Submodalitäten – Der gustatorische Sinneskanal

Sachverstand für Deinen Geschmack

Die Entwickler des Modells von NLP haben der besseren Verständlichkeit  und Anwendbarkeit wegen Vereinfachungen vorgenommen. Ganz besonders stören mich diese „Vereinfachungen“ bei den Sinneswahrnehmungen. In diesem Artikel schreibe ich einmal etwas ausführlicher über die Submodalitäten des gustatorischen Sinneskanals.

News-ZungeDas Abbild einer wahrgenommenen Realität entsteht in unserem Gehirn durch Deine Wahrnehmung mit den einzelnen Sinneskanälen. Da soll die visuelle, auditorische und kinästhetische Sinneswahrnehmung genug sein, für ein Abbild der Welt?  Beim ersten Lernen des Modells , in der therapeutischen Anwendung und in den vielen nützlichen Formaten hat sich diese Vereinfachung bewährt. Es funktioniert ja trotzdem.

Wenn ich jedoch an einem Tisch sitze und ein leckeres Gericht esse, dann frage ich mich oft, ob ich mit der Reduktion auf die drei oben genannten Sinneskanäle eine lustvolle Wahrnehmung meines Essens und später dann eine repräsentative Erinnerung hinbekäme – und scheitere damit kläglich.

Fooddesigner und Nahrungsmittelingenieure beschäftigen sich seit langem sehr ausführlich mit unserem gustatorischen Sinneskanal. Das Ergebnis kannst Du sehr einfach wahrnehmen, wenn Du Deinen Kühlschrank oder den Vorratsschrank in der Küche öffnest. Außer den wirklich frischen Waren wie Obst und Gemüse wurde wahrscheinlich fast alles, was Du isst, einer modifizierenden Behandlung unterzogen. Oft nicht zum Besten für Geschmack und Gesundheit.

Ich möchte heute aber nicht auf Fluch oder Segen des prozessierten Bequemlichkeitsessens eingehen, sondern Dir, ganz im Sinne des NLP, eine kleine Submodalitätenliste für Deinen Sinneskanal „Geschmack“ zur Verfügung stellen. Dabei kannst Du einige Überraschungen erleben und eine Menge lernen. Die Forschung ist in den letzten Jahren nämlich ziemlich vorangeschritten und das, was Du vielleicht in der Schule gelernt hast, ist längst überholt. Beginnen wir also mit Deinem Schulwissen.

Die Munchie - Maschine
Essen macht Spass - Rezepte gegen Deinen Munchie Blues

Hast Du auch manchmal den Munchie Blues und plünderst den Kühlschrank und nimmst Dinge zu Dir, von denen Du weisst, dass sie Dir nicht gut tun? Kannst Du häufig nicht aufhören, wenn Du eigentlich schon satt bist? Liebst Du Fettes und Fleischiges mehr als Grünes und Fruchtiges? Dann bist Du hier richtig.

ab 20,00 €  ...mehr erfahren

Jede Geschmackswahrnehmung, so wird gelehrt, setzt sich aus vier grundlegenden Sinneswahrnehmungen zusammen: süß, sauer, salzig, bitter. Für jedes dieser Attribute gibt es Bereiche auf der Zunge, so sagt man, die dafür zuständig sind. Stimmt ungefähr, aber nicht ganz. Zu den vier Basisgeschmäckern kommen nämlich noch ein fünfter und sechster hinzu, nämlich die Wahrnehmung für „lecker (umami)“ und für „fett“. Darüber hinaus übernehmen verschiedenste Bereiche im Mund (und vor allem in der Nase) gemeinsam Aufgaben, um die jeweilige Geschmackswahrnehmung zu gestalten. Das Thema „lecker (umami)“ als Sinneswahrnehmung finde ich so interessant, dass ich ihm demnächst einen eigenen Artikel widmen werde, zum Thema „fett“ brauche ich nicht viel zu sagen.

smile43Übung: Versuche einmal, den Geschmack süß möglichst genau wahrzunehmen. Süss, das scheint doch einfach zu sein. Ein Löffel Zucker, das ist doch süß, oder? Nun, welcher Zucker darf es denn sein? Südzucker, Nordzucker, Rübenzucker, Agavendicksaft, Birnendicksaft, Honig, Stevia, Aspartam, Xylit, Moskovado dunkel oder hell, indischer Gur, oder lieber der burmesische? Die sind doch ALLE süß.

Vielleicht machst Du Dich einmal auf den Weg und suchst nach einigen der oben genannten Zuckerli. In einem großen Supermarkt, der Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses und in einem Biomarkt wirst Du schnell die meisten dieser Zuckerarten finden.

