Wann lügt ein Mensch?

Grenzbereiche der eigenen Realitätswahrnehmung

„Du sollst nicht lügen!“ So steht es in der Bibel geschrieben. Trotzdem passiert es Dir mehrmals am Tag, dass Du abwägen musst: Vertrete ich meine Wahrheit, oder stelle ich meine Wahrheit auf unterschiedliche Art und Weise dar. Eine solche Art der Interpretation würden viele Menschen als Lüge bezeichnen.

Hast Du eigentlich einmal darüber nachgedacht, wo Du Deine Grenzen gesteckt hast? Was ist für Dich Wahrheit und was ist Lüge. Womit willst und kannst Du leben? Das sind Fragen, die Dich und jeden angehen. Sie machen einen wichtigen Bestandteil Deines Charakters aus. Ich unterstelle Dir, dass es meistens Gedankenlosigkeit ist, die Dich veranlasst, eine „Wahrheit“ anders darzustellen, als sie sich Dir präsentiert.

Wie eine Lüge entsteht

Im Modell von NLP betrachten wir die Entstehung von Lüge und Wahrheit, also Deinen Wahrnehmungsprozess genauer. Am Anfang steht ein Geschehen, an dem Du teilnimmst. Deine Realität entsteht daraus in mehreren Schritten. Über das Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken und Riechen nimmst Du Deine Umgebung wahr und speicherst die Ergebnisse im Gehirn ab. Aber längst nicht alles!

Dein Gehirn speichert nur einen bestimmten Ausschnitt. Es filtert, verzerrt, Teile werden gelöscht und noch vieles mehr. Wenn Du Dich später an ein Erlebnis erinnerst,  konstruierst Du aus den gespeicherten Erinnerungen eine „Realität“, die Du als wahrhaftig geschehen annimmst. Leider jedoch ist das Ergebnis nur Deine individuelle Wahrheit. Deshalb ist das Wort WAHRnehmung leider irreführend. Interessant, nicht wahr?

Wer hat Recht und wer lügt…?

Wenn Du allerdings das, was Du als ein bestimmtes Erlebnis wahrgenommen hast mit dem vergleichst, was Andere wahrgenommen haben, wirst Du feststellen müssen, dass Deine Wahrnehmung und die Wahrnehmung Deiner Mitmenschen oft mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten aufweist. Wenn Du im Freundeskreis von einem gemeinsamen Erlebnis erzählst, kann es Dir passieren, dass Deine Gegenüber ausrufen: „Das ist nicht wahr, das war ganz anders!“

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Was nun? Nach bestem Wissen hast Du die Wahrheit gesagt, nur um mit den vielen verschiedenen Wahrheiten aus der Erinnerung Deiner Freunde konfrontiert zu werden. Noch interessanter wird es, wenn Du genauer analysierst, wie Du Deine Sprache benutzt, um Deine Erlebnisse zu beschreiben. Das, was Du sagst vermittelt Deiner Umwelt Dein Erleben. Nimm beispielsweise den Satz: „Ich will ja nur glücklich sein!“ Wer stimmte dieser Aussage nicht zu.

…und was hat Glück damit zu tun?

Was jedoch bedeutet GLÜCK für Dich? Und was für Deinen Partner? Und was für Deinen besten Freund? Und was für Deinen Berufskollegen? Wenn Du diesen Fragen nachgehst, wirst Du herausfinden, dass das Wort GLÜCK – ein unbestimmtes Hauptwort in der grammatikalischen Definition – je nach Person mit ganz unterschiedlicher Bedeutungen belegt ist. Über das, was Glück bedeutet gibt es so viele Meinungen wie Menschen auf der Welt. Ebenso darüber, auf welchem Wege dieses GLÜCK zu erreichen sei.

Über derlei Phänomene der Sprachgestaltung haben sich schon vor dem Entstehen des Modells von NLP viele Generationen ernste Gedanken gemacht. Gerade weil daraus seit jeher so viele Missverständnisse im Alltagsleben entstanden sind. Die Wahrnehmungen zweier Menschen, unterschiedlich interpretiert und als wahr erlebt, können schnell zu Streit führen. Kriege sind darüber entstanden und ausgefochten worden. Dabei gingen viele Menschenleben verloren.

Stell dir vor, es ist Krieg und jeder weiss die Wahrheit.

Ich meine, es ist deshalb eine gute Idee, vor Beginn eines Arguments ein Modell zu haben, das die Irrwege unterschiedlicher Wahrnehmungen vermeidet. Alfred Korzybski hat das kleine Wörtchen „ist“ als einen wichtiger Bestandteil Deiner Realitätswahrnehmung gefunden. Du markierst mit diesem Wort Deine persönliche Realitätswahrnehmung, als wäre sie die einzige Wahrheit.

