Nutze das Geschenk der Freundschaft

Zwischenmenschliche Beziehungen Teil 2

Du hast in Deinem Leben vielleicht schon eine Menge an Bekanntschaften gemacht. Solche, die Du pflegst und aktiv erhältst. Aber finden sich darunter auch Deine Freunde? Unter „Freund“ verstehe ich weniger die allzeit erhältlichen facebook Freunde von denen ich mehrere tausend „habe“. Was ich unter  „Freundschaft“ verstehe, wofür Freunde gut und nötig sind und wie Du mit Deinen besten Freunden umgehen solltest, das liest Du hier.

News-Freundschaft

Teil der Serie „Zwischenmenschliche Beziehungen“:
1. Über die Freude der Bekanntschaft
2. Nutze das Geschenk der Freundschaft
3. Beziehung und Partnerschaft richtig leben
4. Beziehung retten – Beziehungstipps

Ganz vage gesprochen ist die Freundschaft zwischen der Bekanntschaft und der Beziehung angesiedelt. Bei einer Freundschaft geht es um die Qualität der zwischenmenschlichen Kommunikation. Eine Bekanntschaft hat diesen Anspruch (noch) nicht. Qualität in einer Freundschaft wird zum Beispiel durch den Faktor Zeit bestimmt. Einen Freund hat man nicht nach drei Tagen. Jemanden seinen Freund zu nennen, das dauert. Ich meine damit, durchaus ein oder zwei Jahre.

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Eine Freundschaft kann sehr aktiv sein und es mag sein, dass Du mit einem Freund (oder einer Freundin – für Frauen, aber davon später) sehr viel Zeit verbringst. Dann ist das Qualitätskriterium, dass Du Dich trotz dieser vielen Zeit in seiner Gegenwart immer wohl fühlst und so sein kannst, wie Du bist. Gleiches gilt auch umgekehrt. Bei der Freundschaft geht es los, mit der gegenseitigen, Akzeptanz.

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Wieviel Zeit brauchen Deine Freunde

Es kann aber auch sein, dass Du, aus Gründen, die das Leben so mit sich bringt, eine Freundschaft nicht aktiv halten kannst. So kann es kommen, daß manches Mal Jahre zwischen einzelnen Treffen liegen. Eine gute und funktionierende Freundschaft hält so etwas aus. Dann geht es bei jedem Treffen genau da weiter, wo es beim letzten Mal aufgehört hat. Vielleicht braucht es ein paar Sätze, um die Veränderungen, die das Leben so mit sich bringt, zu erläutern. Aber man kennt sich. Das Fundament steht, bestenfalls kommt etwas Verputz hinzu.

Das ist es, was vielen Menschen Schwierigkeiten bereitet. Sie bleiben lieber auf der Basis der Bekanntschaften stehen, als sich – ausgewählten Menschen gegenüber – zu öffnen. Aus der Sexualpsychologie kenne ich den Begriff der Grob- und Feinkörnigkeit. Je enger die menschliche Verbindung, desto „feinkörniger“ ist der Umgang miteinander. Was meine ich damit?

Fein wie Sand oder grob wie Kies?

Ein Beispiel: in den allgemeinen zwischenmenschlichen Beziehung im ganz normalen Leben spielt die Wahrheit oft eine untergeordnete Rolle. Den Begriff „Lüge“ möchte ich dabei nicht gleich in den Mund nehmen. Denk mal an Deine Situation in einem Bewerbungsgespräch. Auch das sind Ebenen zwischenmenschlicher Kommunikation. In solchen Situationen bist Du bemüht, einen möglichst positiven Eindruck zu hinterlassen – man soll sich für Dich interessieren. Ich kenne viele Beispiele, in denen es nicht direkt nötig ist, zu lügen; aber Wahrheit ist eben unterschiedlich interpretierbar.

Es könnte ja auch sein, dass Du Dich im Umgang mit Menschen eher unsicher fühlst und Dir manche Dinge weniger zutraust. Es ist sicherlich keine gute Idee, dies im Bewerbungsgespräch sichtbar zu machen. Die Außenwahrnehmung so zu steuern, dass Du einen möglichst guten Eindruck hinterlässt, derlei Manöver nenne ich grobkörnig.

Der feinkörnige Umgang innerhalb einer Freundschaft drückt sich dann darin aus, dass Du Deine Gefühle der Unsicherheit nicht nur akzeptierst, sondern auch, ohne Angst vor Konsequenzen, sichtbar machen kannst. Von einem Freund wirst Du so angenommen, wie Du bist. Du kannst ihn jederzeit um Rat fragen, wenn Du Veränderung wünscht. Du wirst auch mit Deinen Schwächen akzeptiert. So kann sich in einer Freundschaft auf der Basis gegenseitiger Akzeptanz dann jene Nähe entwickeln, die Dir so gut tut.