Dann teste – ganz professionell mit einem Blatt Papier für „Geschmacksnotizen“ – Deine Wahrnehmung. Was ist für Dich die reine Referenz für „süß“, was ist das für Dich: typisch süß? Wenn Du willst, vergleiche Deine Wahrnehmung (und Klassifizierung) mit der eines Freundes oder Partners. Das kann viel Spass machen, oder zu Streit führen, je nachdem wer Recht haben oder bekommen will…

Ein sehr positiver Nebeneffekt dieser kleinen Übung wird eine viel differenzierte Geschmackswahrnehmung sein. Stell Dir nur einmal vor, wie genau ein Weintester sein Geschmackssensorium kennen und nutzen muss. Und sag bloß nicht, für den Geschmackssinn gäbe es keine Erinnerung. Dann wüsstest Du nämlich auch nicht, dass Mutti am Besten kocht!

Und wenn Du dann abends im Bett liegst, erinnere Dich einfach einmal an Deine kleine Übung vom Tage. Erinnere Dich an den Geschmack von süß in den unterschiedlichen Varianten. Du wirst bemerken, dass Du tatsächlich die Erinnerung für „süß“ schmecken kannst. Du kannst sie sogar assoziiert oder dissoziiert wahrnehmen. Entweder Du erinnerst den Geschmack an bestimmten Orten im Mund – oder im Raum um Dich herum. Klingt zuerst paradox, aber das ist ja oft so, im Modell von NLP.

Ich habe Weintester befragt und modelliert und gar nicht so wenige von ihnen speichern Geschmacksprofile tatsächlich raumorientert ab. So und jetzt sind wir beim Hardcore NLP gelandet und haben der Ebene der „reinen Lehre“ von vis(uel), aud(itiv) und kin(ästhetisch), die Du in allen Lehrbüchern findest eine weitere hinzugefügt: gus(tatorisch).

Ein weiterer Aspekt der kleinen Übung kann auch Deine persönliche Präferenz betreffen. Ich selbst habe zum Beispiel konstitutionsbedingt einen relativ schwachen Lebermeridian. Instinktiv schmecken mir deshalb bittere Speisen und Nahrungsmittel sehr gut. Gerichte mit der chinesischen Bittermelone, bittere Tees oder Aperol, das alles sind Geschmacksrichtungen, die ich als sehr gut schmeckend empfinde, während sich mancher meiner Freunde beim Testen fast übergibt.

Es gibt eine sehr gläubige Minderheit, die sich auf diese Art der Intuition beruft und ausschließlich das essen, was ihnen ihre Intuition eingibt. Im Workshop BrainPower hast Du Gelegenheit, Deine „Antennen“ für diese Art von Intuition sehr viel empfindlicher zu stimmen um beispielsweise mit Deiner Hand beim darüber gleiten fühlen zu können, welche Nahrungsmittel Dir gerade besonders zuträglich sind. Du kannst aber auch lernen, Deine Geruchswahrnehmung, die diesbezüglich schon mit den richtigen Stellen im Gehirn in Verbindung steht, als Antenne einsetzen und die „Handantenne“ zur Bestätigung nutzen.

Wenn Dir diese Anwendungen hirnrissig erscheinen: nichts für ungut, ich kenne eine Menge an Menschen, die für solch hilfreiche hypnotische Programmierungen dankbar sind. Vielleicht ist es Dir ja auch schon passiert, dass Du für plötzlich eine Wahnsinnslust auf etwas verspürtest, zum Beispiel Tomaten. Tomaten zum Frühstück, Tomaten zum Mittag, abends und zwischendurch, im Salat, auf den Nudeln, auf dem Butterbrot oder einfach so mit etwas gutem Salz. Oder Schinken. Oder rohes Fleisch, oder, oder. Dein Körper weiß sich durchaus mitzuteilen, Du brauchst nur wachsam dafür zu sein. Ins NLP Deutsch übersetzt heißt das: body sensory acuity – Sinnesaufmerksamkeitnfür Deinen Körper.

Soviel zu den grundsätzlichen Wahrnehmungsmustern des Geschmackssinns. Ein von mir befragter Lebensmitteltechniker möchte der genannten  Unterteilung im Mund noch die beiden Attibute: adstringent (zusammenziehend) und würzig (im Sinne von scharf und stark schmeckend) hinzugefügt haben. Damit hätten wir also bereits acht unterschiedliche Geschmackskomponenten, aus denen sich auch die kompliziertesten Geschmäcker zusammensetzen.

Um Deinen gustatorischen Sinn (zum Beispiel) beim Essen weiter zu schulen, nenne ich drei weitere Bereiche der gustatorischen Wahrnehmung in der groben Unterteilung. Sie funktionieren wie die einzelnen Stimmen bei einem großen Symphoniekonzert. Ein einzelnes Instrument kann sehr schön klingen, aus dem Spiel eines einzelnen Instruments jedoch kann keine Symphonie entstehen.

