Das Sender – Empfänger Kommunikationsmodell

nach Jakobsen und Bühler

Ich finde es immer sehr interessant und lohnend, die einzelnen Rinnsale stromaufwärts zu verfolgen, die den Fluss NLP speisten. Das hier vorgestellte Modell von Bühler ist wie alle Modelle ein Kind seiner Zeit. Doch es hat einen der „Vorfahren“ des NLP zu seinen Leistungen angeregt. So beschäftigst Du Dich heute also auch mit der „Geschichte des NLP“.

Ein Modell ist eine vereinfachte Projektion, die Dir einen leichten Umgang mit komplizierten Sachverhalten ermöglicht. Modelle entstammen meist dem Lebensumfeld und der Zeit in der sie entstanden. Es gibt beispielsweise unendlich viele Modelle der Arbeit des Gehirns. Diese kannst Du auch nach der jeweiligen Zeit betrachten, in der sie entstanden.

Man hat das Gehirn mit einer mechanischen Rechenmaschine, mit einer Dampfmaschine und mit einem Computer verglichen. Rate einmal, welcher jeweiligen Zeitepoche diese drei Modellansätze jeweils entstammen. Die mechanische Rechenmaschine geht auf Gottfried Wilhelm Leibnitz und das 17. Jahrhundert zurück. Die Dampfmaschine geht auf James Newcomen und Thomas Watt im 18. Jahrundert zurück und der Computer geht auf Hermann Holerith im 19. Jahrhundert zurück.

Der Ursprung des Sender-Empfänger-Modells

So verhält es sich auch mit den Modellen zur menschlichen Kommunikation. Das Sender-Empfänger Modell entstand in der Zeit der Erfindung der drahtlosen Übermittlung, des Rundfunks und des Telefons am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Es nutzt die damals neuen Erkenntnisse der drahtlosen Übertragung und bildet ein strukturelles Analogon dazu. (Analogon: etwas, das etwas anderem ähnlich ist. Von griechisch: ἀνάλογον (analogon) gleichartig)

Wer der Sender redet und möchte damit sein Weltbild, seine Gefühle und seine Gedanken mitteilen. Dies geschieht mit Hilfe von Sprache. Der Sender übersetzt also seine Botschaft in Zeichen. Das nennt Bühler „kodieren“. Bei der Rundfunkübertragung wird die Information, also die Spache, Musik o.ä. in Amplituden (AM) oder Frequenzen (FM) kodiert und mit Antennen gesendet, also übertragen.

Der Empfänger dekodiert, „rückübersetzt“ dann die Worte in seine Lebenswelt, genauso wie ein Rundfunkempfänger die empfangenen Signale in Ton- oder Musiksignale übersetzt. Die Übersetzungsleistung des menschlichen Empfängers hängt mit den individuellen Fähigkeiten, dem kulturellen Hintergrund und mit dem jeweiligen Lebenslauf zusammen.

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Das Kommunikationsmodell von Bühler

Der Mediziner, Philosoph und Psychologe Karl Bühler gilt als einer der innovativen und wichtigen Sprachwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er lieferte bedeutende Beiträge zur Sprach- und Denkpsychologie  sowie zur Gestaltpsychologie. 1913 erschien Bühlers Arbeit Die Gestaltwahrnehmungen.

Vielleicht erinnerst Du Dich an Fritz Perls und seine Gestalttherapie im Zusammenhang mit der Geschichte des NLP. Perls übernahm wesentliche Aspekte der Arbeit Bühlers und band sie in seine eigene Therapieform ein. Er nannte seine Therapieform die Gestalttherapie. Fritz Perls Gestalttherapie war wiederum eine der Säulen der Modellentwicklung von NLP.

Zurück zu Bühler: er entwarf ein philosophisch orientiertes Kommunikationsmodell, inspiriert von Platon und Edmund Husserl, das sogenannte Organonmodell.  Im Mittelpunkt steht dabei das Organum, das „sinnlich Wahrnehmbare“. Das ist bei ihm in der Regel das akustisch wahrnehmbare, also die menschliche Sprache. Es steht in Relation zu den drei anderen Komponenten:

  • „der Eine“ (Sender),
  • „der Andere“ (Empfänger)
  • „die Dinge“ (Gegenstände und Sachverhalte)

Nach Bühler funktioniert die Kommunikation ausschließlich über Zeichen. In seinem Modell sind diese Zeichen von Sender, Empfänger und den Gegenständen umgeben. Die Sprachzeichen können symbolhaft (Ausdrucksfunktion) oder konkret auf Gegenstände (Darstellungsfunktion) hinweisen. Vorausgesetzt wird, dass beide Teile des Modells (beide Personen) ein Handlungsziel haben und den anderen verstehen wollen.