Es gilt jedoch: Zwei Menschen, zwei Welten, zwei Wahrnehmungen – jeder hält seine Welt für wahr und markiert diese Wahrheit mit „ist“. „Das ist unerhört!“, „Nein, das ist ganz normal!“ Eine gute Basis für eine streitbare Auseinandersetzung, wie sie jeden Tag viele Male passiert. Korzybski schlägt vor, an Stelle des vermaledeiten Wortes „ist“ den Ausdruck „in meiner Welt“  (oder so ähnlich) zu verwenden.

So lernst Du, Krieg zu verhindern!

Damit markierst Du Deine Wahrnehmung mit Deiner Sprache als relativ. Daneben können viele andere Realitäten existieren. Diese „Technik“ kannst Du auch bei Deinem Gegenüber anwenden, allerdings am Besten nur in Deinem Kopf. Auch wenn er das Wörtchen „ist“ ständig verwendet, kannst Du verstehen, dass er ausschliesslich von einer Wahrnehmung SEINER Wahrheiten in SEINER Welt berichtet.

Wenn Du diese kleine Technik verinnerlichst, wirst Du auf einen entscheidenden Nachteil stossen: Du kannst Dich nicht mehr mit Anderen streiten. Jeder stellt eben nur seine Weltsicht und damit seine Wahrheit dar. Ob und wie er sie dann sprachlich als „allgemeine“ Wahrheit markiert, kann Dir herzlich egal sein. DU weisst nun Bescheid.

Mehr über die Technik von Korzybski und sein E-Prime kannst Du im kostenlosen Video-Workshop im Bereich „Geschenke“ erfahren.

Wahrheit und Lüge im Alltag

Wahrscheinlich hast Du schon einmal einen Lebenslauf geschrieben. Steht darin die Wahrheit geschrieben? Ein Teil des Bewerbungsprozesses bei Firmen besteht darin, herauszufinden, inwieweit das, was im Lebenslauf steht mit der Realität übereinstimmt.

Die Grenzen dabei sind fließend. Beispiel gefällig? Ein einjähriger Auslandsaufenthalt kann ein Urlaub gewesen sein. Oder eine Abenteuerreise, die nötig war, um Dir Klarheit zu verschaffen, was Duim Leben wirklich willst. Ist es legitim, diese Reise als „Studienreise“ zu titulieren? Die Beantwortung dieser Frage berührt die Grenzen Deines Moralempfindens und Deiner Glaubenssysteme.

In der Verhaltenspsychologie gibt es „grobkörnige“ und „feinkörnige“ Interaktionen. Je enger die emotionale Beziehung zu Deinem Gegenüber ist, desto feinkörniger kannst Du sie bezeichnen. In diesem Sinne wäre ein Bewerbungsgespräch grobkörnig. Wenn Du diese Bezeichnungen akzeptierst, vermittle ich Dir eine gute Faustregel: Je feinkörniger eine zwischenmenschliche Beziehung definiert ist, desto weniger hat Lüge dort einen Platz.

Lügen in einer guten Beziehung

In einer guten Partnerschaft sollte das Vertrauen so groß sein, dass es keine Lügen braucht. So kannst Du für Dich selbst überprüfen, wie gut Deine Beziehung ist. Je besser, desto weniger Lüge kommt vor. Je mehr Herz im Spiel ist (wenn Du eben dieses überhaupt öffnen kannst), desto mehr Wahrheit ist im Spiel. Gestatte mir dazu eine kleine Abschweifung zur Gestaltung Deiner partnerschaftlich Beziehung.

Eine gute Beziehung basiert auf der Basis von Angeboten, nicht auf gegenseitigen Forderungen. Schon geht es los. Was passiert, wenn Dir Dein Partner ein Angebot nicht macht, das Du haben willst? Befriedigst Du dieses Angebot dann an anderer Stelle? Das sollte in einer reifen Partnerschaft legitim sein.

Und hast Du dann genug Mumm in den Knochen, dieses „wo anders“ auch Deinem Partner gegenüber zu vertreten? Speziell, wenn es um sexuelle Befriedigung geht? Auf diese Weise nämlich kommen eine Menge an Lügen in die Welt – aus Konfliktscheue.

Es ist also offensichtlich gar nicht so leicht, ein Leben im Glück und ohne Lügen zu führen. Oft ist die Lüge erst einmal nur ein bequemer Ausweg. Meistens allerdings lügst Du dabei Dich auch selber an. Und das ist die schlimmste Lüge von allen: die Lüge gegen Dich.

