Ankern – Anleitung in 4 Schritten

Zuerst die Definition: Im Modell von NLP nennt man die absichtliche oder unabsichtliche Verkettung einer Ursache, also einem Stimulus und der daraus resultierenden Wirkung, der Response, einen Anker. In vielen deutschen Übersetzungen herrscht eine Art von babylonische Sprachverwirrung. Deshalb habe ich diese NLP Definition so genau wie möglich formuliert.

Der Pawlowsche Reflex

NLP Anker Blau

Den Anker kennst Du bestimmt bereits unter dem Namen Pawlowscher Reflex. Er ist benannt nach dem russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow. Er hat durch den Nachweis der Reiz- und Reaktionsverknüpfung mit seinem berühmten Hundeexperiment diesem Reflex seinen Namen gegeben. Um ganz nahe bei Herrn Pawlow zu bleiben, gebe ich Dir ein Beispiel für einen solchen Reflex aus Deinem Alltag. Stell Dir vor, wie Du ein „genussreiches“ Kochbuch oder eine Essenszeitschrift mit tollen Bildern von Gerichten durchblätterst. Läuft Dir beim Betrachten der Bilder oder selbst schon bei der Vorstellung davon das Wasser im Mund zusammen? Damit hast Du bereits das Beispiel für einen visuellen Anker. Du hast etwas visuell wahrgenommen, das ist der Stimulus und mit Speichel im Mund darauf reagiert, das ist die Response – die Reaktion. 

Die Verkettung von Ursache und Wirkung ist jedoch keineswegs auf den visuellen Sinneskanal beschränkt. Passiert es Dir vielleicht manchmal, dass Du ins Träumen kommst, weil Du gerade ein ganz bestimmtes Musikstück im Radio hörst? Ein Stück, das ganz entschieden mit EINEM Ereignis und den dazu gehörenden Gefühlen einer bestimmten Zeit verbunden ist? Das wäre dann ein akustischer Anker, den Du ausgelöst hast.

Video: NLP Anker

Alltägliche Anker sind überall

Auch ohne Kenntnisse im Modell von NLP hast Du Dir in Deinem Leben bereits viele Anker angeeignet. Das passiert meistens ganz unbewusst und automatisch. Alles, was auf einen bestimmten Auslöser hin an Reaktionen in Dir passiert, kannst Du einen Anker nennen. 

Ein weiteres Beispiel: Vor kurzem blieb ich wie gelähmt in der Stadt stehen und kam mir vor wie Jean-Baptiste Grenouille in Patrick Süskinds Buch: Das Parfüm. Von irgendwoher wehte eine Fahne DIESES Geruchs. Der Geruch von Signoricci, ein Eau de Toilette von Nina Ricci das ich gerne in den frühen Siebzigern benutzte. Ich bekam eine Flasche davon während meiner Studienzeit unter sehr romantischen Umständen geschenkt und es wird seit langem nicht mehr produziert. Da stand ich nun, mitten in der Menge, quasi in Tieftrance und verlor mich in einer Zeit, die über 30 Jahren zurücklag. Es war mir, als wäre es gerade gewesen. So schnell und so einfach kann es passieren, einen olfaktorischen Anker auszulösen. 

Wahrscheinlich kennst Du selbst viele Beispiele für unterschiedliche Anker in allen möglichen Sinneskanälen, den Sensorischen Ebenen, wie die Profis im NLP dazu sagen. Sensorische Ebenen, das sind die Ebenen Deiner Sinne: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen. Und damit Du in der Praxis einfacher damit arbeiten kannst, hat „man“ im Modell von NLP die fünf wichtigsten sensorischen Ebenen auf die drei allerwichtigsten reduziert: Sehen, Hören, Fühlen. Trotz dieser Reduzierung kannst Du unendlich viel mit der Technik des Ankerns anstellen. 

Wie funktioniert ein NLP Anker?

Stell Dir einfach vor, Du würdest mit einem Anker den Neuronen im Gehirn einen Pfad bereiten. Er ist eine Hilfestellung, nicht mehr und nicht weniger. Wenn Du gelernt hast, diese neuronalen Verknüpfungen, also die Anker, quasi „künstlich“ herzustellen, kannst Du beispielsweise Ressourcen in Form von Verhalten oder Erfahrungen aus Deiner Vergangenheit erneut hervorrufen, intensivieren und sie ankern. Diese „Ressourcenanker“ kannst Du für alle möglichen Zwecke einsetzen. Ankern ist eine Technik im NLP, die Du gleich zu Beginn in der Grundausbildung lernst und häufig anwendest. 

