Dein Weg Durch die Angst

Überwindungsstrategie in 5 Schritten

Wenn es einen großen Klotz am Bein im Leben eines jeden Menschen gibt, dann ist es die Angst. Ich meine das als eine Form der Programmierung, die Dich daran hindert, das, was Du auf logischer und bewusster Ebene entschieden hast, auch konsequent durchzuführen. Dein altes Gehirn, das limbische System, ist darauf programmiert, Dir die tägliche Arbeit auf vielfache Weise einfacher zu machen. Indem es jedoch davon ausgeht, daß Neues Kacke ist, und Neues mit Angst belegt, lässt es Dich mit größerer Wahrscheinlichkeit überleben.

So kommt es, dass Du tief in Deinem Unbewussten programmiert bist, lieber das immer Gleiche zu tun, und Neues abzulehnen. Ganz anders verhält es sich mit dem bewussten, logischen Denken und mit Deinem freien Willen. Du kannst Dich streng logisch entscheiden, Neues tun zu wollen. Kannst es für gut erachten. Und trotzdem gibt es unbewusste Kräfte in Dir, die gegen diese Entscheidung arbeiten.

Bewusstsein versus Unbewusstes

Es ist allerdings auch ein Glück für Dich, dass Du so bewusst und logisch denken kannst, dass Du Dir Strategien entwerfen kannst, einfach blind und gegen die unbewusste Angst zu handeln. Du kannst Dir beispielsweise neues Verhalten so gestalten, dass es sich gut anfühlt und Dir sogar Spaß macht. Die Ankertechnik im Modell von NLP ist eine Möglichkeit von vielen. Besser allerdings wäre es, diese undefinierte, unbewusste Angst vor Neuem auf einer anderen Ebene aufzulösen.

Wenn es nämlich um den Mut des Alltags geht, lautet die Antwort der meisten Menschen immer noch: lieber nicht! Was könnte und wird in Deiner Vorstellung nicht alles passieren? Die Unsicherheit des Gelingens und die vielen Möglichkeiten des Versagens können deshalb sehr störende Hindernisse auf dem breit verlaufenden Weg des Lebens sein. Die meisten Menschen sind lieber unglücklich, als unsicher.

Vielleicht hast Du Dir in der Vergangenheit auch schon ganz energisch Ziele gesetzt, hast Projekte gestartet nur um erkennen zu müssen, dass Angst und Unsicherheit schlechte Lebensgefährten sind. Es geht in diesem Artikel um Strategien, diese verborgene Angst, die sich durchaus logisch manifestiert, ans Tageslicht zu zerren, damit zu arbeiten und entscheidungs- und handlungsfähig zu werden.

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Es gibt eine Lösung

Eine mögliche Lösungsstrategie präsentierte sich mir vor über 40 Jahren, gleich nach meinem Studium. Mein erster Job. Verantwortungsvoll, gut bezahlt, der Anfang eines sicheren Karriere, der erfüllte Traum all meiner Freunde, Verwandten und natürlich meiner Eltern. Nur ich selbst war unglücklich und depressiv.Fühlte mich in einem 12-15 Stunden täglich rotierenden Hamsterrad. Zu viel Zeit, die mir verloren ging. Zu wenig Zeit, das zu tun, was ich eigentlich wollte: Die Welt sehen, Abenteuer erleben, Menschen beeinflussen. Leben eben, wie ich es mir erträumte.

