Geschichten erzählen – Storytelling für Anfänger

Wie Du lernst, eine gute Geschichte zu erzählen

Kannst Du eine Geschichte so packend erzählen, dass sie Deine Zuhörer begeistert? So sehr, dass die vermittelten Inhalte für immer im Gedächtnis hängen bleiben. Das ist die grosse Kunst der metaphorischen Vermittlung von Wissen. Mit Deiner Geschichte vermittelst Du Wissen, teilst Erfahrungen und veränderst nebenbei wichtige Glaubenssätze und das Wertegefüge Deiner Zuhörer. Wenn Du andere Menschen zu positiven Veränderungen motivieren willst, ist es deshalb sinnvoll, Deine Inhalte in spannende Geschichten zu verpacken. Willst Du lernen, wie persönliche Veränderung durch erzählte Metaphern funktioniert? Deine Reise beginnt bei den Geschichten, die Du erzählst. Sie transpotieren Deine Inhalte.

Storytelling: Einfach Geschichten erzählen Buch

Ganz am Anfang steht deshalb Deine Fähigkeit, eine packende Geschichte zu erzählen. Diese Fähigkeit, hilft dem Verkäufer, Kunden für sein Produkt zu begeistern; dem Chef, sein Team zu motivieren, dem Bewerber, den Personalleiter zu überzeugen und dem Lehrer, seinen Schülern fundiertes Wissen und die richtigen Werte zu vermitteln. Wo auch immer DU beginnst: gute Geschichten werden seit Anbeginn der Menschheit erzählt. Die frühesten geschriebenen Zeugnisse der Menschheit aus Indien und dem Zweistromland sind aufgeschriebene Geschichten mit ihren moralischen Konsequenzen. Auch die Bibel transportiert die Glaubenswerte, die sie vermitteln will, über Geschichten, die durch Jahrtausende überliefert wurden.

Der Spannungsbogen

Damit Du eine gute Geschichte erzählen kannst, solltest Du darüber nachzudenken, wie Du die Handlung gestaltest. Das Fachwort dafür ist Dramaturgie. Die klassische Dramaturgie der Handlung einer guten Geschichte, wie wir sie heute kennen, beginnt in Griechenland. Auch wenn die Inhalte der in der Gegenwart erzählten Geschichten andere sind, eine optimal gestaltete Geschichte folgt noch immer den Regeln der klassischen griechischen Dramaturgie.

Das griechische Wort δςαμα [Drama] bedeutet eigentlich nur „Handlung“. Dramaturgie in unserem Sprachgebrauch meint aber mehr. Es bedeutet, dass die Handlung einer Geschichte so konstruiert ist, dass sie einen Spannungsbogen erzeugt. Der Zuhörer bleibt damit aufmerksam und aktiv bei „der Sache“. Der Spannungsbogen einer guten Dramaturgie folgt der Heldensaga. Jede gute Geschichte ist am Ende wie eine klassische Heldensaga aufgebaut. Das klingt das konstruiert und kompliziert. Stimmt aber nicht. Wenn Du Dich für die Hintergründe interessierst und wissen willst, wo überall sich die Elemente der griechischen Heldensaga wiederfinden, lies das Buch von Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten.

Wichtige Elemente Deiner guten Geschichte

Es geht allerdings auch erst einmal einfacher: Beobachte aufmerksam Dein Umfeld und lausche den Geschichten guter Freunde. So findest Du jede Menge Geschichten, die den Prinzipien der Heldensaga verpflichtet sind . Meist sind sie unbewusst so gut aufgebaut, enthalten aber die wichtigen Elemente einer dramaturgisch gut gestalteten Geschichte. Schau mal, wahrscheinlich kennst Du die nachfolgende Struktur schon aus Hollywoodfilmen, Fernsehserien, Bestseller-Büchern und vielen anderen Bereichen. Dort spielen gute Geschichten naturgemäss eine wichtige Rolle.

Elemente einer guten Geschichte

  1. Eine emotional bedeutende Ausgangssituation.
  2. Eine sympathische, handelnde Hauptfigur.
  3. Überwundene Konflikte und Hindernisse
  4. Eine dynamische Entwicklung (Vorher-Nachher-Effekt).
  5. Einen Höhepunkt, der in der Moral der Geschichte endet.

Mit etwas Beobachtungsgabe, wie Du sie in der Grundausbildung im NLP lernst, schöpfst Du aus Deinen Erlebnissen des Alltags jede Menga an lebendigen und ergreifenden Geschichten. Oft werde ich gefragt, ob Du denn all die Geschichten selbst erlebt haben musst? Naja, Karl May war auch nie bei den Indianern. Die Autentiziät der True Stories jedoch, wie sie im Fachjargon genannt werden, wirkt stark auf die Aufmerksamkeit Deiner Zuhörer. Märchen hat Dir Oma bereits erzählt, die wahre Geschichte Deines Erfolges und der Hindernisse, die Du überwunden hast, sie interessiert Deine Zuhörer viel mehr.

So, und deshalb kommen wir jetzt ins MACHEN. Beginne damit, bei jeder Gelegenheit Geschichten zu erzählen. Das mag Dir anfangs schwer vorkommen, übt sich jedoch schnell ein. Als ausgezeichnetes Publikum eignen sich Kinder. Wenn Du leuchtende Augen siehst, wenn alle Kinder ruhig und still sitzen und Du eine Stecknadel fallen hören würdest, dann bist Du richtig unterwegs. Wenn sich die Kinder langweilen, wenn sie streiten und krakeelen, hast Du Nachhilfe nötig.

