Deine Emotionen sind messbar

Die Schwingungs-Skala nach David R. Hawkins.

Wenn Du Dich etwas mit dem Modell von NLP befasst, bekommst Du schnell den Eindruck, es mit einer exakten Wissenschaft zu tun zu haben. Es gibt dem Anschein nach Knöpfe, Regler oder Schalter, die Du für oder gegen jedes Problem “installieren” kannst, das Du zu haben glaubst. Dieser Eindruck stimmt – allerdings ist er sehr oberflächlich.

Mit zunehmender Erfahrung wirst Du schnell herausfinden, daß eine erfolgreiche Anwendung von NLP von mehr Kriterien abhängt, als der Installation von Schaltern und Knöpfen. Deine Persönlichkeit weist sehr viele Schichten auf und sie hat  glücklicherweise mehr Ecken und Kanten, als manches vereinfachte Modell es darstellt. Das muss kein Nachteil für die Wirksamkeit sein, solange (wie im Falle von NLP) durch diese Vereinfachung seine Wirksamkeit gewährleistet ist. Vielleicht versuchst Du es einmal weniger mit der Konzentration auf Deine Probleme und mehr mit einer Richtung und Zielen, auf die Du Dich hinbewegen willst. Lass uns doch gleich zum Beginn mit dem größtem “Chunk” beginnen.

In meiner langen Laufbahn als Lehrer habe ich herausgefunden, dass sich jeder Mensch ein glückliches Leben wünscht. Glück – dieses Wort ist ein unbestimmtes Hauptwort und bedeutet deshalb für jeden Menschen etwas anderes. Ich beschreibe dieses Glück als das Gefühl, das aus einem “richtigen” Leben resultiert. Wie Du bemerkst, ist das eine ziemlich weiche Definition. Lass uns für einen Moment bei dieser Definition bleiben und überlegen, wie Du mit Hilfe von NLP und anderen Erkenntnissen mehr von diesem Glück in Dein Leben bringen kannst. Es geht um den nächsten, gangbaren Schritt in Deinem Leben. Dazu halte ich es für wichtig, zunächst herauszufinden, wo Du gerade stehst.

Die Ebenen des Bewusstseins

Kaum ein Buch hat mich in den letzten Jahren so beeinflusst und nachdenklich gemacht, wie die Lektüre von David R. Hawkins: Power vs Force (deutsch: Die Ebenen des Bewusstseins). Um es in einem Satz zusammenzufassen: Hawkins hatte die Idee, mit Hilfe der Kinesiologie eine – wie er es nennt – “Landkarte des Bewusstseins” zu erstellen. Er ordnete Gefühlen und Zuständen Zahlenwerte zu. Er listete sie in steigender Zahlenfolge auf. Er und ein Team von Helfern testeten tausende von Personen, um die sprachliche Begriffswelt der Gefühle in zahlenmäßig skalierbare Relation zueinander zu bringen.

Den niedrigsten Wert setzt er bei 1 (gerade noch am Leben) an. Der niedrigste Wert ist das Gefühl von Scham. Es hat auf seiner Skala den Wert 25. Der höchste Wert findet sich bei 1000, es ist der Zustand der ewigen Liebe und Erleuchtung. Bei einem Wert von 250 siedelt er den neutralen Zustand an.

Vielleicht hört sich dieser Ansatz für Dich neuartig und fremd an. Gefühle und Zustände in Zahlenwerte fassen? Vielleicht hilft Dir ein Ratschlag aus der Welt von NLP: Wende doch einfach den “Was wäre, wenn…” Rahmen an. Lasse Deine Zweifel an der Wirksamkeit seines Ansatzes und der Methode der “Kinesiologie” für einen Moment beiseite. Akzeptiere einfach für einen Moment die Methode, mit der Hawkins seine Landkarte erstellt hat. Betrachte sie experimentell als “wahr”.  Dann kannst Du Dir folgende Frage stellen: “Was kann es für Dich für positive Konsequenzen haben, wenn das, was er in seinem Buch beschreibt, “wahr” ist?”

Ich meine, seine Erkenntnisse können eine große Tragweite für Dich haben. Er gibt Dir nämlich eine Landkarte an die Hand, mit der Du herausfinden kannst, wo Du im Leben mit Deiner emotionalen Entwicklung stehst und wohin Dein Weg führen kann. Damit sind wir bei der Fragestellung aus dem Anfang dieses Artikels und damit kannst Du Dir nun Strategien überlegen, wie Du die Erkenntnisse in Dein Leben integrieren kannst.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Streben nach Erleuchtung ein großes Ziel in Deinem Leben sein kann. Doch beginnt eine jede Reise mit (d)einem ersten Schritt. Es macht Sinn, wenn Du aus der Angst kommst, Dich im nächsten Schritt über die aus der Auflösung entstehende Wut und dann über die Begehrlichkeit klar zu werden und mit ihr zu arbeiten.

Einige Kleinigkeiten sind mir bei der Lektüre seines Buches aufgefallen. Es lohnt sich ja durchaus, das Buch kritisch zu lesen. Vielleicht willst Du mir bei einigen meiner Gedankengänge folgen.

