Chunk Up – Chunk Down: Ebenen der Gesprächsführung

NLP für spannende Unterhaltungen

Wir leben in einer wunderbaren Zeit. Eigentlich. Ich beziehe mich in diesem Artikel auf die Segnungen der neuen Medien, die so oft beschworen werden. Und ich beziehe mich auf das Modell von NLP. Chunk up und Chunk down, das ist eine wichtige Technik in der Gesprächsführung.

In diesem Artikel stecken deshalb zwei Artikel. Einmal geht es um den Inhalt, um das Thema der Allgemeinbildung. Zum Anderen findest Du immer wieder im Text eingestreut zwei Klammern: (D) für Downchunk und (U) für Upchunk. So kannst Du zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. NLP lernen und Dich zum ‚Thema der Allgemeinbildung allgemein bilden.

Was ist Chunking?

Unter Chunking versteht man den Wechsel der Bedeutungsebenen:

  • Vom Allgemeinen zum speziellen nennt man Chunk-Down.
  • Vom Speziellen zum Allgemeinen Chunk-Up.

In üblichen NLP Workshops wird meist erklärt, dass es sich um eine Technik handelt, bei der man Bedeutungsebenen wechselt, damit man zu mehr Details oder zu einer übersichtlichen Zusammenfassung gelangt.

Chunk up/down ist und kann jedoch viel mehr. Es wird mit grossem Erfolg seit Jahrhunderten in der Literatur verwendet. Deshalb habe ich mir heute erlaubt, einen Artikel über das Thema der „Allgemeinbildung“ zu verfassen und die Technik des Chunk up/down als Stilmittel zu verwenden. Damit es einfacher für Dich wird, den Ebenenwechsel zu erkennen, habe ich in Klammern bei jedem Sprung ein (U) oder (D) für „up“ oder „down“ beigefügt. Damit kannst Du durch das Lesen des Artikels Deine Allgemeinbildung um eine weitere Ebene bereichern.

Truman has a Rich experience
Weltsicht und Bewusstsein

Eine öffentliche Antwort auf eine "Herausforderung" von Richard Bandler. Gegeben in gleicher Form wie er ("conversational" als NLP Fachterminologie) anlässlich eines Workshops. Der TrueMan hat eine RICHard Bandler Erfahrung. Lerne damit nebenher, wie Nested Loops angewendet werden, finde die versteckte Fast Phobia Cure, erfreue Dich an Sprachwitz und Zweideutigkeit und entdecke die Installation verschiedener Bewusstseinszustände.

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Eine Geschichte mit Ups- und Downs

Vor einiger Zeit schrieb ich an dieser Stelle, ich hätte mir Goethes Dichtung und Wahrheit wieder einmal vorgenommen (D). Ich höre Dich nun entweder aufstöhnen, oder mit gerunzelter Stirne fragen: „Hä…?“ Ich spreche über ein Buch von einem deutschen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, Johann Wolfgang von Goethe. Ja, eines seiner Bücher habe ich gelesen, ganz und ganz freiwillig (U).

Und ich habe über die Inhalte des Buches mit einigen meiner Freunde gesprochen (D). Beiläufig und im kleinen Kreis während eines abendlichen Gespräches über Gott und die Welt. Die vorherrschende Meinung war: „Goethe, dazu kriegen mich keine zehn Pferde (U). Goethe musste ich in der Schule lesen, für meine Allgemeinbildung!“ Und schon sind wir beim Thema: Deiner Allgemeinbildung (U).

Ich habe im Internet nachgeforscht und herausgefunden, dass in Deutschlands Schulen der Begriff der Allgemeinbildung nach dem „humanistischen Ideal“ aufgefasst wird (U). Wilhelm von Humboldt war Leiter der Sektion für Kultus und Unterricht des preussischen Innenministeriums (D). Er wollte die geistigen Kräfte des Volkes durch einen bewussten Rückgriff auf die humanistischen Ideale der Antike „im Volke“ stärken und neu ausrichten (D). Seine Merksätze werden bis heute zitiert, wenn ein Maßstab für „gute Volksbildung“ gesucht wird.

