Emotionale Unabhängigkeit

Was brauchst DU um glücklich zu sein?

Ab und zu sind unter den vielen Emails die mich erreichen Themen die mich länger beschäftigen. Beim Nachdenken komme ich auf Ratschläge von denen ich meine sie könnten für eine größere Gruppe von Menschen von Belang sein. So ging es mir mit der Email von Simon. Er fragt: „Was kann ich tun um emotional unabhängig zu werden?“ Er führt weiter aus: „Mein Ziel ist es emotional unabhängig zu werden. Das heißt für mich, dass ich unabhängig von der Liebe und Anerkennung anderer sein will. Wie kann ich mir deshalb selbst die Liebe und Anerkennung geben die ich bisher von anderen gewollt habe?“

Emotionale Unabhängigkeit im Video

„Wie werde ich emotional unabhängig?“

Flagge Emotionale Unabhängigkeit

Nun lieber Simon, ich kenne deine näheren Lebensumstände nicht und kann dir deshalb nur relativ allgemein antworten. Aus deinen Zeilen meine ich lesen zu können, dass du von den Menschen in deiner Umgebung häufig in deinen Signalen falsch verstanden wurdest. Es kann auch sein, dass du mehr als andere Menschen bisher auf Liebe und Anerkennung, die ja als das Brot des Lebens bezeichnet wird, verzichten musstest.

Ich kann auch verstehen, dass DU jetzt das Ruder selbst in die Hand nehmen möchtest und für dich eine Situation schaffen möchtest, endlich, wie du es nennst emotional unabhängig zu sein. Leider funktioniert das nicht so, wie du möchtest. Lass mich erklären:

Es fühlt sich gut an Teil einer Gruppe zu sein

Der  Mensch ist ein Herdentier. Diese Entwicklung haben wir selbst so bestimmt, das nennt man die Evolution. Die Chance zum Überleben war in einer Gruppe sehr viel höher, als sie ein Einzelner Mensch hatte. So hat unser limbisches System, das alte Gehirn, sich im Verlaufe der Zeit so programmiert, dass es sich gut anfühlt Mitglied einer sozialen Gruppe zu sein.

Wenn du Dich normal entwickelst, passiert es automatisch, dass Du Dich in einer Gruppe wohler fühlst, als alleine. So sollte es zumindest sein. Der Gruppenzusammenhalt wird über gegenseitige Zuneigung und Anerkennung verstärkt. Du gibst Zuneigung und Anerkennung und du bekommst sie. Dies wäre ein “normaler” Austausch. Dafür dass du Deine Individualität bis zu einem gewissen Maße aufgegeben hast, bekommst du die Gruppenzugehörigkeit und die grössere Sicherheit des Überlebens. So war es zumindest noch vor etwa 20.000 Jahren, als diese Muster von der Evolution in Deinem limbischen Gehirn fest verdrahtet wurden.

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Alleine in Zeiten sozialer Medien

Die Zeiten haben sich geändert. Und zwar dramatisch in den letzten 100 Jahren. Staat und Gesellschaft haben sich im Verlaufe der Zeit anders organisiert und gerade während der letzten 50 Jahre, im digitalen Zeitalter, scheint es so, als würde das alleinstehende Individuum wieder bevorzugt werden. Als würden wir keine Gemeinschaft brauchen. Schließlich gibt es ja die sozialen Medien, mit denen du jede Menge an virtuellen Kontakten haben kannst.

Du kannst dich jedoch fragen, ob ein Lob per Facebook das gleiche für Dich bedeutet, als wenn dir ein Freund auf die Schulter klopft und sagt:“Das hast du gut gemacht!“ Ich meine , das Ergebnis einer normal verlaufenden Persönlichkeitsentwicklung sollte sein, in Gemeinschaft zu leben. Damit meine ich ein Konstrukt aus nahen persönlichen Beziehungen, vielen Freundschaften und einer Menge an losen, sozialverträglichen Bekannt- und Kollegenschaften.

Trotz aller Möglichkeiten,  sich digitale Nähe vorspiegeln zu lassen, solltest du es Dir zum Ziel machen, emotional positive Verhältnisse und soziale Nähe in unterschiedlicher Art und Weise zu deinen Mitmenschen leben zu können.

