Feedback geben und erhalten

Regeln für eine offene Kommunikation

In meinen Workshops lehre ich den NLP Coachingprozess nach einem bewährten Modell. Ich selbst halte mich bei meinen Coachings jedoch meist nicht daran. Ich komme ohne Umwege direkt zur Sache. Das halte ich für meine Stärke und dafür hat ein Besucher sogar einen Namen gefunden: ITF Coaching. Das bedeutet „In The Face Coaching“. Ins Deutsche übersetzt meint es „Ohrfeigencoaching“, eine ganz besondere Art von Feedback.

Wenn Du mich fragst, halte ich meine Direktheit nicht gerade für Ohrfeigencoaching. Es ist für mich der direkte und ehrliche Weg, Feedback zu geben. Über die vielen Jahre habe ich tausenden von Menschen geholfen, sich auf den Weg zu einem positiveren Lebenskonzept zu machen. Diese Erfahrung gibt mir ein anderes Auge für Dinge die für gezielte Veränderungen wichtig sind. Es geht mir darum, den einfachsten Ansatz für die größtmögliche Veränderung zu finden. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich das Wichtige direkt ansprechen, ohne Drumherum und ohne windende Umwege. So meine ich, soll Feedback sein. Ehrlich und direkt.

Lass mich Dir vielleicht zunächst einmal eine Definition von Feedback geben:

„Feedback ist für mich jede kommunizierte Information über das Verhaltens Deines Gegenüber, die zum Ziel hat, ihm dieses Verhalten bewusst zu machen und sein Verhalten damit zu beeinflussen.“

Mit Sicherheit kommst Du oft in Situationen, in denen jemand Feedback von Dir will. Kollegen, Freunde, Partner, Untergebene, alle brauchen eine Rückmeldung darüber, ob ihr Verhalten „sozialkompatibel“ ist. Vielleicht ist das Geben von Feedback ein Teil Deiner Tätigkeit. Nicht nur als Führungskraft weißt Du bestimmt, wovon ich spreche. Doch Feedback ist trickreich. Auf der einen Seite verlangt es die „Höflichkeit“ von Dir, Deinen Mitmenschen gute Gefühle zu bereiten und das Positive im Menschen zu sehen.

Stilles Qi Gong
Sieben Übungen zur inneren Harmonie

Ich wurde auf einer Reise durch China mit der Technik und Philosophie dieser Übungen der Aktivierung der geistigen Energie durch Qi Gong bekannt. Die körperlichen Bewegungsübungen des Qui Gong sollen in langen Jahren der Praxis einer nie erreichbaren Vollendung entgegenstreben. Dagegen sind die Übungen des "stillen Qi Gong", die richtige Anleitung vorausgesetzt, sehr gut für jeden nachzuvollziehen und können schnell zu deutlich wahrnehmbaren Ergebnissen führen.

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Andererseits ist nicht alles Gold, was glänzt und jeder Mensch hat Fehler. Und manchmal solltest Du dann auch den Mut besitzen, diese Fehler anzusprechen, zu kommunizieren, eben Feedback zu geben. Wie findest Du also die Balance, trotz einer positiven Grundeinstellung Deinen Mitmenschen Feedback zu geben. Ich habe Dir nachfolgend ein paar Regeln aufgeschrieben, die sich für mich in den vielen Jahren meiner Praxis als wichtig herausgestellt haben. Beherzige sie und … trau Dich, Deine Meinung zu sagen. Dann bist Du schon auf dem richtigen Weg.

Regeln zum GEBEN von Feedback

1. Bereitschaft

Frage nach, ob Dein Gegenüber Dein Feedback haben will.
Überprüfe, in welchem Kontext er bereit ist, es anzunehmen.

2. Entscheidungsgewalt

Du kannst Deinem Gegenüber nur Informationen darüber liefern, was sein Verhalten bei Dir auslöst. Ob er deshalb sein Verhalten ändert, muss er selbst entscheiden. Du kannst ihm mitteilen, welche Vorteile eine Veränderung seines Verhaltens für sein Leben haben würde, die Entscheidung darüber muss er selber treffen.

3. Sei konstruktiv

Beginne mit den positiven Aspekten des Verhaltens.
Bleibe sachlich, vermeide Vorwürfe.
Sei zielorientiert. Gib Deinem Gegenüber klare Perspektiven für die Zukunft: Was wird sich ändern, wenn er/sie sein Verhalten ändert.

4. Bleibe bei der Sache

Beschreibe das Verhalten Deines Gegenüber vom Verhalten her, vermeide es, zu werten (…ist „gut“ oder „schlecht“).
Beschreibe über die Wahrnehmung Deiner Sinneskanäle möglichst genau, was Du wahrgenommen hast.

Ich habe gesehen….
Ich habe gehört…..
Ich habe gefühlt….

Vermeide Verallgemeinerungen wie „Du machst immer …“, nimm stattdessen zu einer konkreten Situation Stellung.

5. Denke an E-Prime:

Vermeide das „sein“ in Deinem Wortschatz. „Du bist….“ ersetzt Du am besten durch: „Meinem Eindruck nach, …“ oder „Nach meiner Ansicht …“

Eine genaue Anleitung findest Du in meinem kostenlosen E-Prime Workshopvideo.

6. Kontext ist wichtig

Du kannst von den Asiaten lernen. Gib Feedback entweder im Vieraugengespräch oder formuliere Feedback in einer Gruppe so, dass die Person ihr Gesicht behält.