Hier einige der wichtigen Komponenten Deiner gustatorischen Wahrnehmung:

Geschmack:

Konsistenz:

  • Fülle
  • Dicke (Viskosität)
  • Aromaentwicklung (Mikroclusters)

Geniessbarkeit:

  • Textur
  • Temperatur
  • Farbe
  • Glanz
  • Form
  • Geräusch (beim Essen)

Aktzeptanz:

  • Essensumgebung
  • Soziale Situation
  • Kulturkontext
  • Stimmung (Laune)
  • Gesundheit

Wenn Du die einzelnen Kriterien noch genauer betrachtest entsprechen sie den Eingangstüren zu einer vielfältigen Differenzierung. Ich spreche jetzt einmal NLP: „Betrachte die gustatorische Submodalität Genießbarkeit (siehe oben) und den Unterpunkt Glanz (siehe oben). Du kannst ihn unterteilen in stumpf, matt, schiefrig, seidig, glänzend, hochglänzend, chromartig, glasiert, emailleartig … vielleicht fallen Dir noch viel mehr Begriffe zum Glanz ein.

smile43Heute bist Du Essenskritiker – und zwar nur für Dich alleine. Bewaffne Dich deshalb mit Stift und Notizbuch und besuche ein gutes Restaurant. Bestelle ein Gericht mit einer gut gemachten Sauce. (DAS ist doch einmal eine nützliche Übung, oder?).

Beschreibe die Submodalität Glanz der Sauce auf dem Teller vor Dir. Schreibe eine möglichst genaue sensorische Beschreibung der Sauce auf. Beginne mit dem Glanz und nimm Dir nach und nach alle oben gelisteten Punkte vor. So erhältst Du eine sehr differenzierte Essensbeurteilung.

Erweiterungen: Vergleiche mit anderen Essern am Tisch Deine Wahrnehmung. Beziehe wieder alle Submodalitäten der Gustatorik mit ein. Lies in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in der Rubrik Leben die wöchentliche Restaurantkritik – und lerne eine Menge dazu. Aber erst lesen, wenn Du die vorherige Aufgabe erledigt hast.

Bestimmt ist Dir schnell klar geworden, wie komplex Deine Geschmackswahrnehmung organisiert ist und wie viele unterschiedliche Möglichkeiten ihrer Organisation Du für Dich zur Verfügung hast. Wenn Du Dir die obige Grobeinteilung einprägst, hast Du für die Zukunft eine hervorragende Möglichkeit, bei einem gemeinschaftlichen Essen über Deine und die gustatorische Wahrnehmung Deiner „Mitesser“ zu diskutieren. Das fügt einem guten Essen eine ganz neue Dimension hinzu.

Wenn Du selbst kochst, kannst Du in Zukunft vermehrt darauf achten, welcher der einzelnen gustatorischen Submodalitäten Du mehr Beachtung schenkst und welche Du vielleicht bisher vernachlässigt hast. Wenn Du für Deine Familie oder Gäste kochst, könnte es ja sein, dass Dir in Zukunft sehr viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, auf die Geschmackswahrnehmung anderer Personen einzugehen.

Wenn Dich das Thema der gustatorischen Wahrnehmung weitergehend interessiert, lege ich Dir die Bücher von Heston Blumenthal ans Herz. Er übernimmt keine überkommenen Glaubenssysteme sondern hinterfragt alle Grundannahmen guter Küche. Dabei kommen extrem spannende Dinge heraus. Besonders sein Buch Heston at home möchte ich Dir (weil es preiswert zu haben ist) empfehlen. Englisch musst Du lesen können, dann erschließt sich Dir eine ganz andere Welt von modernem Kochen für Laien wie Dich und mich. Höchst spannend, wie ich meine. Das Buch sollte in keiner ambitionierten privaten Küche fehlen UND sehr bald ins Deutsche übersetzt werden.

Wenn Du für Deine Geschmacks(aus)bildung weiterführende Informationen suchst, kann ich Dir auch ein Buch empfehlen: Jürgen Dollase: Geschmacksschule. Er zeigt Dir auf einfache Weise, wie sich das sensorische Spektrum von gutem Essen zusammensetzt und wie Du Dich selbst sehr einfach dazu erziehen kannst, Deine Geschmackswahrnehmung zu schärfen. Dann ist Dir vielleicht bald nicht mehr gleichgültig, was Du täglich zu Dir nimmst.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 votes, average: 4,00 out of 5)
Submodalitäten – Der gustatorische Sinneskanal hat 4 von 5 Sterne bei insgesamt 1 Bewertungen. Wie findest Du diesen Artikel?
Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Vielleicht interessiert dich auch:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email