Sein Ideal war die „höchste Ausbildung aller menschlichen Kräfte zu einem höheren Ganzen“. Sein Ziel war ein allseitig gebildeter Mensch, der mathematisch, musisch, und vielleicht auch sportlich glänzte, und überdies vom lateinisch-griechischen Wissensbestand der Antike zehrte (D). Ein hehres Ziel, ganz speziell, wenn Du es als Anspruch in unsere heutige Zeit transportierst (D). Humboldts Forderungen fussten auf einer soliden geschichtlichen Entwicklung (U).

Von Christian Fürchtegott Gellert, bei dem Goethe studierte (D) und auf den ich durch die Lektüre von „Dichtung und Wahrheit“ aufmerksam wurde, wird gleich noch zu sprechen sein. Beginnen wir jedoch (wieder einmal) mit Martin Luther (U). Er betonte, dass die Menschen ausschließlich durch die Gnade Gottes „formieret“ oder „gebildet werden“. Er wollte die passive Hingabe des Menschen an sein Schicksal (U).

Lass Dir das einmal auf der Zunge zergehen: Folge dem, der befiehlt! Ein Volk von willigen Sklaven, geführt von einer Elite (U). Denn es sind ja die (mächtigen) Menschen, die den Willen Gottes auf Erden formulieren und interpretieren. Diese Ansicht herrschte von der nachrömisch/ottonischen Zeit, bis ins Zeitalter der Reformation (U). Dann kam das Zeitalter der Aufklärung und die Ansichten der Gesellschaft änderten sich grundlegend (U). Man empfand, dass Bildung wesentlich und in erster Linie Selbstbildung sein solle (U).

Plötzlich wurde dem „gemeinen“ Menschen aus dem Volke die Fähigkeit und Verantwortung zugesprochen, für die Ausgestaltung, Formung und Bildung seines Verstandes, seiner moralischen Verhaltensweisen und seines intellektuellen Erkenntnisvermögens Sorge zu tragen (D). Und im weiteren Schluss – auch dafür verantwortlich zu sein.

Damit zielte die Bedeutung des Begriffs der Bildung darauf ab, dass der mündige und verantwortungsbewusste Mensch sich selbst zu einem nützlichen Glied der Gesellschaft erziehen, formen und ausbilden sollte (U). Wie das am ehesten geschehen könnte und welche Kenntnisse und Eigenschaften einen aufgeklärten Menschen in der Hauptsache zierten, das beschrieb für Deutschland im Zeitalter der Aufklärung der Leipziger Schriftsteller und Professor für Moral Christian Fürchtegott Gellert (1715 – 1769) (U).

Gute Bildung bestand nach seiner Meinung in einer möglichst umfassenden Welt- und Menschenkenntnis sowie im Beherrschen jener Umgangs- und Verhaltensformen, die es dem mündigen Bürger ermöglichen sollten, in der Welt „sich und Andern zum Glücke zu leben“ (D). Dem von Gellert geprägten Bildungsbegriff lag keine elitäre, sondern eine auf Chancengleichheit ausgelegte Vorstellung von Erziehung und Bildung zugrunde (U).

„Bilden“ sollten sich auch diejenigen können, die bislang kaum oder gar nicht in den Genuss guter Erziehung gekommen waren, zum Beispiel Mädchen, Frauen. Auch die Kinder der ärmsten Bauern sollten dazu gehören (D). Jeder sollte in die Lage versetzt werden, selbst in der Verkehrssprache seines Landes zu lesen (D). Jeder sollte lernen können, sich mündlich und schriftlich klar, logisch und verständlich zu artikulieren (U). Ziel war es, dass jeder Bürger seine „Lebenswirklichkeit“ realistisch beschreiben und das für sich gewonnene Verständnis der Welt im Austausch mit anderen gebildeten Menschen überprüfen und erweitern kann (D).