Eine kontroverse Meinung

Vermutlich werden bei diesem Aspekt der Freundschaft viele Meinungen auseinandergehen. Wirkliche Freundschaft, jene, die unter die Haut geht, jene, die Deine Batterien auflädt, wenn es Dir einmal nicht so gut geht, diese Freundschaft gibt es nur mit dem gleichen Geschlecht. Das habe ich nicht nur in meinem eigenen Leben erfahren, sondern auch in der sexualpsychologischen Praxisarbeit gelernt.

Um diesen Punkt zu erläutern, muss ich tatsächlich bei Adam und Eva beginnen. Zumindest metaphorisch. Bei aller gebotenen Toleranz für eine schwule und lesbische Lebensweise wäre es um die Menschheit schlecht bestellt, wenn alle Menschen diese Lebensweise annehmen würden. Dann müssten wir uns tatsächlich etwas einfallen lassen. Im Sinne der Erhaltung der Art ist es notwendig, dass der Prozess der Partnerfindung so stattfindet, wie es seit Jahrtausenden dem Normal entspricht.

Mann trifft Frau … bum, schon ist für den nächsten Erdenbürger gesorgt. So einfach ist es natürlich niemals, bestimmt weißt Du allerdings, was ich damit sagen will. In unseren ältesten Gehirnregionen sind wir im Sinne der Arterhaltung „hart verdrahtet“ und subbewusst auf den Reproduktionsprozess gepolt. Neben vielen „gruppendynamischen Besonderheiten“, auf die ich im Artikel „Beziehung“ genauer eingehe, ist es eben genau diese unsere Eigenschaft, die eine rein platonisch freundschaftliche Beziehung zwischen Mann und Frau unmöglich macht. Es wird IMMER Sexualität im Spiel sein. Und das ist gut für die Erhaltung der Art.

Ich sage nicht, dass Du als Mann keine asexuellen und enge Freundschaften zu Frauen pflegen kannst. Ich sage, dass die psychologisch gesunde Freundschaft zwischen Mann und Mann stattfindet. Oder zwischen Frau und Frau. Die Frauen haben das seit Jahrhunderten kapiert und sind sich in ihren Freundschaften emotional viel näher. Bei Männern spielt der Gedanke der Rivalität und die (häufige) Unfähigkeit, sich emotional einem anderen Mann zu öffnen eine viel größere Rolle. Da denkt mancher bei einer herzlichen Umarmung schon an „schwul“ und bei emotionalen Vertraulichkeiten und Öffnung gleich an „Weichei“. Das habe ich selbst oft genug erlebt.

Das Kennzeichen echter Freundschaft

Es stimmt schon, echte, nahe Freundschaft zwischen Angehörigen des gleichen Geschlechts braucht Mut. Für Männer oft mehr, als für Frauen. Wo aber kämen wir hin, wenn eine richtige Freundschaft so einfach zu erlangen wäre. Solltest Du in einer relativ offenen und toleranten heterosexuellen Beziehung leben, kannst Du Dich einfach einmal mit einem wirklich guten, gleichgeschlechtlichen Freund treffen. Wenn der Abend mit guten Gesprächen intensiv verlaufen ist, wirst Du bemerken, dass sich das auch auf den Umgang mit Deinem andersgeschlechtlichen Beziehungspartner positiv auswirkt.

Wenn Du Experimente mit Nähe und Distanz veranstalten willst, geht es vielleicht einmal OHNE den Alkoho. Der macht ja für manchen „Mann“ erst die sentimentale Nähe möglich. Nach vier Bier liegt man sich gefahrlos in den Armen – am nächsten Tag ist alles vergessen. Leider. Die wenigsten Männer und Frauen haben ein Gefühl dafür, was ihrer Beziehung gut tut und was sie schwächt. Davon jedoch mehr im nächsten Newsletter, heute geht es um Freundschaft.

Die schrägen Freundschaften

Also damit Du mich jetzt nicht an die Wand stellst: Ich finde Du solltest Freunde und Freundinnen haben. Wenn Du als Mann allerdings mehr Frauen zu Freundinnen, als Männer zu Freunden hast, dann läuft irgend etwas ziemlich falsch. Auch wenn eine Frau den Anschein macht, Dich besser verstehen zu können, weil sie mit Ihren und Deinen Gefühlen besser umgehen kann: da fehlt ein kleiner aber wichtiger Unterschied zum wirklichen Verständnis.

