Ankern – Anleitung in 4 Schritten

Die wichtigste Technik im NLP einfach erklärt

Ohne Kenntnisse im Modell von NLP hast Du Dir in Deinem Leben bereits viele Anker angeeignet. Das passiert meistens ganz automatisch. Alles, was auf einen bestimmten Auslöser hin an Reaktionen in Dir passiert, das nennt man einen Anker. Vielleicht hast Du schon einmal von dem berühmten Hundeexperiment gehört, das Iwan Petrowitsch Pawlow bereits im Jahre 1905 durchführte. Seither kennt man das Experiment als „Pawlowschen Hund„.

Vielleicht weißt Du aus eigener Erfahrung, daß Pawlows Erkenntnisse nicht nur auf Hunde anwendbar sind, sondern – zum Guten und zum Schlechten – auch auf uns Menschen. Das Modell von NLP kennt die Anwendung des Pawlowschen Modells unter dem Namen „Ankern“. Ankern ist eine Technik mit dessen Beherrschung Du den Erfolg fast aller NLP Anwendungen bestimmst.

Der Anker im NLP: Definition

Im Modell von NLP nennt man die absichtliche oder unabsichtliche Verkettung von Ursache (stimulus) und Wirkung (response) einen Anker (anchor). Ich schreibe die Begriffe der englischen Sprache in Klammern dahinter, weil die Namen zuerst im Englischen definiert wurden. In den vielen deutschen Übersetzungen jedoch herrscht eine babylonische Sprachverwirrung.

Um ganz nahe bei Herrn Pawlow zu bleiben, kannst Du Dir vorstellen, eine „genussreiche“ Zeitschrift mit tollen Bildern von Gerichten (etwa die effilee) durchzublättern oder die dazugehörige Webseite anzusehen. Läuft Dir beim Betrachten der Bilder das Wasser im Mund zusammen? Da hast Du ihn schon, den visuellen  Anker. Du hast etwas visuell wahrgenommen (stimulus) und darauf reagiert (response).

Die Verkettung von Ursache und Wirkung ist jedoch nicht auf den visuellen Sinn beschränkt. Passiert es Dir manchmal, dass Du ins Träumen kommst, wenn Du ein bestimmtes Musikstück im Radio hörst? Ein Stück, das ganz entschieden mit EINEM Ereignis oder den Gefühlen einer bestimmten Zeit verbunden ist? Dies ist es ein akustischer Anker.

Vor kurzem blieb ich wie gelähmt in der Stadt stehen und kam mir vor wie Jean-Baptiste Grenouille in Patrick Süskinds Buch: Das Parfüm. Von irgendwoher wehte eine Fahne DIESES Geruchs. Der Geruch von Signoricci, ein Parfüm von Nina Ricci. Seit langem wird es nicht mehr so produziert, weil EU Regelungen die Änderung der Rezeptur notwendig machten.

Ich bekam eine Flasche davon während meiner Studienzeit unter sehr romantischen Umständen geschenkt. Da stand ich nun, mitten in der Menge, quasi in Tieftrance und verlor mich in einer Zeit, die über 30 Jahren zurücklag. Es war mir, als wäre es gerade gewesen. Ein weiteres Beispiel, diesmal für einen olfaktorischen Anker.

Du kennst bestimmt selbst viele Beispiele für die unterschiedlichsten Anker aller möglicher „sensorischer Ebenen“, wie die Profis im NLP dazu sagen. Sensorische Ebenen, das sind die Ebenen Deiner Sinne: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen. Und damit es sich in der Praxis einfacher arbeiten lässt, hat „man“ im Modell von NLP die fünf wichtigsten sensorischen Ebenen auf die drei allerwichtigsten reduziert: Sehen, Hören, Fühlen. Trotz dieser Reduzierung kannst Du unendlich viel mit der Technik des Ankerns anstellen.

Im Modell von NLP gibt es zwei generelle Richtungen, mit einem Anker zu arbeiten: Unerwünschte Anker auflösen, oder erwünschte Anker kontrolliert zu gestalten.

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Unerwünschte Anker auflösen – die FPC

Es gibt in Deinem Leben bestimmt eine Menge an Verhalten, das Du glaubst, nicht kontrollieren zu können und deshalb gerne loswerden möchtest. Vielleicht rauchst Du, wiegst ein paar Kilogramm zu viel, machst zu wenig Sport, isst das Falsche…. oder schlimmer: Ängste aller Art, Angst vor Tieren, Klaustrophobie, Du weißt bestimmt, was ich meine.

All das sind in Dir vorhandene Anker (so kannst Du sie zumindest behandeln), deren Ursache-Wirkungsverhältnis Du auflösen kannst, wenn Du möchtest. Die Fast Phobia Cure (eine NLP Technik) durchschneidet das neurophysiologische Band zwischen Ursache und Wirkung. Darüber habe ich ausführlich geschrieben. Du kannst Dich HIER informieren.