1. Gottesbegriff

Hawkins verwendet in seinem Buch durchweg den Begriff “Gott”. Das stört mich. Es gibt nach seiner Aussage nur wenige Erleuchtete in der Geschichte der Menschheit. Er zählt dazu Lord Krishna, Lord Buddha, Lord Jesus Christ. Ich nenne hier die englischsprachigen Begriffe, weil er explizit den Begriff “Lord” für diese Klasse von Menschen reklamiert. Für den Fall der katholischen Kirche weiß er von der Dreieinigkeit des Gottesbegriffes, vom Vater, vom Sohn und vom heiligen Geist.

Ich halte es da aus meinem eigenem Erleben heraus eher mit Robert Monroe und Esther Hicks. Beide trennen klar zwischen Menschen unserer Welt, gleich welcher Bewusstseinsebene und jenen “höheren Wesen” (Entities), die Sphären angehören, die uns normal nicht zugänglich sind. Hawkins merkt ausdrücklich an, dass sich die Begrenzung seiner numerische Skala auf unsere Welt bezieht. Sie hat theoretisch nach oben keine Begrenzung –  dazu allerdings müssen wir diese Welt verlassen. Die körperliche Erfahrbarkeit der Gefühlsschwingungen unserer weltlichen Existenz endet bei ihm mit der Schwingungszahl 1000.

Als Ergebnis meiner “Forschungsreisen” in mögliche andere Dimensionen der Existenz präsentieren sich mir die jenseitigen Welten genauso vielfältig, wie unsere diesseitige, “reale” Welt. Dort existieren unendlich viel mehr Schwingungsebenen immer höherer Ordnung. Davon habe ich jedoch bestenfalls eine Ahnung, keine dieser Schwingungen kann ich in meinem Körper nachvollziehen.

Zu allen Zeiten meinen “Mystiker” und “Heilige”, diese anderen Ebenen auf ihre Weise geschaut zu haben. Sie sind von diesen Ebenen zurückgekehrt, verklärt durch das Erleben einer “unendlichen Liebe” was die niedrigste Grundschwingung auf der “anderen Seite” sein soll. Sie waren beeindruckt durch die Begegnung mit höher schwingender Wesenheiten. Aus der Begrifflichkeit der jeweiligen Zeit ist es für mich durchaus verständlich, wenn der Betreffende nach solchen Erfahrungen erklärt: “Ich habe Gott geschaut.” Viele Religionen der Welt bauen darauf auf.

Wenn Hawkins den Begriff “Gott” und “beten” für sich reklamiert, tut er das in einer durchaus christlich-religiös motivierten Art und Weise. Ich vermute, er gebraucht diese Begriffe, um es sich mit der großen, religiös geprägten Leserschar seines Heimatlandes (USA) nicht zu verderben.

Für mich sind in diesem Kontext seine Ausführungen nicht akzeptabel. Hawkins wird aus diesem Grunde auch von seinen Kritikern als religiöser Fundamentalist angegriffen. Die zentralen Erkenntnisse, die Botschaft, die er mit seinem Buch vermittelt, ist viel zu wichtig, um sich davon ablenken zu lassen. Ich ersetze deshalb beim Lesen in Gedanken den Begriff “Gott” mit “höhere Wesenheit” und interpretiere den von ihm verwendeten Begriff “Gott ist…” in seiner Landkarte als kulturbezogenen Ersatz für “jene höhere Wesenheit”.

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2. Übersetzung

Die deutsche Version der amerikanischen Originalausgabe ist sehr sensibel übersetzt. Es gibt editorische und übersetzerische Anmerkungen am Beginn des Buches. Und doch fehlt mir ein wesentlicher Aspekt. Worte sind Aneinanderreihungen von Buchstaben. Sie stehen als Beschreibung für tatsächliche Zustände oder Gefühle, die im Körper wahrnehmbar sind.

Aus meiner linguistischen Arbeit weiß ich, dass sich beispielsweise der Begriff der Schuld, wie wir ihn in Deutschland verwenden, nicht vollständig mit dem Begriff “guilt” deckt, wie er im amerikanischen Sprachgebrauch verwendet wird. Ich zweifle kulturkontextuell an der vollständigen Korrektheit der deutschen Übersetzung seiner Landkarte.

Aus dieser Sicht sind mir manche Begriffe in den Sinn gekommen, von denen ich meine, dass sie den jeweiligen in englischer Sprache beschriebenen Bewusstseinszustand besser klassifizieren. Wir haben im engen Kreis einer Projektgruppe diskutiert und sind oft gleicher Meinung. Im besten Falle hätte man also (oder hat man, ohne es anzumerken), die deutsche Landkarte des Bewusstseins kinesiologisch verifizieren können.

3. Skalierung

Ich finde es interessant, dass Hawkins den Gedanken einer les- und interpretierbaren Gefühls-Landkarte nicht zu Ende denkt. Ich bin darauf gestoßen, als ich für die Zwecke dieses Artikels eine skalierte Version der Landkarte herstellte. Hawkins listet einzelne Zustände einfach auf, ohne ihnen auf der Skala, die er selbst eingeführt hat, den proportional skaliert richtigen Platz zu geben.

