Submodalitäten – Der gustatorische Sinneskanal

Sachverstand für Deinen guten Geschmack

Die Entwickler des Modells von NLP haben der besseren Verständlichkeit  und Anwendbarkeit wegen Vereinfachungen vorgenommen. So lange diese Vereinfachungen den Erfolg des Modells nicht beeinträchtigen, ist für mich alles in Ordnung. Leider sind deshalb auch einige wirklich sinnvolle Differenzierungen „hinten unter“ gefallen. Ganz besonders stören mich diese „Vereinfachungen“ bei den Sinneswahrnehmungen. Ich esse für mein Leben gerne. Buchstäblich. Da lohnt es sich doch, etwas genauer nachzuschmecken.

Zunge Submodalitäten Gustatorik

Das Abbild einer wahrgenommenen Realität entsteht in Deinem Gehirn durch die Wahrnehmung mit Deinen einzelnen Sinneskanälen. Die Wissenschaftler unterscheiden fünf davon: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Und in der vereinfachten Version soll die visuelle, auditorische und kinästhetische Sinneswahrnehmung genug sein, für ein Abbild der Welt?  Beim ersten Lernen des Modells, in der therapeutischen Anwendung und in vielen nützlichen Formaten hat sich diese Vereinfachung bewährt. NLP funktioniert ja trotz dieser Reduktion.

Lustvolle Schule des Geschmacks

Wenn ich an einem Tisch sitze und ein leckeres Gericht oder vielleicht sogar mehrere Gänge in einem wirklich guten Restaurant esse, frage ich mich oft, ob ich denn mit der Reduktion auf die drei oben genannten Sinneskanäle eine lustvolle und adäquate Wahrnehmung meines Essens hinbekäme. Stell Dir vor, Du würdest einem Gegenüber Deine Wahrnehmung ausschliesslich mit visuellen, auditorischen und kinästhetischen Wahrnehmungen erklären. Noch schwieriger gestaltet sich die nächste Übung. Versuche nur einmal, im Nachhinein eine repräsentative Erinnerung hinzubekommen. Ich habe es testweise versucht – und scheitere damit kläglich.

Lies einfach einmal eine Restaurantkritik in einer Zeitung und markiere alle die geschmacksbeschreibenden Worte. Im nächsten Schritt ersetzt Du diese Worte mit visuellen oder auditorischen Prädikaten und schon führst Du Deine Leser in einen verständnistechnischen Irrgarten. Fooddesigner und Nahrungsmittelingenieure beschäftigen sich seit langem sehr ausführlich mit Deinem gustatorischen Sinneskanal. Ergebnisse davon kannst Du sehr einfach wahrnehmen, wenn Du Deinen Kühlschrank oder den Vorratsschrank in Deiner Küche öffnest. Außer den wirklich frischen Waren wie Obst und Gemüse wurde wahrscheinlich vieles von dem, was Du täglich isst, einer modifizierenden Behandlung unterzogen. Oft nicht zum Besten für Geschmack und Gesundheit.

Ich möchte hier aber nicht auf Fluch oder Segen des prozessierten Bequemlichkeitsessens eingehen. Ich möchte Dir, ganz im Sinne des NLP, eine kleine Liste an sinnvollen Submodalitäten für Deinen Sinneskanal „Geschmack“ zur Verfügung stellen. Dabei wirst Du wahrscheinlich einige Überraschungen erleben und eine Menge lernen. Die Forschung ist in den letzten Jahren ziemlich vorangeschritten und das, was Du vielleicht in der Schule gelernt hast, ist längst überholt. Beginnen wir also mit Deinem Schulwissen.

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Schmecken – wieder die Schulbank drücken

Jede gustatorische Wahrnehmung, also jede Geschmackswahrnehmung, so wird gelehrt, setzt sich aus vier grundlegenden Sinneswahrnehmungen zusammen: süß, sauer, salzig und bitter. Für jedes dieser Attribute gibt es Bereiche auf der Zunge, so sagt man, die dafür zuständig sind. Stimmt ungefähr, aber nicht ganz. Zu den vier Basisgeschmäckern kommen nämlich noch ein fünfter und ein sechster hinzu: die Wahrnehmung für „lecker (umami)“ und für „fett“ (hat noch keinen Namen). Darüber hinaus übernehmen verschiedenste Bereiche im Mund (und vor allem in der Nase) gemeinsam Aufgaben, um Deine jeweilige Geschmackswahrnehmung zu gestalten. Das Thema „lecker (umami)“ als Sinneswahrnehmung finde ich so interessant, dass ich Erfahrungen damit in die Agenda des TrainerTrack aufgenommen habe. Zum Thema „fett“ brauche ich vermutlich nicht viel zu sagen.