Ich träumte von einer radikalen Lösung ohne den Mut aufzubringen, meine Träume auch in die Tat umzusetzen. Eines Tages, es war in Fiebertraum einer herbstlichen Erkältung, hatte ich eine hilfreiche Eingebung: Warum schreibe ich nicht einfach auf, was mir im schlimmsten Fall passieren würde? Festlegen und aussprechen, was sonst jeden Tag als diffuses, graues und störendes Hintergrundgeräusch meine Aktionen im Leben verhinderte. Aufschreiben, das fiel mir leicht:

Ich würde kündigen und in ein fremdes Land reisen. Weit weg von allem, reisen in ein Land, dessen Sprache ich nicht sprechen würde. Statt der erlebten und antizipierten Abenteuer würden böse Menschen sich meiner Habseligkeiten bemächtigen. Und ich würde krank werden. Meine Reise wäre zu Ende, bevor sie in richtig begonnen hätte. Wieder zu Hause wären mir alle Chancen verbaut. Jeder würde mich verachten und ich würde keinen adäquaten Job finden. Ich müsste den Rest meines Lebens in anspruchsloser Tätigkeit dahinsiechen, bis ans Ende meiner Tage.

Schon während ich diese Gedanken notierte, aktivierte sich der Gegenbeispielsortierer ( NLP Meta Programm ) in mir und generierte eine Menge an alternativen Handlungen und Strategien um meine schlimmsten Vorstellungen zu vermeiden. So fiel mir ein:

Es gibt da einen Onkel in Südamerika, der kann mir vielleicht helfen, in einem für mich fremden Land die ersten Schritte zu tun. Und mit der richtigen Strategie sollte es in weniger als sechs Wochen gut möglich sein, die Sprache so zu sprechen, dass ich reisen kann. So ging es weiter. Allerdings passierte auch eine Menge mit meinen Gefühlen. Plötzlich fiel mir eine Last von den Schultern und meine vorherige, diffuse Angst wich einem sehr aktiven Tatendrang.

Der Rest ist Geschichte und Teil meines weiteren Lebenslaufes. Natürlich kündigte ich und reiste für ein Jahr nach Südamerika. Dort erlebte ich eine Menge an wundervollen Abenteuern, spreche die spanische Sprache leidlich gut und bekam während meiner Reise Klarheit darüber, welche Richtung mein Leben nehmen sollte.

Eine Strategie gegen die unbestimmte Angst

Nicht alles, von dem was ich mir erträumte, ist später auch Wirklichkeit geworden. Doch eines habe ich gelernt und mir angewöhnt: Wenn eine schwierige Entscheidung ansteht und ich dazu neige, sie aufzuschieben, wenn ich eine diffuse Abneigung habe, trotz logischer Entscheidung aktiv zu werden, weiß ich, dass es in mir etwas gibt, das meine Aktionen erschwert: die unsichtbare Angst. Dafür habe ich eine Strategie gewonnen, die mich in nur fünf bewusst ausgeführten Schritten durch diese unbestimmte Angst führt:

1. Definiere den schlimmsten Fall…

…von dem, was Du glaubst, das passieren wird. Schritt für Schritt. Schreib es auf. Nacheinander. Meistens nämlich gestaltest Du Deine Worst Case Szenarien sehr detailliert. Bewerte jeden einzelnen Punkt, den Du Dir notierst mit einem „Worst Case Grading“ von 1-10. Eins: es ist einfach, eine Konterstrategie zu finden
Zehn: Es ist ein dauerhafter katastrophaler Schaden für Dein Leben.

Denke nach: wie wahrscheinlich ist, daß, was du dir vorstellst, wirklich eintritt? Bewerte jeden der aufgeschriebenen Punkte mit einem Wert auf einer Skala. Eins: Wahrscheinlich wird der Fall nicht eintreten.  Zehn: tritt mit absoluter Sicherheit ein. Wenn Du für Dein Leben profitieren willst, kannst Du Dir nach einiger Zeit diese Notizen wieder vornehmen und (wahrscheinlich) herausfinden, daß Du Dir viel zu viele Gedanken über den schlimmsten Fall gemacht hast.

2. Finde planbare Gegenmaßnahmen

Für jeden Deiner notierten Schritte kannst (und wirst) Du mehrere Gegenmaßnahmen finden. Das sind Optionen, aus denen Du die Beste wählen kannst. Erfolgreiche Menschen finden automatisch mehrere Optionen für einen Plan B, C, D usw. Wenn Du wirklich gut planen willst, denkst Du vorher über die Optionen nach und gliederst nach Priorität.