Ich habe mir die Mühe gemacht und das überraschende Ergebnis findest Du hier:


HIER kannst Du ein DIN A4 .pdf davon herunterladen.

Mehr positive Energie für die Welt

Wenn ich den Hawkinschen Wert für Neutralität (250) verdopple, stoße ich genau an die Grenze, bei der die Liebe beginnt. Zwischen dem Wert 0 und 250 listet Hawkins neun differenzierte Ebenen, zwischen 250 und 500 nur noch drei. Je höher also die Schwingung geht, desto weniger verbale Ausdrucksmöglichkeiten listet Hawkins für diese Zustände. Für den weiteren Verlauf der Skala von 500 bis 1000 listet er nur noch vier Wörter auf.

Im NLP hast Du gelernt, dass die Erlebenssphäre in Deiner Sprache ihren Ausdruck findet. Wenn also mehr und differenziertere Wortgruppen für niedrige Schwingungsebenen existieren, schliesse ich daraus, dass sich unsere (Welt)Gesellschaft “schwingungsmäßig” noch auf ziemlich niedrigem Niveau befindet. Hawkins findet für die Bereiche unterhalb des neutralen Zustandes linguistisch viel genauere Differenzierungen. Wo unsere Sprache mehr Ausdrucksfähigkeit zulässt, findet auch unser Erleben statt.

In meiner Version habe ich die amerikanischen Begriffe der Originalausgabe unter die deutschen Begriffe gestellt. Weil ich an manchen Stellen mit der “offiziellen” Übersetzung nicht übereinstimme, habe ich bei Bedarf meine Version der Übersetzung verwendet. Ich habe meine Änderungen nicht explizit markiert. Diese kannst Du durch einen Vergleich mit dem Original schnell herausfinden.  Die Farben für die einzelnen Zustände habe ich intuitiv gewählt. Sie dienen zur Illustration und zur leichteren optischen Navigation. Ich wünsche Dir viele Erkenntnisse bei der Anwendung Deiner Erkenntnisse.

Ein Tipp: Ich habe es schon weiter oben im Artikel geschrieben. Wenn Du kinesiologisch herausgefunden hast, in welchem Schwingungszustand Du Dich gerade befindest, ist es vielleicht eine gute Idee, benachbarte, höhere Schwingungszustände als nächsten Schritt zu betreten. Unendliche Liebe und Erleuchtung können ja später dazu kommen.

Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose
Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose

Seit über 25 Jahren lehre ich Menschen das Modell von NLP und die Techniken von Hypnose. Ich glaube fest daran das jeder Mensch in sich die Ressourcen trägt um sein Leben selbständig und nach eigenen Maßstäben zu gestalten.

4 Antworten

  1. Ich haben in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Gefühle. Ich fühle Mich im Urlaub anders als auf der Arbeit. Zuhause anderes als beim Sport. Auch den unterschiedlichen Menschen gegenüber fühle ich mich anderes. Ich bin irgendwo bei 400 auf der skala

  2. Ich habe das Buch von Hawkins auch gelesen, und eine Zeitlang war es für mich das wichtigste Buch (neben Stefan Zweig “Ungeduld des Herzens”), das ich kennengelernt habe. Chris, Deine Gedanken zu dem Hawkins-Buch sind für mich eine sehr wichtige Bereicherung! Danke dafür!
    Liebe Grüße von Angelika

  3. Sehr interressant. Ich habe für mich anstelle von Gott das Wort Universums-Energie gestellt. Da das Wort Liebe in der Literatur und Liedertexten und unter Liebenden in vieler Weise verwendet wird und viele meinen zu wissen, was es heisst, verwende ich manchmal den sperrigen Begriff Agape. Aber viel klarer wird es, wenn Agape mit “freier Aufmerksamkeit” definiert wird. Wirklich freie Aufmerksamkeit bedeutet, nur noch wahrzunehmen, wo ich die Aufmerksamkeit hinrichte und dabei, alle Etiketten (Bewertungen) wegzulassen. Die Energie die dabei entsteht, wenn du zB. von hinten jemand anschaust, ist fühlbar für beide Personen. Dabei kann ich wahrnehmen, dass je mehr Etiketten ich dem andern doch noch unbewusst anhefte. umso kleiner ist der Energiefluss. Also aus dem reinen Gewahrsein (null Etiketten – auch keine positiven) ist die Energie am höchsten. Wenn du gewahr bist, wirst du viele Leute anziehen, weil sie sich wohlfühlen in deiner Nähe, da du keine Bewertungen mehr abstrahlst. Also könnte man im Umkehrschluss sagen, dass die freie Aufmerksamkeit messbar ist – nämlich in der Menge der Etiketten, die ich doch noch unbewusst anderen anhänge. Zum Glück fliesst die frei Aufmerksamkeit schon, wenn ich nur schon trainiert habe, wenig zu denken und nur zu schauen. Das bildet die Motivation, auf dem Weg der Erleuchtung weiterzugehen. Gewahrsein und höchstes Glück könnte demnach dasselbe sein.

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