Der Sender kann zudem etwas über sich selber aussagen. Wer Hunde nicht mag, mag seine Abneigung  im Wort „Köter“ zeigen. Der gegenständliche Begriff wäre mit dem Wort „Hund“ bezeichnet gewesen. Zusätzlich wird  durch die Wortwahl dem Anderen gesendet, dass man Hunde nicht mag. In der Regel finden sich alle drei Funktionen in einem Gespräch, wobei eine vorherrschend ist.

Sein Kommunikationsmodell, wurde in Teilen von Friedemann Schulz von Thun und Roman Jakobson aufgegriffen und in den jeweiligen Modellen verwendet.

Das Sender- und Empfängermodell von Jakobson

Roman Jakobson geht von dem Sender-Empfänger-Modell aus, und präsentiert eine Weiterentwicklung des oben beschriebenen Modells. Das Sender – Empfänger – Modell ist auch hier relativ einfach gestrickt.

Der Sender erzeugt ein akustisches Phänomen, das auf den Empfänger einwirkt. Die „Dinge“ sind Ereignisse, um die es bei der Kommunikation von Sender und Empfänger geht. Es besteht ein Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und dem Sprechen. Nichts geht ohne das sprachliche Zeichen.

Der Sender sagt etwas und der Empfänger nimmt die Botschaft identisch auf, was  eine Reaktion auslöst. Es ist die einfachste Modellannahme und ignoriert den Menschen als Individuum. In diesem Modell gibt es keine Beziehungsebene. Auch die Kommunikation verläuft direkt und einseitig und ist nicht auf Dialog ausgelegt.

Sein Kommunikationsmodell sollte hauptsächlich der literaturwissenschaftlichen Textanalyse dienen. Dabei unterteilt er in drei Hauptfunktionen:

  • Bei der informativen Funktion steht der Inhalt bzw. der Sachverhalt im Vordergrund.
  • Der Sender stellt sich, seine Einstellungen und Gefühle durch die expressive Funktion dar.
  • Die appellative Funktion verdeutlicht, was der Empfänger wahrnimmt und was er daraufhin tut.

Darüber hinaus identifiziert er drei Nebenfunktionen.

  • Die phatische Funktion drückt aus, dass es bei der Kommunikation meist um die Kontaktaufnahme und deren Aufrechterhaltung geht.
  • Grammatik und Nachfragen bezüglich Begriff sind unter der metasprachlichen Funktion zusammengefasst.
  • Als letztes definiert er eine poetische Funktion. Damit beschreibt er den spielerischen Umgang mit der Sprache.

Warum lohnt sich das für Dich?

Alle diese Modelle sind sehr vereinfachte Ansätze eines komplizierten Prozesses: der menschlichen Kommunikation. Es lohnt sich dennoch, wenn Du Dich einmal damit beschäftigt hast. Diese Modelle bilden ja die Rinnsale und Bäche, die den Strom des Modells von NLP speisen. Sie verdeutlichen Dir auch, dass es nicht EINEN Erfinder des Modells von NLP gibt. Viele Wissenschaftler, Denker und Philosophen haben die Grundlagen geliefert, damit NLP entstehen konnte.

Und letztendlich ist auch das Modell von NLP ein Kind der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und in seiner Gesamtheit ohne die ergänzende Interpretation und die Anpassung an die Aufgabenstellungen der heutigen Zeit ziemlich veraltet. Das sage ich, trotzdem ich NLP in meinen Workshops unterrichte.

So kann es passieren, dass Du beim Besuch verschiedener Workshops zum Thema NLP auch ganz verschiedene Interpretationen dieser drei Buchstaben erleben kannst. Gerne möchte ich Dich natürlich einladen, meine Form der persönlichkeitsoptimierenden Interpretation des Modells von NLP kennen zu lernen. Das kannst Du einfach bewerkstelligen indem Du den nächsten Workshop bei mir besuchst. Ich freue mich, Dich kennen zu lernen.

Hier geht es weiter zum Artikel über Nonverbale Kommunikation

Hier geht es zum Kommunikationsmdell Schuz von Thun.

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