Schaffe die Lügen aus Deiner Welt!

So kommen wir zu den pathologischen Lügnern. Ein solcher wärest Du, wenn Du in der Wahnvorstellung lebst, jemand anderer zu sein, als der Du wahrhaftig bist. Ein gutes Beispiel findest Du im Film „Catch me if you can„. Ich kenne viele Menschen, die gerne sein möchten, wie und was sie nicht sind.

In der Erfüllung dieser Wünsche überziehen sie große Teile Ihres Lebens mit einem Netz an Lügen und Halbwahrheiten. Sie merken sich sehr genau, was sie wem gesagt haben und entwickeln daraus eine Parallelwelt. Was für eine grandiose Energieverschwendung. Jeder von uns trägt Teile dieses Verhaltens in sich. Die Psychologen nennen sie „Deine tägliche Maske“.

Ich meine, Dein Leben würde sehr viel einfacher für Dich, wenn Du Dich als den Menschen akzeptierst, der Du „wirklich“ bist. Mit allen Deinen Stärken und Schwächen. Achte einmal darauf, in welchen Bereichen Deines Lebens gewohnheitsmässig Lügen und Halbwahrheiten auftauchen. Dann findest Du schnell heraus, wo Deine „Baustellen“ liegen.

So landen wir wieder beim Bewerbungsschreiben von weiter oben.

Kannst Du vertreten, ein Jahr Auszeit genommen zu haben? Ja? Nein? Es könnte ja sein, dass Dein zukünftiger Chef Verständnis dafür hat, es geradezu als einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern ansieht, dass Du die Welt gesehen hast.

Kannst Du vertreten, sexuelle Stilbildung mit anderen Partnern in Deine Beziehung gelassen zu haben? Ja? Nein? Es könnte ja sein, dass diese Erfahrungen Dein Beziehungsleben auf neue Art und Weise beleben.

Kannst Du vertreten, dass andere Menschen zu anderen Weltsichten gelangen können und diese ebenfalls „richtig“ sein können? Ja? Nein? Es könnte ja sein, dass Du dadurch zu neuen Einsichten über die Vielfältigkeit Deiner Wahrnehmung und der Charaktere Deiner Mitmenschen gelangst.

Wie Du bemerkt hast, ist das Thema „Lüge und Wahrheit“ durchaus sehr viel komplexer, als es den ersten Augenschein hat. Um es mit einem klassischen Paradox zu beschliessen:

„Alle Berliner lügen“! Ich jedoch lüge niemals!
Das sagt der Chris aus Berlin.“

Dieses Zitat ist eine freie Abwandlung des Paradoxon des Epimenides. Und es ist wahr.

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3 Kommentare

  • Erinnerungen an gewesenes wird mit den damals empfundenen Emotionen abgespeichert. Da diese bei jedem Mensch verschieden ist, wird es auch verschieden abgespeichert. Ich würde es also nicht als Lüge bezeichnen. Meine Worte waren schon immer, es gibt so viele Wahrheiten wie es Menschen gibt. Der Film das Lustwãldchen zeigt dies sehr schön. Nur war ich bis anhin mit meiner Einstellung zu diesem Thema sehr alleine. Danke für die Verbreitung, dieser Ansicht, denn ich glaube es fördert die Toleranz.
    Würden alle Menschen zu dieser Lebensphilosophie kommen, müsste man nicht immer betonen, in meiner Wahrnehmung, meine Ansicht, es würde als selbstverständlich empfunden, dass jede Situation von den jeweils eigenen Empfindungen geleitet werden und es nichts mit Lüge oder Wahrheit zu tun hat.

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  • Wow, Dein Artikel hat mich echt zum nachdenken gebracht. Vielleicht muss ich selbst in Zukunft mehr darauf achten wenn ich etwas behaupte von dem ich „ganz sicher“ bin das es „so und nicht anders“ war.

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    • Lieber Manfred
      Für dich verhielt es sich auch so. Auch die anderen Beteiligten erzählen nur wie es sich für Sie verhielt. Ich denke da gibt es kein falsch oder richtig. Jedoch kann man durch das reflektieren mit Beteiligten plötzlich etwas entdecken, das man zuvor nicht wahrgenommen hat.
      Was zeigt uns dies? Jede Statistik, jede Studie, jedes Versprechen kann widerlegt werden, denn alles kommt von dem jeweiligen Augenmerk. Die Geschichte der Menschheit zeigt es uns ziemlich deutlich, sei es nun Politik oder Medien, was gestern richtig war, ist heute falsch und morgen wird das gestern als richtig hingestellt (Zeitraffer).

      Antworten

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