Einen erwünschten Anker erstellen

Die zweite Möglichkeit besteht darin, neuronale Verknüpfungen (also Anker) „künstlich“ herzustellen. Du kannst beispielsweise Ressourcen (Verhalten oder Erfahrungen) Deiner Vergangenheit erneut hervorrufen, intensivieren und dann ankern. Diese „Ressourcenanker“ kannst Du dann für alle möglichen, neuen Strategien oder Verhaltensmuster einsetzen. Das ist eine Technik, die Du im NLP Practitioner lernst und häufig anwendest.

Ich nutze die Technik des Ankerns in Workshops, um mir meine Arbeit zu erleichtern. Wenn ich z.B. mit einem Teilnehmer auf der Bühne eine Tranceinduktion demonstriere, dann ankere ich den resultierenden Trancezustand. Wenn ich dann mit dem gleichen Teilnehmer später wieder arbeite, kann ich den vorhandenen Anker für die Trance benutzen, ohne mir die Arbeit einer erneuten Tranceinduktion machen zu müssen.

Solche Anker lernst Du im NLP Practitioner ebenfalls sehr schnell zu nutzen. Warum sollst Du Dir ewig die gleiche Arbeit machen, wenn Du schon am zweiten Tag lernen kannst, NLP wie die Profis anzuwenden.

Für den NLP Neuling sehen dann solche Aktionen auf der Bühne sehr spektakulär aus. Ein sehr schönes Beispiel für die Anwendung eines Tranceankers kannst Du Dir auf youtube ansehen. Ich hatte in der „Sitzung“ vorher einen wirksamen Tranceanker installiert, den ich hier auslöse. Leider endet das kurze Video VOR der Frage eines Teilnehmers.

Er wollte wissen, was passiert, wenn ER den Anker auslöst und freute sich, daß Edna (der Name der Dame mit dem Anker) von ihm abhängig wäre, wenn er den Anker auslösen würde. Ich bat ihn, den Anker auszulösen und zu seiner Enttäuschung grinste ihn Edna an und sagte: Sooooo nicht….!

Denn das ist die Grundvoraussetzung für effektives Ankern: Präzision.

In vier Schritten zum eigenen Anker

Danke, dass Du die Geduld hattest, bis hierher zu lesen. Bestimmt fragst Dich: „Na, wie mache ich denn jetzt einen Anker?“ Also, dann schreiten wir zur Tat. Nehmen wir an, Du möchtest einen Anker für ein gutes Gefühl „installieren“. Das Wort „installieren“ ist ein weiterer NLP Fachbegriff, mit dem speziell viele Anfänger gerne angeben. Es bedeutet jedoch einfach: machen. Also ein gutes Gefühl, das Du immer wieder nutzen kannst. Das geht ganz einfach in vier Schritten:

Schritt 1: Erzeuge einen intensiven Zustand.

Bitte Deinen Gegenüber, sich an ein Erlebnis zu erinnern, das den gewünschten Zustand möglichst deutlich repräsentiert. In unserem Falle kannst Du ihn beispielsweise fragen, wann er das beste Gefühl seines Leben gehabt hat. Wenn er sich erinnert, wirst Du dies an vielen körperlichen Reaktionen bemerken. Du siehst beispielsweise die Veränderung des Gesichtsausdrucks, der Körperhaltung, an der Farbe der Wangen, der Herzfrequenz und an vielen weiteren Indikatoren.

Schritt 2: Ankere diesen Zustand

Auf dem Höhepunkt des elizitierten (wieder hervorgerufenen) Gefühls, also dann, wenn Du das gute Gefühl bei Deinem Gegenüber so intensiv wie möglich hervorgerufen und verstärkt hast, ankerst Du, indem Du entweder auf eine bestimmte Körperstelle drückst (kinästhetisch), eine bestimmte Vorstellung bildlich suggerierst (visuell intern) oder einen bestimmten Ton oder ein Geräusch erzeugst.

Schritt 3: Break State

Das Wort kommt aus dem Amerikanischen und sagt nichts weiter, als den geankerten und immer noch vorhandenen Zustand auf geeignete Weise zu neutralisieren. Das kannst Du einfach durch Aufstehen, einen Themenwechsel, durch Ablenkung oder ähnliches erreichen.

Schritt 4: Testen

Löse den eben installierten Anker erneut aus und finde durch genaues Beobachten (sensory acuity) und Vergleichen heraus, ob Dein Gegenüber wieder in den Zustand des geankerten, guten Gefühls hineingleitet. Wenn ja, dann hast Du erfolgreich einen Anker „installiert“.

Für erfolgreiches Ankern wirst Du nicht umhin kommen, fleissig zu üben. Darüber hinaus kannst Du zusätzlich einiges beachten. Es ist wichtig, bei einem kinästhetischen Anker immer genau an der gleichen Stelle zu drücken, bei einem akustischen Anker immer wieder genau den gleichen Ton zu erzeugen, bei einem visuellen Anker immer wieder die gleiche Vorstellung zu erzeugen, wenn Du den Anker auslöst. Hört sich für Dich vielleicht banal an, sollte es eigentlich auch sein.