Dann weisst Du gleich, in welcher Reihenfolge Du Deine Strategien abarbeiten willst, wenn ein „schlimmster Fall“ eintritt. Doch glaube mir, meistens kommt es garnicht so weit, dass Du einen Plan B brauchen wirst. Siehst Du, so schnell hast Du Deinen Fokus geändert. Von „Oh Gott, das überlebe ich nicht!“ zu „Oh, ich kann mein Missgeschick ja planen und verhindern!“ Doch nun geht es weiter.

3. Die Vorteile des plausiblen Szenarios

Du planst ja eigentlich für einen „besten Fall“, der eintreten soll. Nur spiegelt Dir Dein Unbewusstes vor, er würde nicht oder selten eintreten. Was tust Du, wenn passiert, was meistens passiert, dass nämlich alles gut geht? Du solltest für den besten Fall ebenso viel Energie investieren, wie für den schlimmsten. Es lohnt sich, eine genauso lange Liste im Kopf (noch besser: auf dem Papier) zu haben, die alle Vorteile aufführt.

Was sind also die wahrscheinlichen und positiven Ergebnisse Deiner Planungen? Denke dabei auch an weniger offensichtliche Ergebnisse wie „Selbstbewusstsein“, Sicherheit, Mut, Erfahrung usw.).  Fällt Dir auf, dass es viel mehr Spass und bessere Gefühle macht, sich mit positiven Ergebnissen zu befassen? Ja? Dann hast Du etwas Entscheidendes für Dein Leben gelernt.

Wenn Du meiner Strategie bis hierher gefolgt bist, dann hast Du nun eine Liste der „schlimmsten Ereignisse“, eine Liste der Gegenmaßnahmen und eine Liste der besten Ereignisse. Du erkennst vielleicht, worauf diese Strategie hinausläuft. Statt wie ein hypnotisiertes Kaninchen den Kopf in den Sand zu stecken, begibst Du Dich in Deine „Schreckenskammer“ und räumst darin ordentlich auf. Pass nur auf, das kann zu Gewohnheit werden und ist eine Strategie erfolgreicher Menschen. Doch wir sind noch nicht am Ende.

4. Der finanzielle Aspekt ist wichtig

Meistens geht es für uns ja ums liebe Geld. Was, wenn Du kündigst und keinen Job mehr bekommst? Was, wenn X passiert und Du ins finanzielle Disaster rutscht. Es lohnt sich sehr, über die finanziellen Aspekte Deiner Worst UND Best Case Szenarien nachzudenken. Also: zwei Listen hast Du schon. Zuerst nimmst Du Dir die schlechten Szenarien vor. Welche finanziellen Auswirkungen wird es haben, wenn die einzelnen Szenarien eintreten. Denke kurz- und langfristig. Finde Strategien, den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten.

Dann nimm Dir die zweite Liste der positiven Ergebnisse vor. Ebenfalls jeden einzelnen Punkt. Was wirst Du finanziell gewinnen, wenn Deine Planungen eintreten? Dann kannst Du noch besser entscheiden, ob es für Dich das Risiko wert ist, Aktion zu ergreifen – oder eben nichts zu tun.

5. Ist die Zeit reif für Dich?

Wenn Du all Deine Hausaufgaben gemacht hast, wenn Du die Listen erstellt und bewertet hast, wirst Du einen sehr guten Überblick über Dein Projekt bekommen haben. Du kennst die finanziellen Auswirkungen und weisst wahrscheinlich, dass ein Erfolg für Dich wahrscheinlicher ist, als ein Misserfolg. Dann kannst Du Dir die entscheidende Frage stellen:

Worauf wartest Du eigentlich?

Bist Du genau wie alle Anderen, die nur Ausreden finden, keine Aktion ergreifen zu müssen? Oder willst Du zu denen gehören, die es zu etwas bringen, im Leben? Im Ernst, schreibe eine Liste mit Argumenten, die Du finden kannst, nicht sofort mit Deinem Projekt zu beginnen.