Gellert trachtete danach, dass der Staat ein Angebot schaffe, das all dies für jeden seiner Bürger zu ermöglichen (U). Er baute darauf, dass der Wille der einzelnen Stände zur Bildung so stark wäre, diese, seine Bildungsideale auch erreichen zu wollen (U). Er hat viele seiner Ziele erreicht und viele seiner damals revolutionären Ideen wurden tatsächlich umgesetzt (D).

Er war in seinem „allgemeinen Bildungsanspruch“ übrigens sehr viel bescheidener als Humboldt. Der forderte im typisch klassizistischen Sinne die „Ausbildung zu einem höheren Ganzen“. Er setzte allerdings ebenfalls den Willen einer breiten Allgemeinheit dazu voraus.

Was bedeuten diese geschichtlichen Entwicklungen für unsere Zeit (U)? Ich formuliere einmal die Grundsatzerkenntnisse (D):

Allgemeinbildung bezieht sich auf ein herrschendes Angebot. Es ist dem Einzelnen überlassen, welche Stufe er erreichen will (Angebotscharakter).

Allgemeinbildung führt zu  Chancengleichheit, nicht zu elitärer Abgrenzung.

Allgemeinbildung soll die Fähigkeit entwickeln, die eigene „Lebenswirklichkeit“ realistisch beschreiben zu können und das so für sich gewonnene Verständnis der Welt im Austausch mit anderen gebildeten Menschen beständig überprüfen und erweitern.

Es ist – auch im 21. Jahrhundert – als Fortschritt zu werten, dass der Staat die Verantwortung für die Ausbildung einer grundlegenden Allgemeinbildung übernommen hat (U). Im besten Sinne gilt auch heute immer noch das Humboldtsche humanistische Bildungsideal. Und dann (U)?

Schau Dich einmal um. Wir sind gerade dabei, die persönliche Handschrift als Ausdruck charakterlicher Eigenschaften abzuschaffen (D). Die Allgemeinbildung in den Grundschulen beschränkt sich auf die Verwaltung und Beschränkung allgemein um sich greifender Aggressivität (D). Klassiche Bildung wird durch Fernsehbildung und durch Konsum bis zum Abwinken ersetzt (D). Pornographie aus dem Netz ist schon für junge Menschen vor der Pubertät einfach zu haben (D). Die „sozialen Medien ersetzen längst auf vielen Gebieten den persönlichen Umgang und das Gespräch mit Anderen (D). Ist es das, was in unserer Zeit übrig geblieben ist, vom Ideal des: „beständig zu überprüfen und zu erweitern“ (D)?

Frage Dich einmal: Wann hast Du zum letzten Mal ein richtig gutes Gespräch mit Freunden geführt (D)? Wann hast Du damit Dein „gewonnenes Verständnis der Welt“ überprüft (D)? Damit meine ich nicht diesen geistlosen Abgleich von „welcher Film gefällt Dir…?“ oder „… kennst Du schon das neue Video aus youtube…?“ wie ich es so oft höre (D). Ich meine ein „richtiges“ Gespräch. Eines, das Themen von unterschiedlichen Seiten beleuchtet, das Dich dazu zwingt, Position zu beziehen und eine Meinung zu artikulieren (D). Ich freue mich, zu hören, dass es in Deutschland wieder eine wachsende Zahl an Vorlese- und Diskussionszirkeln gibt (D). Eine Entwicklung, die in Zeiten der sozialen Median schnell und einfach zu realisiseren ist (D).

Neulich wurde ich zu einem Abendsalon (das Wort stand auf der Einladung) eingeladen. Ein junger Mann trug in einer privaten Wohnung für eine kleine Gruppe die Nocturnes von Frederic Chopin vor (D). Die Veranstaltung gefiel mir sehr gut (U). Die Noten zur Nachbereitung waren schnell im Internet gefunden, ebenso verschiedene, frei erhältliche Interpretationen und Artikel und Aufsätze dazu (D). So konnte ich spielerisch in eine Welt eintauchen. So bekam ich Wissen über eine Welt, die mir zuvor fremd war. Was für ein Angebot (U)!

