Beim Coaching: Keine Ausreden mehr…

Erforsche die Glaubenssysteme Deines Gegenübers

Ob Du es nun Coaching nennst, oder ob es ein intensives Gespräch unter Freunden sein soll: Wenn Du anderen Menschen helfen willst, nützt es Deinem Gegenüber wenig, wenn Du ihm den aus Deiner Sicht besten Rat gibst. Wo steht Dein Gesprächspartner im gegenwärtigen Augenblick? Wie ist SEINE Welt beschaffen, wo markieren sich die Grenzen seines Weltbildes, wo sind die Barrieren, Hindernisse, Unmöglichkeiten. Wenn Du dies weisst, kannst Du gemeinsam mit Ihm zu Lösungen kommen.

Erst gestern war ich wieder einmal Zeuge eines typischen Coachinggespräches. „In einer ähnlichen Situation war ich auch schon, damals hat mir xxx geholfen!“ Selbst wenn dieser Rat Gold wert ist, nutzt er überhaupt nichts, wenn ihn Dein Gegenüber in seiner Welt nicht befolgen kann, oder zumindest glaubt, ihn nicht befolgen zu können. Um es drastisch zu sagen: Jedem Andersgläubigen nutzt ein „katholischer Rat“ nichts. Und darum geht es in diesem Artikel, nämlich um die Welt der Glaubenssysteme und ihre Wichtigkeit im Gespräch.

Das Blasenmodell im Coaching

Stell Dir einmal vor, das Weltbild Deines Gegenüber wäre eine schillernde Seifenblase mit ihm selbst im Zentrum. Innerhalb dieser Blase liegen die Dinge, die er kann oder glaubt, zu können. Ausserhalb dieser Blase liegen jene Dinge, die er nicht zu glauben oder zu tun vermag.

Jedem Bedürfnis nach Veränderung liegen zwei Möglichkeiten zugrunde. Entweder will Dein Gegenüber etwas erreichen oder haben, das sich außerhalb seiner imaginären, vorgestellten und geglaubten Seifenblase befindet. Oder er will etwas nicht mehr haben, das sich innerhalb seiner Seifenblase befindet und er bekommt sein Verhalten nicht los.

Zur ersten Gruppe gehört es beispielsweise, eine Sprache oder eine Fertigkeit lernen zu wollen, einen Partner zu finden, ein schickes Auto oder vieeeeel Geld zu besitzen – oder einfach alles das zusammen. Ganz allgemein kannst Du es mit dem Erfolg im Leben umschreiben, den Dein Gegenüber haben möchte. Zur zweiten Gruppe gehört zum Beispiel, ein paar Kilo abzunehmen oder mit dem Rauchen und anderen schlechten Gewohnheiten aufzuhören.

Es ist meist etwas, was von Deinem Gegenüber „Besitz ergriffen“ hat und ihm zur schlechten Gewohnheit geworden ist. Dabei grenzt es oft an Komik, wenn ich höre, welche Ausreden meine Gesprächspartner generieren, um mir zu verdeutlichen, warum ein neues und vielleicht zielführenderes Verhalten unmöglich ist, wenn es um eine doch so sehnlich gewünschte Veränderung geht.

Ich habe Dir noch nicht gesagt, dass Dein Gegenüber andere Bezeichnungen für „Seifenblase“ nutzt: er nennt es „seine Welt“ oder „seine Realität“. Und einzig wichtig im Coachinggespräch ist es, was Dein Gegenüber glaubt möglich machen zu können. Das ist die wichtigste Erkenntnis meiner langjährigen Coachingerfahrung. Der Weg zur Veränderung führt über die Veränderung des Weltmodells, um es einmal mit einem Fachbegriff auszudrücken.

Wie Du Zugang zum Glauben bekommst

So steht es schon in der Bibel geschrieben: Glaube versetzt Berge. (Matthäus 17.20). Es geht in einem Coachinggespräch also darum, möglichst viel Wissen über die Beschaffenheit der Realität und der damit verbundenen Glaubenssätze Deines Gegenübers zu bekommen. Meist interessiert Dich, was Dein Gegenüber glaubt, nicht möglich machen zu können und diesen hinderlichen Glaubenssatz auf eine geeignete Art und Weise zu verändern.

Glaubenssätze, hinderlich oder nützlich herausfinden, das ist ganz einfach. Du nutzt die entsprechende Frage schon, wenn Du neugierig bist: „WARUM glaubst Du, Du kannst … nicht erreichen (loswerden)?“ Bei der Beantwortung dieser Frage wirst Du neben nützlichen Glaubenssätzen auch eine Menge an „limitierenden Glaubenssätzen“ zu hören bekommen. Das ist ein Terminus, den Du in der NLP Ausbildung häufig hörst. Löse diese Limitierungen auf und Du wirst Deinen Gegenüber einfacher zum Erfolg führen.