Und schreibe auch das auf: Was kostet es Dich, zu warten. Ich meine finanziell, psychisch und physisch. Praktiziere etwas angewandtes NLP. Nutze die Time Line Deiner Zukunft. Stell Dir vor, Du liegst auf dem Sterbebett und reflektierst über Dein Leben. Assoziiert. Lasse den Film Deines Lebens ablaufen und reflektiere über die guten Gelegenheiten, die Du verpasst hast, in denen Du nicht gehandelt hast. Nutzt Du dann Worte wie „hätte“ oder „sollte“?

Wenn Du es weniger dramatisch haben willst, projiziere Dich 10 Jahre in die Zukunft. Wie fühlt es sich an, Bedauern zu fühlen, die Gelegenheit nicht beim Schopfe gepackt zu haben? Wie fühlt es sich an, ärgerlich über Dich zu sein, die guten Gelegenheiten nicht genutzt zu haben? Vielleicht noch ein zusätzliches Argument, wenn Du über Dein Risiko zum Eintritt des „schlimmsten Falles“ nachdenkst: Deine Inaktivität ist das größte Risiko, das Du eingehen kannst.

Das ist es, was ich vor über vierzig Jahren mit ultimativer Klarheit realisierte. Ich schrieb also meine innere und äussere Kündigung und machte mich auf den Weg. Ich wollte kein Leben wie alle anderen, die nur auf die „gute Gelegenheit“ warten und mit dem Warten ihr Leben vergeuden.

Und auch  da bin ich ganz ehrlich: Ich weiss nicht, wie oft ich mir vor Angst in die Hosen gemacht habe und wie oft ich mir ganz sicher war, dass trotz positiver Erwartung der allerschlimmste Fall eintreten würde. Und weisst Du was: bisher habe ich noch jeden Tag meines Lebens überlebt. Und die Sonne ist an jedem Morgen erneut aufgegangen. Ich tendiere sogar dazu, zu glauben, dass die schlimmen Fälle, die ich mir ausmale, meistens nur in meinem Kopf passieren.

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3 Kommentare

  • „Worst Case Grading“ von 1-10. Eins: es ist einfach, eine Konterstrategie zu finden
    Zehn: Es ist ein dauerhafter katastrophaler Schaden für Dein Leben.

    Ausgzeichnete Beispiel Parameter Beschreibung und toller Artikel.

    Antworten
  • Erst mal vorweg: Ich habe aufgrund einer Deiner Nachrichten vor wenigen Wochen einen entspannteren Blick auf viele meiner Fragen bekommen.

    Und gerade heute habe ich eine Entscheidung getroffen, die mir trotzdem Angst macht – wohl von der „obersten Chunkebene“ aus.
    Deine Tipps kommen heute genau richtig. Jetzt freue ich mich – trotz meiner Angst – auf meinen neuen Weg :-))

    Danke!! :-*

    Antworten
  • Guter Artikel. Ich habe mit fast 50 erst vor ein paar Monaten erkannt, dass es diverse unbewusste Ängste sind, die mein bisheriges Leben zwar nach außen erfolgreich aussehen ließen und dennoch meinen Lebensfluss vollkommen blockierten. In diesem Zusammenhang lernte ich als Familientherapeut, dass blockierte Familiensysteme und Paarprobleme häufig aus Ängsten heraus entstehen und ich bin überzeugt, dass viel weniger Paare sich trennen müssten, wenn den beteiligten bewusst wäre, dass es eigene Ängste sind, die verhindern, dass eine Liebesbeziehung zu wahrer Intimität sich wandeln könnte. Doch das hieße die Angst davor zu überwinden, vom Partner wirklich erkannt zu werden und nicht mehr alte emotionale Abhängigkeiten zu leben. Von daher, guter Artikel!!! Und ich freue mich auf den bei dir gebuchten Workshop. Ich bin überzeugt, noch einges zu lernen.

    Antworten

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