Ich nutze die Technik des Ankerns in meinen Workshops häufig, um mir meine Arbeit zu erleichtern. Wenn ich z.B. mit einem Teilnehmer auf der Bühne eine Tranceinduktion demonstriere, dann ankere ich den resultierenden Trancezustand. Wenn ich dann mit dem gleichen Teilnehmer später erneut arbeite, kann ich den geankerten Trancezustand gleich für die nächste Trance benutzen, ohne mir die Arbeit einer erneuten Tranceinduktion machen zu müssen. 

Für den NLP Neuling oder den Anfänger in Hypnose sehen solche Aktionen auf der Bühne sehr spektakulär aus. Ein sehr schönes Beispiel für die Anwendung eines Tranceankers kannst Du Dir auf meinem Kanal ansehen. Ich habe Dir das Video unten verlinkt. Ich hatte mit Edna, der Dame in dem Video in der vorherigen Sitzung einen wirksamen Trance-Anker installiert, den ich dann einfach auslöste. Leider zeigt das kurze Video die anschließende Frage eines Teilnehmers nicht mehr. 

Er wollte nämlich wissen, was passiert, wenn ER den Anker auslösen würde und freute sich, daß Edna in Zukunft von ihm abhängig wäre, wenn er bei ihr den Anker auslösen würde. Ich bat ihn, den Anker auszulösen und zu seiner Enttäuschung grinste Edna und sagte: Sooooo nicht….! Damit lernst Du gleich eine weitere und wichtige Grundvoraussetzung für effektives Ankern: Präzision. Anker funktionieren, allerding nur, wenn die Umstände stimmen. 

Ankern in 4 Schritten

Bestimmt fragst Du Dich nun: „Na, wie kann ICH denn jetzt einen Anker erzeugen?“ Nehmen wir also an, Du möchtest bei dir oder jemand anderem einen Anker für ein wirklich gutes Gefühl „installieren“. Das Wort „installieren“ ist ein weiterer NLP Fachbegriff. Es bedeutet einfach nur: machen. Also, wie kannst Du Dir ein gutes Gefühl machen, das Du immer wieder erinnern, auslösen und für Deine Zwecke nutzen kannst. Quasi einen Wegweiser für die Neuologischen Pfade der Nervenimpulse. Das geht ganz einfach in vier Schritten: 

Schritt 1: Gefühlzustand

Bitte Deinen Gegenüber, sich an ein Erlebnis zu erinnern, das den gewünschten Zustand möglichst deutlich repräsentiert. In unserem Falle kannst Du ihn beispielsweise fragen, wann er das beste Gefühl seines Leben gehabt hat. Wenn er sich erinnert, wirst Du dies an vielen kleinen und grossen körperlichen Reaktionen bemerken. Du siehst beispielsweise die Veränderungen in seinem Gesichtsausdruck, in der Körperhaltung, an der Farbe seiner Wangen, an der Herzfrequenz und an vielen weiteren Indikatoren. 

Schritt 2: Ankeren

Im Schritt 2 ankerst Du diesen Zustand. Auf dem Höhepunkt des wieder erinnerten Gefühls, also dann, wenn Du das gute Gefühl bei Deinem Gegenüber so intensiv wie möglich hervorgerufen und verstärkt hast, ankerst Du kinästhetisch, indem Du entweder auf eine bestimmte Körperstelle drückst, visuell, indem Du eine bestimmte Vorstellung bildlich suggerierst oder akustisch mit einen bestimmten Ton oder einem Geräusch, das Du erzeugst.

Schritt 3: Break State

Im Schritt 3  holst Du Dein Gegenüber wieder aus diesem Zustand heraus. Du machst ein Break State. Das Wort kommt aus dem Amerikanischen und sagt nichts weiter, als den geankerten und immer noch vorhandenen Zustand auf geeignete Weise zu neutralisieren. Das kannst Du einfach durch Aufstehen, einen Themenwechsel, oder durch eine andere Ablenkung erreichen. 