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Übung: Versuche einmal, den Geschmack süß möglichst genau wahrzunehmen. Süss, das scheint doch einfach zu sein. Ein Löffel Zucker, das ist doch süß, oder? Nun, welcher Zucker darf es denn sein? Südzucker, Nordzucker, Rübenzucker, Agavendicksaft, Birnendicksaft, Honig, Stevia, Aspartam, Xylit, Moskovado dunkel oder hell, indischer Gur, oder lieber der burmesische Gur? Die sind ALLE süß. Nur, wie beschreibst Du die Differenzierungen des SÜSS?

Vielleicht machst Du Dich auf den Weg und suchst nach einigen der oben genannten Zuckerli. In einem großen Supermarkt, der Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses und in einem Biomarkt wirst Du schnell die meisten dieser Zuckerarten finden. Dann teste – ganz professionell mit einem Blatt Papier für „Geschmacksnotizen“ – Deine Wahrnehmung. Was ist für Dich die reine Referenz für „süß“, was ist das für Dich: typisch süß? Wenn Du willst, vergleiche Deine Wahrnehmung (und Klassifizierung) mit der eines Freundes oder Partners. Das kann viel Spass machen, oder zu Streit führen, je nachdem wer Recht haben oder bekommen will.

Die Geschmacksnerven spreizen

Ein sehr positiver Nebeneffekt dieser kleinen Übung wird Deine sehr viel differenzierte Geschmackswahrnehmung sein. Stell Dir nur einmal vor, wie genau ein Weintester sein Geschmackssensorium kennen und nutzen muss. Nicht nur im Bereich des Süssen. Und sag bloß nicht, für den Geschmackssinn gäbe es keine Erinnerung. Dann wüsstest Du nämlich auch nicht, dass es bei Mutti am Besten SCHMECKT!

Und wenn Du abends im Bett liegst, erinnere Dich einfach einmal an Deine kleine Übung vom Tage. Erinnere Dich an den Geschmack von süß in seinen unterschiedlichen Varianten. Du wirst bemerken, dass Du mit etwas Übung tatsächlich die Erinnerung für „süß“ schmecken kannst. Du kannst sie sogar assoziiert oder dissoziiert wahrnehmen. Entweder Du erinnerst den Geschmack an bestimmten Orten im Mund – oder im Raum um Dich herum. Klingt zuerst paradox, funktioniert mit etwas Übung aber überraschend gut. Das ist ja oft so, im Modell von NLP.

Ich habe Weintester befragt und modelliert und gar nicht so wenige von ihnen bilden ihre Geschmacksprofile tatsächlich raumorientert ab. So und jetzt sind wir wieder einmal beim Hardcore NLP gelandet. Du hast der Ebene der „reinen Lehre“ von vis(uel), aud(itiv) und kin(ästhetisch), die Du in allen Lehrbüchern findest eine weitere hinzugefügt: gus(tatorisch).

Ein weiterer Aspekt der kleinen Übung kann auch Deine persönliche Präferenz betreffen. Ich selbst habe zum Beispiel konstitutionsbedingt einen relativ schwachen Lebermeridian. Instinktiv schmecken mir deshalb bittere Speisen sehr gut. Gerichte mit chinesischer Bittermelone, bittere Tees oder Aperol sind Geschmacksrichtungen, die ich als wohlschmeckend empfinde, während sich mancher meiner Freunde beim Testen fast übergibt.