Bevor Du also beginnst, Ratschläge zu geben, ist es sinnvoll, die Hindernisse abzustecken, auf die Du bei Deinem Gegenüber treffen wirst. Es lohnt sich im nächsten Schritt, nach dem Stellen der „Warum-Frage“ sehr genau und buchstäblich zu hören und möglichst viele Informationen zu sammeln. An dieser Stelle im Gespräch hast Du die ausgezeichnete Möglichkeit, den Einsatz des MetaModells zu üben und durch eine geschickte Fragetaktik viel mehr Informationen zu generieren.

Die Struktur der Ausreden

Achte bei Deinem Gegenüber auf Sätze, die das Konjunktiv (die Möglichkeitsform) enthalten. Du hörst dann: “Ich würde ja, aber…”, „das hätte ich schon längst getan, aber…!“ usw. Sätze, die „würde“, „hätte“, „könnte“ „sollte“ enthalten, zeigen Dir, welche Ausreden Dein Gegenüber zu den Inhalten seiner Welt gemacht hat. Das, was er als Ausrede nutzt, gibt ihm den Anlass zur Passivität, obwohl er doch behauptet, gerade das zu wollen, von dessen Unmöglichkeit er Dir gerade berichtet.

Es wird Dir irgendwann einmal mit Sicherheit passieren, dass Dein Gesprächspartner versuchen wird, Dich zu seinem „Ideen- und Veränderungsgenerator“ zu machen. Dabei lieferst Du ihm mögliche Szenarien, Ideen und Strategien für seine Veränderung – er liefert nonchalant darauf einen guten Grund, warum gerade diese vorgeschlagene Lösung nicht für ihn in Frage kommen kann.

Ich habe dieses Muster bei Teilnehmern meiner Workshops auf die Spitze getrieben und so lange neue Vorschläge zur Veränderung liefern wollen, bis meinem Gegenüber die Ausreden ausgingen. Und weisst Du was – es ist mir nicht gelungen. Auch nach dem zwanzigsten kreativen Vorschlag zur Veränderung kamen immer noch neue Ausreden. Tappe also nicht in diese Falle. Die Lösung ist wie immer sehr einfach:

Die Lösung für faule Ausreden

Sag Deinem Gegenüber im Coachinggespräch: „FANG EINFACH AN!“  Finde mit ihm den kleinsten ersten Schritt. Fang mit irgendeiner Aktion einfach an. Im englischen Sprachgebrauch heisst es: Act on it! Alles, was Dein Gegenüber TUT, wird irgendwie dazu beitragen, das zu erreichen, was er erreichen will. Und wenn nicht?  Dann erinnere ihn einfach an den NLP Grundsatz: Wenn das, was Du gerade tust, nicht funktioniert, tue etwas anderes!

Wenn es Dir gelungen ist, Deinem Gegenüber einen Vorschlag zu unterbreiten, der ihn zur Aktion bringt, ist der schwerste Schritt zur Veränderung schon getan. Der Rest ist Prozess. Zeige ihm deshalb mit kleinsten Aktionen, dass es Wege gibt, an dessen Erfolg  er ermessen kann, dass er in der richtigen Richtung unterwegs ist.

Willst Du Beispiele: Neue Sprache lernen? Drei Worte pro Tag lernen, wäre ein erster Schritt. Dann dauert es etwa drei Monate, bis er etwa 80 Prozent der Gebrauchswörter in einer kennt. Dann geht es „nur noch“ um die richtige Reihenfolge. Ein paar Kilo abnehmen? Das Frühstück eine Stunde später einnehmen oder den Zucker im Kaffee weglassen – der erste Schritt ist getan. Rauchen aufhören? Eine Zigarette am Tag weniger pro Woche… Du erkennst sicher das Prinzip.

Der umgekehrte Weg

Noch ein guter Rat für sture Gesprächspartner: Behaupte einfach irgendwann, Du könnest Deinem Gegenüber nicht helfen. Das wird möglicherweise seinen Widerspruch wecken. Im NLP spricht man innerhalb der Metaprogramme von einem möglichen Gegenbeispielsortierer. Jemand, der erst einmal von einem Gegenteil ausgeht.

Wenn Du behauptest ihm nicht helfen zu können, muss er beginnen, das Gegenteil zu prozessieren. Das ist ein subbewusstes Gewohnheitsmuster. Es wird nicht lange dauern bis er beginnt, selbst Vorschläge zu liefern, die Dir beweisen sollen, dass seine Veränderung doch möglich ist. Das kann so klingen: „Naja, wenn ich …… tun würde, dann wäre das schon ein erster Schritt zum Erfolg.“ Dann geht es nur noch um das wann und nicht mehr um das ob.