Wenn eine Frau mit eher intimen Problemen Rat bei mir sucht, fühle ich mich immer etwas hilflos. Bei einem Mann kann ich von mir auf den Anderen schließen und handfesten Rat erteilen. Eine Frau werde ich nie ganz verstehen. Das macht für mich ja auch eine ganze Menge von dem Reiz an, der den Frauen anhaftet. Gleiches gilt übrigens auch für das andere Geschlecht. Frauen jedoch sind meist untereinander ganz anders vernetzt und haben ein anderes Verständnis von Freundschaft, als wir Männer. Deshalb habe ich diese Zeilen vermehrt für die (jungen) Männer geschrieben.

Regeln für eine ‚gute Freundschaft

Auch für eine Freundschaft gelten Regeln. Hier habe ich einige der Wichtigsten aufgeschrieben. Ich glaube, dass sie für das Funktionieren einer Freundschaft elementar sind:

  1. Freundschaft braucht Zeit. Aus einem Bekannten wird bei regelmäßiger „Pflege“ erst nach einem bis mehreren Jahren ein Freund.
  2. Einen Freund unterscheidet von einem Bekannten, dass ihr euch gegenseitig aufeinander verlassen könnt, und dass gegebene Versprechen eingehalten werden.
  3. Eine Freundschaft stellt keine gegenseitigen Ansprüche. Ihr nehmt euch so, wie ihr seid und Du kannst Dich genauso geben, wie Du bist.
  4. In Deinem Leben sollte sich die Anzahl der engen aktiven Freunde auf so viele beschränken, wie Du Finger an Deinen Händen hast. Um mehr kannst Du Dich nicht kümmern. Der Rest sind Bekannte. Schreib einfach, wenn du die Liste Deiner Bekannten tatsächlich, wie in der letzten Woche vorgeschlagen, aufgeschrieben hast, Deine Freunde obenan. Freu Dich, wenn Du fünf hast, die in das Kriterium „Freund“ passen.
  5. Mindestens zwei Drittel Deiner Freunde sollten das gleiche Geschlecht haben, wie Du selbst.
  6. Außerhalb Deiner Beziehung und Arbeit solltest Du die meiste freie Zeit, die Du für Freundschaft reserviert hast, mit Freunden gleichen Geschlechtes verbringen. Sorry Jungs, gilt gerade für euch.
  7. An einer Freundschaft müssen beide Partner arbeiten. Wie viel erzählst Du Deinem besten Freund? Beschränken sich eure Gespräche auf „…ich bin so toll!“ oder kannst Du Dein Herz öffnen, die Wahrheiten über Dich erzählen, Leichen aus dem Keller holen und Dich anvertrauen? Wie weit geht das „meinem Freund kann ich alles erzählen!“? Und wenn DU das kannst, kann Dein Freund das auch aushalten? Der Volksmund sagt: „In schwierigen Zeiten zeigt sich, ob die Freundschaft etwas taugt.“ Eine Freundschaft muss belastbar sein und auch schwierige Zeiten überdauern.

Du merkst schon, jeder hat gerne viele Freunde aber es ist mit einer richtigen Freundschaft gar nicht so einfach. Aber sehr lohnend, das kann ich ebenfalls aus eigener Erfahrung sagen. Bei Freundschaften, vielleicht hilft Dir dieser Vergleich, ist es wie bei einem Bankkonto: Nur wer einzahlt kann auch abheben. Selbstverständlich kann ich von einem guten Freund Hilfe erwarten. Aber keinesfalls immer und dauernd. Jeder Dienst hebt von Deinem „Sozialkonto“ einen „Betrag“ ab, den Du irgendwann wieder ausgleichen solltest. Sonst leidet die Freundschaft. Viele Menschen mögen nicht geben, aber gerne nehmen und sind Meister darin, eine noch nicht tragfähige Bekanntschaft dahingehend auszunutzen.

Vielleicht haben Dich meine Worte heute ein bisschen nachdenklich gemacht und vielleicht hast Du sogar herausgefunden, dass Du in dem Sinne, wie ich es meine, nicht einen einzigen richtigen Freund oder Freundin hast. Dann wird es Zeit. Vielleicht beginnst Du, jemandem Dein Herz zu öffnen und bist erstaunt, was an Mitgefühl zurück kommt. Vielleicht fragst Du Deine von Dir als Bekanntschaft eingestuften Beziehungen, ob sie Dich als Freund empfinden – und erlebst eine Überraschung.

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