Hypnose für das Schmecken beim Essen

Es gibt eine gläubige Minderheit in unserer Gesellschaft, die sich beim Essen ausschliesslich auf Intuition beruft. Ihre Anhänger essen ausschliesslich das, was ihnen die Intuition eingibt. Im Workshop Hypnose kannst Du mit dem „was wäre, wenn…“ Rahmen die Gelegenheit ergreifen und Deine „Antennen“ für diese Art von Intuition sehr viel empfindlicher stimmen. Dann kannst Du beispielsweise mit Deiner Hand über eine Speise gleiten und fühlen, welche Nahrungsmittel Dir gerade besonders zuträglich sind. Du kannst auch lernen, Deine Geruchswahrnehmung, die diesbezüglich schon mit den richtigen Stellen im Gehirn in Verbindung steht, als Antenne einzusetzen und die „Handantenne“ zur Bestätigung nutzen.

Wenn Dir diese Anwendungen hirnrissig erscheinen: nichts für ungut. Ich kenne eine Menge an Menschen, die für derlei hypnotische Programmierungen dankbar sind. Vielleicht ist es Dir ja schon passiert, dass Du für plötzlich eine Wahnsinnslust auf eine bestimmte Speise verspürtest. Das können zum Beispiel Tomaten sein. Tomaten zum Frühstück, Tomaten zum Mittag, abends und zwischendurch, im Salat, auf den Nudeln, auf dem Butterbrot oder einfach so, vielleicht nur mit etwas gutem Salz. Oder mit Schinken. Oder mit rohem Fleisch, oder, oder. Dein Körper weiß sich durchaus mitzuteilen, Du brauchst nur wachsam für seine Nachrichten zu sein.

Ins NLP Deutsch übersetzt heißt das: body sensory acuity – Sinnesaufmerksamkeit für Deinen Körper. Soviel zu den grundsätzlichen Wahrnehmungsmustern Deines Geschmackssinns. Ein von mir befragter Lebensmitteltechniker möchte der genannten  Unterteilung im Mund noch die beiden Attibute: adstringent (zusammenziehend) und würzig (im Sinne von scharf und stark schmeckend) hinzugefügt haben. Damit hätten wir also bereits acht unterschiedliche Geschmackskomponenten, aus denen sich auch die kompliziertesten Geschmäcker zusammensetzen.

Um Deinen gustatorischen Sinn beim Essen weiter zu schulen, nenne ich drei weitere Bereiche der gustatorischen Wahrnehmung in der groben Unterteilung. Sie funktionieren wie die einzelnen Stimmen bei einem großen Symphoniekonzert. Ein einzelnes Instrument kann sehr schön klingen, aus dem Spiel eines einzelnen Instruments jedoch kann keine Symphonie entstehen. Hier einige der wichtigen Komponenten Deiner gustatorischen Wahrnehmung:

Für den Geschmack:

Für die Konsistenz:

  • Fülle
  • Dicke (Viskosität)
  • Aromaentwicklung (Mikroclusters)

Für die Geniessbarkeit:

  • Textur
  • Temperatur
  • Farbe
  • Glanz
  • Form
  • Geräusch (beim Essen)

Für die Aktzeptanz:

  • Essensumgebung
  • Soziale Situation
  • Kulturkontext
  • Stimmung (Laune)
  • Gesundheit

Wenn Du die einzelnen Kriterien noch genauer betrachtest entsprechen sie den Eingangstüren zu einer vielfältigen geschmacklichen Differenzierung. Ich spreche jetzt einmal NLP: „Betrachte doch die gustatorische Submodalität Genießbarkeit (siehe oben) und den Unterpunkt Glanz (siehe oben). Du kannst für die Eigenschaften Attribute finden und Glanz unterteilen in stumpf, matt, schiefrig, seidig, glänzend, hochglänzend, chromartig, glasiert, emailleartig … vielleicht fallen Dir noch mehr Begriffe zum Thema Glanz ein.

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Mach Dich zum Essenskritiker – nur für Dich alleine. Bewaffne Dich mit Stift und Notizbuch und besuche ein gutes Restaurant. Bestelle ein Gericht mit einer gut gemachten Sauce oder Demiglace oder Reduktion. Das sind allse unterschiedliche Fachbegriffe. Der Laie würde einfach „Sauce“ dazu sagen. DAS ist doch endlich einmal eine nützliche Übung, oder?.

