danke für all diese Wissensblöcke.

    Ich muss mich der Vorrednerin anschließen. Hund und „an die Kette legen“ ist nicht gut gewählt.
    Der Respekt vor den Seelen der Tiere muss in jede menschliche Faser übergehen. Das Leid und die Qualen, die wir den Tieren antun, dass wir industriell Leben töten, Tiere deshalb als „Nutztiere“ bezeichnen, ist die größte Schande der Menschheit. Wir können ohne tierische Produkte überleben, und wir wissen das auch.
    Es muss so normal sein, wie wenn man sein eigenes Leben schützt. Die Menschen müssen endlich verstehen, dass jedwedes Leben geschützt gehört.
    Leben ist etwas so Einzigartiges, so Wunderbares und offenbar so Seltenes im Universum, warum ist es uns nicht Heilig? Spezies hilft Spezies, das ist Entwicklung, das ist unsere Evolution, das kennzeichnet Mensch Sein.
    Sie selbst sagten es schon, wie wichtig Worte sind, wie wichtig Sprache ist, wie stark Kommunikation wirkt. Lasst uns diese Metaphern nicht als was Normales sehen, sie sind gefährlich.

    Danke fürs Lesen. Ein wunderbaren Tag Euch und Ihnen.

    lg Marc

  2. Mein Gott, was für eine schreckliche Metapher: „Schweinehund“ und „an die Kette legen“! Solche Menschen erreichen etwas im Leben? Ja, eine Menge abgespaltener Persönlichkeitsanteile mit täglich wachsendem Burnoutpotenzial!

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