Jeder Mensch will geliebt werden

Es kann natürlich im Verlaufe deiner Entwicklung eine Menge passiert sein, das verantwortlich dafür gewesen ist, dass du nicht das nötige Mindestmaß an Zuneigung und Liebe von Deinen Mitmenschen bekommen hast. Es mag zwar für viele Menschen normal erscheinen, dass Vater und Mutter über ihre Liebe die Entwicklung des Kindes fördern, das passiert aber leider nicht immer.

Aus solchen Defiziten kann sich ein gestörtes Verhältnis zu den Mitmenschen ergeben. Es lohnt sich also für Dich, einmal darüber nachzudenken, ob es vielleicht sein könnte, dass DEINE Angebote an deine Umgebung nicht immer das waren, was deine Mitmenschen dazu veranlasst haben könnte, dir die gewünschte Liebe und Anerkennung zu schenken. Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass du darüber nachdenken kannst, ob die Signale die du aussendest, die richtigen sind. Kommunikation ist nicht das, was du sagen willst, es ist das, was bei deinen Mitmenschen ankommt.

Ich will dir damit nicht den schwarzen Peter zuschieben, ich meine einfach nur, dass es sein kann, dass auch du deinen Teil dazu beigetragen haben magst, nicht das zu bekommen, was Du gerne haben möchtest. Das mag zwar als Teil meiner Antwort unbequem und frustrierend sein, hilft dir aber vielleicht, in Zukunft dein Verhalten zu ändern.

Vom Narzissmus zum Selbstbewusstsein

Damit bin ich allerdings noch nicht am Ende. Mit Verlaub gesagt, für die“ emotionale Unabhängigkeit“, die du dir wünschst, gibt es ein umgangssprachliches, ziemlich direkter Wort: Wichserei. Bevor du jetzt gleich das Video abschaltest, höre mich zu Ende an. Ich kann schon verstehen, dass Du mit NLP Techniken eine Art von Unabhängigkeit erreichen möchtest. Aber wohin führt das? Stell dir vor, du machst dir jede Art von Liebe und Anerkennung selbst. Zu einem gewissen Grad sollte diese Fähigkeit doch eigentlich selbstverständlich sein. Umgangssprachlich nennt man das Selbstbewusstsein. Über deinen unbewussten internen Dialog bestätigst du dich in dem was du als Entscheidungen getroffen hast. Das ist ein ganz normales Verhalten. Dieses Selbstbewusstsein kannst Du entwickeln und dazu findest Du eine Menge an hilfreichen Artikeln auf meiner website.

Und jetzt wird es wichtig: ob dieses Verhalten der Sozialnorm, wie die Fachleute sagen, entspricht, entscheidest dann nicht du in deinem Elfenbeinturm, sondern die Menge der Reaktionen deiner Mitmenschen. Das mag für dich unbequem sein, ist aber unbedingte Voraussetzung dafür, in Deiner  Kulturgruppe bestehen zu können. Unsere Gesellschaft hat soziale Normen entwickelt, die für alle zum Wohle des Zusammenlebens verbindlich sind. Das ändert sich von Kultur zu Kultur, und spiegelt sich in den Meinungen deiner Umgebung wieder. Es kann also sein, dass das, was Dir bequem wäre, für Deine Umgebung nicht akzeptabel ist. Willst Du ein einfaches Beispiel? Stell Dir vor, es wäre Dir angenehm, im heissen Sommer einfach nackt auf der Strasse zu laufen. Das ist bequem, aber sozial nicht akzeptabel in UNSERER Gesellschaft. Im Urwald von Papua Neuguinea würdest Du umgekehrt zeimlich auffallen, wenn Du Kleidung trägst.

Ich meine also, dass emotionale Unabhängigkeit nicht unbedingt dein Ziel sein sollte. JA, Selbstbewusstsein zu entwickeln und nicht gleich auf jede Form von Ablehnung mit emotionalen Katastrophen zu reagieren, DAS halte ich für eine gute Idee.

Tue selbst den ersten Schritt

So, die letze Aussage hat DICH betroffen. Nun zu Deinen Mitmenschen. Die Notwendigkeit, Anerkennung und Liebe von deinen Mitmenschen erfahren zu wollen, verstehe ich durchaus. Die solltest Du auch bekommen KÖNNEN. Du merkst vielleicht schon, worauf ich hinaus will. Ich halte eine soziale Integration, die Du vielleicht erst einmal lernen musst, für eine gute Idee. Dafür kann ich dir trotz deiner möglichen Unsicherheiten, eine gute Übung empfehlen: versuch doch einfach einmal, Liebe und Anerkennung ZUERST zu geben. Mach DU den ersten Schritt. Beginne einen Zyklus, der damit emotional nach oben, in Deine und die guten Gefühle Deiner Mitmenschen führt, und nicht wie bisher,  In die emotionale Katastrophe der Einsamkeit und Frustration.