Beschreibe die Submodalität Glanz der Sauce auf dem Teller vor Dir. Schreibe eine möglichst genaue sensorische Beschreibung der Sauce auf ein Blatt Papier. Beginne mit dem Glanz und nimm Dir nach und nach alle oben gelisteten Punkte vor. So erhältst Du eine sehr differenzierte Essensbeurteilung. Danach kannst Du Vergleiche mit anderen Essern am Tisch anstellen. Beziehe wieder alle Submodalitäten der Gustatorik mit ein. Vielleicht liest Du zukünftig die Restaurantkritik von Jürgen Dollase in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit anderen Augen. Aber erst lesen, wenn Du die Aufgabe erledigt hast.

NLP für den Mittagstisch

Bestimmt ist Dir schnell klar geworden, wie komplex Deine Geschmackswahrnehmung organisiert ist und wie viele unterschiedliche Möglichkeiten ihrer Organisation Du zur Verfügung hast. Wenn Du Dir die weiter oben beschriebene Grobeinteilung einprägst, hast Du für alle Zukunft eine hervorragende Möglichkeit, bei einem gemeinschaftlichen Essen über Deine und die gustatorische Wahrnehmung Deiner „MitEsser“ zu diskutieren. Das fügt einem guten Essen eine ganz neue Dimension hinzu.

Wenn Du selbst kochst, kannst Du in Zukunft vermehrt darauf achten, welcher der einzelnen gustatorischen Submodalitäten Du mehr Beachtung schenkst und welche Du vielleicht bisher vernachlässigt hast. Wenn Du für Deine Familie oder Gäste kochst, könnte es ja sein, dass Dir in Zukunft sehr viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, auf die Geschmackswahrnehmung anderer Personen einzugehen.

Wenn Dich das Thema der gustatorischen Wahrnehmung weiter interessiert, lege ich Dir die Bücher von Heston Blumenthal ans Herz. Er übernimmt keine Glaubenssysteme von anderen sondern hinterfragt alle Grundannahmen guter Küche. Dabei kommen spannende Dinge heraus. Besonders das Buch Heston at home möchte ich Dir (weil es preiswert zu haben ist) in diesem Sinne empfehlen. Englisch solltest Du lesen können, dann erschließt sich Dir eine ganz andere Welt des modernem Kochens für Laien. Höchst spannend, wie ich meine. Das Buch sollte in keiner ambitionierten privaten Küche fehlen.

Wenn Du für Deine Geschmacks(aus)bildung weiterführende Informationen suchst, kann ich Dir ein weiteres Buch, einen Klassiker empfehlen: Jürgen Dollase: Geschmacksschule. Er zeigt Dir auf einfache Weise, wie sich das sensorische Spektrum von gutem Essen zusammensetzt und wie Du Dich selbst sehr einfach dazu erziehen kannst, Deine Geschmackswahrnehmung zu schärfen. Dann ist Dir vielleicht bald nicht mehr gleichgültig, was Du täglich zu Dir nimmst.

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2 Kommentare

  • Über sein Essen nachzudenken ist eine super Idee. Zumal es sich direkt auf die Stimmung und Gesundheit auswirkt.
    Leider vergessen sehr viele; durchaus auch kluge und gebildete; Menschen daß wir 6 Sinne haben. Dies ist seit langem wissenschaftlich bewiesen. Es geht also nicht um Esoterik oder Wahrsagen.
    Warum macht Schaukeln und Achterbahn so viel Spaß? Welchen Sinn hat Jeder (außer ganz wenige „Blinde“)? Auch wenn die Wenigsten ihn aktiv nutzen (außer Kampftaucher usw.) haben wir wie viele höhere Tiere auch noch den Gleichgewichtssinn! Wir wissen also auch ohne Kin wo oben ist. Jederzeit. Selbst wenn wir blind tauchen oder unseren Körper nicht mehr spüren.
    Der Gleichgewichtssinn ist zwar der seltents benutzte aller unserer Sinne und doch sehr wichtig für uns. Dank ihm wissen wir immer wo Oben ist. Außer beim Tauchen können wir danken ihm jederzeit zum Angriff oder Flucht übergehen. Denn wir wissen sofort wie wir auf die Füße kommen, egal in welcher Lange wir uns befinden und was wir gerade sonst so wahrnehmen bzw. ausblenden. Redundanz hat auch ihre Vorteile.

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