Und solche Angebote gibt es, wie oben bemerkt, auf vielen verschiedenen Ebenen (U). Für keines der Werke J.W. Goethes musst Du heute auch nur einen Cent bezahlen (D). Gibt es im Netz, kostenlos und legal (U). Ebenso wie fast alle wichtigen Bücher der deutschen Literaturgeschichte (U). Meine Zitate von Johann Fürchtegott Gellert und Humboldt? Google books machte es möglich, die Erstausgaben und Originale einzusehen, ohne den Schreibtisch auch nur einmal zu verlassen (D).

Artikel für Interpretation, Sprache, Grammatik, jede Art von Wissenshintergrund gibt es im Netz ganzh einfach zu finden (U). Selbst ein Museumsbesuch muss heute nicht mehr mit Reisen verbunden sein (U). Suche bei google maps beispielsweise einmal nach „Pergamonmuseum“ und schalte  die „street view“ ein. Dann kannst Du Dir Dir die Gigantomachia, den Fries des Pergamonaltars, in einer Auflösung ansehen die die Marmorkristalle sichtbar macht (D). Im Original darfst Du nicht so nah rangehen. Gleiches gilt für die Sixtinische Kapelle im Vatikan in Rom und für die meisten der grossen Museen der Welt und für so Vieles mehr, was Dich interessieren könnte (D).

Mehr denn jemals in der Geschichte der Menschheit bist Du nun selbst Deines Glückes Schmied (U). Ja, ich weiß, da kommt das Thema: „Selbstdisziplin“ wieder zum tragen (D). Es ist Deine Entscheidung.  Mach es Dir doch viel einfacher.  Schalte den Fernseher ein und lass Dich mit erfundenen Problemen anderer Menschen berieseln (D).

Chunk up und Chunk down – Ebenen in der Literatur

Zum Schluss des Artikels nun der „Meta Upchunk“: Die Erklärung von (U) und (D), von „Chunk up – Chunk down“. Für die Technik des Chunking habe ich noch einen besonderen Literaturtip. Umberto Eco beschreibt in seinem Buch: „Die Bücher und das Paradies“ im letzten Kapitel („Wie ich schreibe“) die Strategie, seine Bücher zu schreiben. Er folgt einer Gliederung des chunk down, kommt vom größten und weitesten Bild und geht immer mehr in die Details. Wenn ich seine Beschreibung lese, das ist der Nebeneffekt seiner Ausführung, dann erscheint mir das Schreiben eines Buches logisch und einfach. So schreibt eben der Meister.

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5 Kommentare

  • „Die Kunst einen Gedanken in der geistigen Schwebe zu halten,
    ihn erst zu prüfen, mit ihm zu spielen
    – herauszufinden was er bedeutet, welche Aussagekraft er hat
    und ihn eventuell wieder zu verwerfen
    oder ihn als Gewinn zu betrachten,
    diese Gabe ist vielen nicht gegeben! Wahrheit“*Lächelnd
    bf.©2018

    Vielen Dank – für Ihre wundervollen Inspirationen – Chris,
    ich persönliche führe auch gerne mal – innere leise Gespräche
    und Diskussionsrunden. ;-)
    Hält den Geist auch schön beweglich, so wie ihre Tipps.

    Antworten
  • „Folge dem, der befiehlt! Ein Volk von willigen Sklaven, geführt von einer Elite“
    Na da sind wir ja in einer schönen Zeit angekommen …. Nur die Kanzel hat (fast) jeder in der Hand und die Botschaft kommt nicht aus dem Buch der Bücher …. Ja um die Eigenverantwortung steht’s nicht gar so gut. Da wird denken gefordert und Standpunkte beziehen… Wer will das schon – die Elite nicht. Es sei denn wir machen uns selbst auf – auf den Weg der Erkenntnis – das ein Jeder seines Glückes eigener Schmied ist. Und ja die neuen Möglichkeiten sind großartig – aber da fängt es wieder von vorne an – DENKEN – und gerne mit den NLP Werkzeugen.

    Danke für schon viele tolle Inspirationen und liebe Grüße aus Marsa Alam und ja hier kann man herrlich Urlaub machen … und DENKEN.

    Antworten

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