Schritt 4: Testen

Im Schritt 4 testest Du den eben installierten Anker. Löse den Anker erneut aus und finde durch genaues Beobachten und Vergleichen heraus, ob Dein Gegenüber wieder in den Zustand des guten Gefühls hineingleitet. Wenn ja, dann hast Du erfolgreich einen Anker „installiert“.

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Tipps für erfolgreiches Ankern

Ankern ist Übungssache. Für erfolgreiches Ankern wirst Du nicht umhin kommen, fleissig zu üben. Darüber hinaus kannst Du zusätzlich einiges beachten. Du solltest Dir präzises Arbeiten angewöhnen. Es ist wichtig, bei einem kinästhetischen Anker immer genau an der gleichen Stelle zu drücken, bei einem akustischen Anker immer wieder genau den gleichen Ton zu erzeugen, bei einem visuellen Anker immer wieder die gleiche Vorstellung zu erzeugen, wenn Du den Anker auslöst. Hört sich für Dich vielleicht banal an, sollte es eigentlich auch sein. 

Nimm für einen akustischen Anker einen einfachen Ton, beispielsweise den einer Klangschale, den Du leicht immer wieder genau so erzeugen kannst. Benutze für einen kinästhetischen Anker Deine ganze Hand zum Ankern und nicht nur die Fingerspitze. Ankere damit an einer Position, die Du einfach wieder findest, und wo die Nerven nicht so dicht beieinander liegen, Eine gute Stelle ist beispielsweise am Rücken in der Nähe des Schulterblatts. Nutze am Besten eine einmalige Stelle, also eine Stelle, die nicht so schnell von jemand anderem genutzt werden kann. So ist zum Beispiel das Händeschüttel kein idealer Anker, es sei denn, Du möchtest, dass ein gewisser Zustand mit jedem Händeschütteln ausgelöst wird. Beachte dabei, dass Du um so einen Anker zu setzen wirklich intensive Zustände brauchst. 

Anker auflösen mit der FPC

Es gibt in Deinem Leben bestimmt eine Menge an Verhalten, das Du glaubst, nicht kontrollieren zu können und deshalb gerne loswerden möchtest. Vielleicht rauchst Du, wiegst ein paar Kilogramm zu viel, machst zu wenig Sport, isst das Falsche…. oder schlimmer: Ängste aller Art, Angst vor Tieren, Klaustrophobie, Du weißt bestimmt, was ich meine.

All das sind in Dir vorhandene Anker (so kannst Du sie zumindest behandeln), deren Ursache-Wirkungsverhältnis Du auflösen kannst, wenn Du möchtest. Die Fast Phobia Cure (eine NLP Technik) durchschneidet das neurophysiologische Band zwischen Ursache und Wirkung. Darüber habe ich ausführlich geschrieben. Du kannst Dich HIER informieren.

Übung: Anker für gute Gefühle

Hier noch eine kleine Aufgabe mit großer Wirkung: Überlege Dir einen visuellen oder akustischen Anker für „gute Gefühle“ und installiere diesen Anker bei unterschiedlichen Personen mehrmals. Installiere ihn immer genau in der gleichen Art, so lange, bis er zuverlässig funktioniert. Nutze immer genau diesen Anker, wenn Du Menschen in Deiner Umgebung gute Gefühle machst. Ankere auch DEINE guten Gefühle immer auf diesem Anker. Dieses Vorgehen hat zwei ganz große Vorteile:

Zum Einen weißt Du immer, mit welchem Anker Du bei Dir und anderen Menschen gute Gefühle auslösen kannst, selbst nach vielen Jahren. Und zum Anderen wird das Installieren und das Auslösen von guten Gefühlen schnell zur Gewohnheit. Diese „Gewohnheit“ integriert und generalisiert sich nach einiger Zeit. Dann machst Du es unbewusst, Du „lebst NLP“. Ich wünsche Dir nun viel Spass beim ersten Ausprobieren. Und denke daran: die beste Möglichkeit, Ankern zu lernen und überhaupt NLP zu lernen, besteht darin, einen Workshop von mir zu besuchen. Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit.

Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose
Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose

Seit über 25 Jahren lehre ich Menschen das Modell von NLP und die Techniken von Hypnose. Ich glaube fest daran das jeder Mensch in sich die Ressourcen trägt um sein Leben selbständig und nach eigenen Maßstäben zu gestalten.

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