Wenn Du erst einmal auf den Trichter gekommen bist, wird Dich die „Erforschung der Welt“ Deiner Gegenüber nicht mehr loslassen. Du wirst bei jeder sich bietenden Gelegenheit herausfinden wollen, wie Du hinter die Schranken der Glaubenssätze und damit der Limitierungen Deiner Mitmenschen blicken kannst.

Dann wirst Du nicht nur feststellen, wie Deine Mitmenschen sich die limitierenden Aspekte ihrer Welt selbst konstruieren. Du wirst (leider) auch feststellen müssen, dass es sich bei Dir selbst genauso verhält. Wachsende Sensibilität wirkt eben in beiden Richtungen. Also los, ran an Deine Leichen im Keller. Grab sie aus, damit Du endlich weißt, was ganz hinten im Kohlenkeller Deines Unbewussten so gestunken hat.

Richtige Gespräche führen

smile43Hast Du mehr Lust an interessanten Gesprächen statt plätscherndem Smalltalk? Es braucht keineswegs ein Coachinggespräch dazu. Deine Alltagsunterhaltungen bieten Dir Gelegenheit genug. Ich finde es eine sehr effektive Möglichkeit, mit der „Warum-Frage“ ein allgemeines Gespräch zu beginnen. So lerne ich einen anderen Menschen ganz anders kennen.

Jeder Mensch erzählt gerne von dem, was ihn interessiert. Und jeder Mensch erzählt gerne, was ihn bewegt. Er erzählt Dir aus seiner Welt. Also frage ich: „Was interessiert Dich…?“ um dann im nächsten Schritt die „Warum-Frage“ zu stellen. Dabei lerne ich neue Ansichten und Welten kennen. So entstehen wirklich spannende Gespräche, die oft ganze Nächte gefüllt haben.

Wenn Du glaubst, Schwierigkeiten beim Kennenlernen anderer Menschen zu haben, probiere diese Gesprächstechnik als kleinen Übung einfach einmal aus. Es lohnt sich allerdings für Dich, wirkliches Interesse am Weltmodell Deines Gesprächspartners zu haben. Viele junge Männer heucheln Interesse und wollen doch nur das eine. Und dafür haben die Frauen einen untrüglichen Riecher…

In diesem Artikel habe ich Dir eine einfache Möglichkeit dargestellt, Zugang zu den Weltmodellen und den dazugehörigen (limitierenden) Glaubenssätzen zu bekommen. Du kannst die Tipps einfach für eine Weile in Deine Alltagsgespräche übernehmen. Und wenn Du sicher im Umgang damit geworden bist, kannst Du Dich mit komplizierteren Zusammenhängen vertraut machen. Der Besuch eines Workshops bei mir bietet dazu eine ausgezeichnete Möglichkeit.

 

 News-Keine-Ausreden-big

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (52 votes, average: 4,63 out of 5)
Beim Coaching: Keine Ausreden mehr… hat 4.63 von 5 Sterne bei insgesamt 52 Bewertungen. Wie findest Du diesen Artikel?
Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Vielleicht interessiert dich auch:

4 Kommentare

  • Ich finde den Artikel sehr interessant allerdings gefällt mir das Wort WARUM auch nicht so gut. Es klingt vorwurfsvoll. Ich würde eher neugierig fragen… wie kommt es, dass…..

    Lg

    Antworten
  • Hallo, lieber Chris,
    bin jetzt sehr erstaunt. Da ich eigentlich ein sehr neugieriger Mensch bin, habe ich oft die „warum“ Frage gestellt und mich manchmal gewundert, dass Menschen darauf oft aggressiv reagierten. So fand ich zahlreiche Bücher und Artikel, die davon handelten, dass man mit der Frage „warum“ unbewusst einen Angriff auf sein Gegenüber startet.
    Hast du diese Erfahrung nicht gemacht?

    Antworten
    • Hallo Ilona, ich bin zwar nicht Chris, würde dir aber dennoch etwas dazu schreiben. Bei mir selbst ist es so, dass ich aggressiv reagiere, wenn der andere es übertreibt. Also gar kein richtiges Gespräch zustande kommt und ich mich nur gelöchert fühle.

      Daher denke ich, dass es auf die Art ankommt wie jemand mich nach dem „warum“ fragt.
      Viele Grüße Axel

      Antworten
  • Sooo cool! Gestern Abend hatte ich mit einem guten Freund genau DIESES Gespräch. Warum ER seiner Meinung nach NICHT mehr in der Lage ist , diesen und jenes Verhalten zu verändern und warum ICH mit Coaching kein Erfolg haben werde, solange ich keine Strategie entwickelt habe, die ALLEN für IMMER helfen wird… Chris, deine Newsletter sind Goldwert für mich !! 5 Sterne !!!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email