Ich sage es Dir noch einmal: Liebe und Anerkennung von deinen Mitmenschen sind lebensnotwendig. Die Fähigkeit, sie zu bekommen halte ich für eine der wichtigsten Eigenschaften einer normal verlaufenden Entwicklung. Wenn Du erkennst, dass DU Anteil daran haben kannst, diese Eigenschaft in Dir zu entwickeln, hast Du viel kapiert. Eine der NLP Grundannahmen besagt, dass wenn das was du tust, nicht funktioniert, du etwas anderes tun sollst. Das gilt auch für dich. Probiere DU doch einfach einmal, den ersten Schritt zu tun.

Wie du merkst, kann und will ich dir keine Rezepte für deine gewünschte emotionale Unabhängigkeit geben. Dein Weg führt in eine andere Richtung. Wenn es dich beruhigt, kann ich dir sagen, dass du nicht alleine bist mit diesen Wünschen. Viele junge Menschen kommen auf die Idee, sich emotional selbstständig zu machen. Das hat, wie gesagt, mit der Entwicklung unsere Gesellschaft hin zur Individualität und dem Überangebot an virtuellen Emotionen über die sozialen Medien zu tun. Lass dich da nicht in die Irre führen.

Mache anderen Komplimente

Ich weiss, es ist nicht einfach, den ersten Schritt aus Deinem emotionalen Gefängnis zu tun und deinem Gegenüber zu sagen, dass du in toll findest. Besonders, wenn Dein Mitmensch ein attraktives, junges Mädchen ist. Probiere es doch einfach mal mit einem Kompliment. Lass dich nicht entmutigen. Es kann sein, dass die meisten Komplimente am Anfang abgelehnt werden.

Doch Übung macht auch hier den Meister. Dein Ziel kann es sein, zu lernen, Komplimente so zu machen, dass du eine Reaktion darauf bekommst. Und Ablehnung, kann hier durchaus eine gute Reaktion sein, weil leider die wenigsten Menschen mit einem gut gemachten Kompliment umgehen können.

Es liegt an Dir

Du merkst schon, ich gebe dir ein relativ einfaches Rezept, Deine Haltung zu ändern und endlich die Liebe und Anerkennung zu bekommen, die dir gebührt. Es ist ein Anfang, mehr nicht. Vielleicht bekommst Du Geschmack daran, in die Gesellschaft, in der Du lebst, einzutauchen. Vielleicht hörst du auf, Dich zurückzuziehen in deinen Elfenbeinturm und dir eine Welt ohne äußere Einflüsse gestalten zu wollen. Vielleicht tust DU den ersten Schritt hinaus in die Welt und sagst deinen Mitmenschen: hier bin ich, nimm mich wahr. Vielleicht machst DU dazu den ersten Schritt mit vielen kleinen Komplimenten an deine Mitmenschen. Vielleicht wirst du Anfangs mit Deinem veränderten Verhalten Erstaunen ernten. Ich bin jedoch der Meinung, dass dieser Weg dein Weg ist. Dass er den Weg für Dich in die richtige Richtung darstellt. Mit emotionaler Unabhängigkeit wie du sie haben möchtest, treibst du dich ins gesellschaftliche Abseits. Damit kommst Du nicht weit.

Auch wenn Du vielleicht eine andere Antwort erwartet haben magst, hoffe ich doch, Dich mit meiner Antwort zum Nachdenken gebracht zu haben und Dir am Ende geholfen zu haben, Dich zu entscheiden, den richtigen Weg zu gehen. Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. 

1 Antwort

  1. Hi Chris,

    Tolle Antwort auf diese Frage. Danke dafür. Ich sehe mich da selbst wieder. Und bisher war auch mein Wunsch emotional komplett unabhängig sein zu können von anderen Menschen. Aber wenn du sagst das ist nicht sinnvoll hmm dann denke ich da mal drüber nach.
    Ich merk grad hinter dem Wunsch emotional unabhängig zu sein, steckt die Angst dahinter von anderen abgelehnt und enttäuscht zu werden.
    Interessant.

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