Wichtige Tipps zum erfolgreichen Ankern

Nimm für einen akustischen Anker einen einfachen Ton, beispielsweise den einer Klangschale, den Du leicht immer wieder genau so erzeugen kannst. Benutze für einen kinästhetischen Anker Deine ganze Hand zum Ankern und nicht nur die Fingerspitze. Ankere damit an einer Position, die Du einfach wieder findest, beispielsweise am Rücken. Ankere kinästhetisch an einer Stelle, die eine geringe Nervendichte hat, beispielsweise am Rücken.

Nutze am Besten einen einmaligen Anker, also einen Anker, der nicht so schnell von jemand anderem genutzt werden kann. So ist zum Beispiel das Händeschüttel kein idealer Anker, es sei denn, Du möchtest, dass ein gewisser Zustand mit jedem Händeschütteln ausgelöst wird. Beachte dabei, dass Du um so einen Anker zu setzen sehr intensive Zustände brauchst, der Anker also sehr stark sein muss.

Vielleicht hast Du in einem meiner Videos bei youtube gesehen, dass ich meistens an 2 Punkten gleichzeitig ankere. Das sind bei allen Teilnehmern immer die gleichen. Eine Hand liegt auf der Schulter desjenigen, mit dem ich übe. Damit habe ich mir eine Position angewöhnt, die ich immer wieder erkenne, da liegt mein Daumen vorne auf dem Schlüsselbein, meine Handfläche liegt auf dem Schulterblatt. Selbst wenn ich die Stelle nicht zu 100 Prozent treffe, ist die Überlappung auf jeden Fall groß genug, dass das Gehirn reagiert, wenn ich den Anker auslöst.

Besonders beim Einsatz von Ankern im therapeutischen Bereich ist die „Reinheit des Zustandes“ wichtig. Wenn Du einen intensiven Zustand elizitierst, wirst Du nicht nur den gewünschten Zustand elizitieren, sondern auch andere Zustände. Besonders wenn Du das Milton Modell mit seinen vielen Verallgemeinerungen benutzt, gibt es diesen Spin-off.

Für einen allgemeinen, positiven Zustand der Motivation kann es Dir viel von diesem positiven Spin-off nur Recht sein, in der Therapie willst Du jedoch sicher gehen. Klingt das sehr kryptisch für Dich? Vielleicht willst Du ein Beispiel: Dein Gegenüber benötigt Lockerheit und Entspannung als Ressource. Also bittest Du Dein Gegenüber, an den letzten Urlaub zu denken, weil er da locker und entspannt war. Ist doch jeder… denkst Du.

Vielleicht wurde er jedoch dort von seiner Freundin verlassen… Plötzlich hast Du auch den Schmerz im Zustand der Lockerheit und Entspannung. Das willst Du ja nicht immer haben. Dafür gibt es meherere Lösungen. Entweder Du sprichst vorher über die Erinnerung und stellst sicher, daß sie ausschließlich mit den Gefühlen besetzt ist, die Du brauchst, oder Du lässt Dein Gegenüber Gefühl und Situation einfach selbst wählen.

Eine kleine Aufgabe mit großer Wirkung

Überlege Dir einen visuellen oder akustischen Anker für „gute Gefühle“ und installiere diesen Anker bei unterschiedlichen Personen mehrmals. Installiere ihn immer genau in der gleichen Art, so lange, bis er zuverlässig funktioniert. Nutze immer genau diesen Anker, wenn Du Menschen in Deiner Umgebung gute Gefühle machst. Ankere DEINE gute Gefühle immer auf diesem Anker. Dieses Vorgehen hat zwei ganz große Vorteile:

1. Du weißt immer, mit welchem Anker Du bei Dir und anderen Menschen gute Gefühle auslösen kannst, selbst nach vielen Jahren.

2. Das Installieren und das Auslösen von guten Gefühlen wird schnell zur Gewohnheit. Diese „Gewohnheit“ integriert und generalisiert sich nach einiger Zeit. Du machst Du es unbewusst, Du „lebst NLP“. Oh je, ich habe mir sagen lassen, daß sich Dein Leben ganz schön verändern wird, wenn Du anderen Menschen unbewusst gute Gefühle machst. Vielleicht war es ja bisher umgekehrt…

Nun viel Spass beim ersten Ausprobieren. Denke daran, die beste Möglichkeit, Ankern zu lernen, NLP überhaupt zu lernen, besteht darin, einen Workshop (natürlich möglichst von mir) zu besuchen. Schaumal, das geht sehr einfach HIER.
Was ist NLP? Hier erfährst Du mehr.

Hier zum kostenlosen online NLP Practitioner.

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