7. Auch andere Ansichten zählen

Stelle im weiteren Verlauf des Gespräches auch Fragen, um die Ansichten Deines Gegenübers zu erkennen:

„Ist Dir schon einmal aufgefallen, wie Du…?“
„Wie siehst Du….?“
„Was ist der Grund für…..?“

Regeln für das ANNEHMEN von Feedback

Wenn Du von Deinem Chef oder von einem guten Freund Feedback erhältst, befindest Du Dich erst einmal in einer passiven Rolle. Du bist allen Informationen erst einmal ausgesetzt. Das ist nicht so einfach, weil Feedback ja meist Verhalten analysiert, das zu Komplikationen in der zwischenmenschlichen Beziehung geführt hat.

Du selber hast ja vielleicht dazu geneigt, Dein Verhalten schön zu reden, zu ignorieren oder gar in ein positives Licht zu setzen. Jetzt kommt da jemand und ist anderer Meinung. Und wahrscheinlich hat er gute Gründe dafür. Dieses Feedback auszuhalten, besonders wenn es kritisches Feedback ist, das ist niemals einfach. Nicht für denjenigen der es gibt und schon garnicht für denjenigen, der es bekommt.

Vielleicht hilft es Dir deshalb ein kleiner Ratschlag von mir, richtig zu reagieren. Überlege einmal, in diesem Augenblick gibt Dir jemand die Chance, mehr über Dich zu erfahren. Er nimmt mögliche negative Reaktionen von Dir in Kauf, so wichtig ist ihm das Verhältnis zu Dir. Sieh es von der positiven Seite. Durch das Feedback kannst Du herausfinden, wie Du auf Andere wirkst. Das ist eine wirklich gute Möglichkeit, Dein Verhalten gegebenenfalls zu optimieren. Vielleicht ergibt sich aus diesem Feedback gerade eine Chance, die für Dein Leben eine entscheidende Bedeutung hat.

Deshalb solltest Du Deinen Gegenüber erst einmal ausreden lassen. Du kannst nicht wissen, was Dein Gegenüber sagen will, bevor er zu Ende gesprochen hat. Du brauchst Dich auch nicht für Dein Verhalten zu rechtfertigen oder zu verteidigen. Es ist wichtig, dass Du Dir klar machst, dass der andere nicht beschreibt, wie Du bist, sondern immer nur, wie Du auf ihn wirkst – und was dies für Konsequenzen für ihn und Dich hat. Diese Wahrnehmung ist durch keine Verteidigung umkehrbar.

Du kannst durchaus Dankbarkeit artikulieren, dass Dein Gegenüber die Mühe eines Feedbacks auf sich genommen hat. Es zeugt von großer Charakterfestigkeit, die Meinung Deines Gegenüber hinnehmen zu können und daraus lernen. Bevor Du ein Urteil über denjenigen fällst, der Dir gerade Feedback gibt, solltest Du verstehen, was genau Dein Gegenüber meint. Du kannst deshalb ruhig Verständnisfragen stellen. Das NLP Metamodell gibt Dir ein gutes Fragenraster an die Hand:

„Was genau meinst Du mit…..?“
„Wie genau meinst Du, soll ich…?“

So dankbar Du für das Feedback sein kannst; akzeptiere es kritisch. Denk nach und prüfe das Feedback an Deinem Verhalten in ähnlichen oder anderen Situationen. Haben Dir vielleicht andere Menschen Ähnliches schon einmal gesagt? Sprich mit Freunden oder Kollegen. Frage sie nach ihrer Meinung und ihren Eindrücken – können sie das Feedback bestätigen?

Bleibe auch Dir selbst gegenüber kritisch. Dazu gehören einige unbequeme Fragen, die Du Dir stellen solltest:
Bin ich vielleicht ein Gegenbeispielsortierer, der automatisch zu Widersprüchen neigt? Neige ich zu Gegenangriffen um von meiner Person abzulenken?
Neige ich dazu, Feedback absichtlich misszuverstehen oder falsch zu deuten?

Du bemerkst, wir sind mit dem Thema „Feedback“ bereits in anspruchsvolle Gewässer der zwischenmenschlichen Kommunikation gelangt. Der Gefahren sind viele. Schnell kann Dein Schiff auf Grund laufen, weil Du falsch navigiert hast (gestatte mir diese kleine Metapher).

Und selbst wenn Dein Schiff einmal kentern sollte: Du kannst ja schwimmen. Mit anderen Worten: Übung macht den Meister. Ich jedenfalls liebe es, Feedback zu geben und zu bekommen und habe es zu einem wichtigen Teil meiner Weltanschauung gemacht. Was nützt es, mir einzubilden, was andere Menschen von mir denken? Da lebe ich doch in einem Elfenbeinturm. Besser, ich frage meine Mitmenschen um ihre Meinung – auch wenn diese Meinung manches Mal nicht mit meiner übereinstimmt. Ich wünsche Dir den Mut, beide Richtungen für Dich auszuprobieren. Geben und Bekommen.

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3 Kommentare

  • Einen sehr interessanten Blog mit tollen Themen haben Sie hier! Vor allem im Bereich Coaching haben Sie viele interessante Artikel, die ich mir in der Zukunft allesamt durchlesen werde.

    Viele Grüße aus Bielefeld

    Antworten
  • Danke für die Newsletter.
    Ich schaue gerne rein
    und erinnere mich an
    das erlebnisreiche Seminar.
    Was ich dort lernen durfte
    verwende ich bis heute.
    LG ans ganze Team
    Ulrike

    Antworten
  • Danke für diesen klärenden und hilfreichen Artikel. Das Thema Feed Back geben ( und nehmen), ist ein echtes Minenfeld. Als, an den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Menschen, und den dahinter stehenden Mechanismen interessierter Mensch, bin ich dankbar für Deine Ansichten und hilfen zu den Themen dazu.
    Alles Liebe, Christoph

    Antworten

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