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9 kluge Tipps für eine gute Geschichte

Wenn Dir das bisher Geschriebene zu theoretisch war, kannst Du bestimmt mit den nachfolgenden Tipps etwas anfangen. Du kannst Dir jeden Tag oder jede Woche ein anderes Thema vornehmen und in Deine Geschichten einbauen. Schliesslich beginnst Du a sofort damit, Deine Inhalte in spannende Geschichten zu verpacken. Die nachfolgenen Tipps haben mir geholfen, meine Fähikgkeit zum Geschichtenerzählen weiter zu entwickeln.

1. Hole Deine Zuhörer dort ab, wo sie gerade sind.

Als guter Geschichtenerzähler holtst Du Deine Zuhörer auf Augenhöhe ab. Du vermittelst Empathie. Idealerweise geschieht dies direkt mit dem Einstieg. Du kannst dazu die „wahren Wahrheiten“ nutzen. Das sind Bemerkungen und Sätze, von denen Du annehmen kannst, dass sie für die gesamte Gruppe der Zuhörer gelten. Beispiel: „Guten Tag, was für ein schöner Tag draussen. Ich nehme an, Sie, lieber Zuhörer würden gerne einen so schönen Tag draussen verbringen, wenn es nicht einen wichtigen Grund gäben, hier zu sitzen. Ihr Interesse vorausgesetzt werden wir uns heute mit xyz beschäftigen. Ich vespreche Ihnen, es wird ein spannender Tag werden….“ Erkennst Du das Prinzip?

2. Warum willst Du gerade diese Geschichte erzählen?

Was ist Deine Botschaft? Was möchtest Du Deinen Zuhörern mit auf den Weg geben? Wohin willst Du mit Deiner Geschichte gelangen und: welches Ziel willst Du mit Deiner Geschichte erreichen? Beginne beim Ende mit der Frage, was Deine Zuhörer gelernt und gefühlt haben sollen. Dazu fällt Dir sicherlich eine passende Geschichte aus Deinem Leben ein, die eine solche Moral beinhaltet. Schliesslich hast DU Dich ja wahrscheinlich ebenfalls schon mit solchen Fragen beschäftigt.

3. Deine Geschichte muss zu Dir passen.

Deine Geschichte soll authentisch sein. Sie soll Dich, Deine Persönlichkeit und Deine Werte widerspiegeln. Es funktioniert nicht, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken. Das merken Deine Zuhörer schnell. Die beste Basis bildet eine selbst erlebte Geschichte. Diese darfst Du durchaus dramaturgisch verändern, ander gewichten oder nötige Elemente einer anderen, selbst erlebten Geschichte hinzufügen. Hauptsache, Du hast alle Elemente selbst erlebt. Damit kannst Du die Teile Deiner Geschichte auch farbig und detailreich erzählen.

4. Lasse Deine Zuhörer an der Geschichte teilhaben.

Bewegende Geschichten sind häufig indirekt interaktiv aufgebaut. Sie lassen den Zuhörer zu einem Teil der Handlung werden. Dazu kannst Du beispielsweise Sprachmuster aus dem Modell von NLP nutzen. Du kannst Deine Geschichte in der Ichform beginnen: „‚Eines Tages wanderte ich in den Alpen. Der Weg wurde steiler und steiler, bis plötzlich nur noch ein schmaler, in den Felsen geschlagener Steig weiter führte.“

Gut eingeleitet, jetzt ist die Zeit zur Teilhabe gekommen. Du versetzt den Zuhörer direkt in die Situation, indem Du in der Satzstruktur seines internen Dialogs sprichst: „Oh Mann ist das tief! Ob ich mich da hinüber gehen traue? Na schön, ich versuche es einfach einmal….!“ Verstehst Du das Prinzip? Ein klug eingebauter Perspektivwechsel und die entsprechende wörtliche Rede versetzt Deinen Zuhörer als handelnden Teil mitten in die Situation.

5. Mache Dich angreifbar.

Für eine gute Geschichte wirst Du etwas von Dir preisgeben müssen. Teile Deine Ängste und Sorgen mit den Zuhörern. So gibst Du Deinem Publikum die Chance, sich mit der Situation emotional zu identifizieren. Auch wenn Du anfangs etwas Mut dazu brauchst: Denke daran, dass niemand Dir glaubt, wenn Du einen perfekten Menschen ohne Fehl und Tadel vorspielst. In jeder guten persönlichen Geschichte findet sich der Zuhörer – auch mit seinen Schwächen – ein Stück weit wieder.

6. Sprich das Herz Deiner Zuhörer an.

Eine wirklich gute Geschichte provoziert emotionale Reaktionen beim Publikum. Ob sie lachen, weinen oder wutentbrannt aufschreien ist am Ende egal. Wichtig ist, dass Du sie mit Deiner Geschichte mitreißt. Emotionen verbinden die Zuhörer miteinander und Dich mit Deinen Zuhörern. Wer gemeinsam lacht, fühlt sich für einen kurzen Moment der ganzen Gruppe verbunden.

7. Sprich den Verstand Deiner Zuhörer an.

Keine gute Geschichte ist nur dazu da, das Publikum zu unterhalten. Eine gute Geschichte regt Deine Zuhörer zum Denken und Nachdenken an. Sie bietet Einsichten, Orientierung und Wertevermittlung .

8. Halte das, was Du versprochen hast.

Der grösste Fehler, den Du machen kannst, besteht darin, die Erwartungen Deines Publikums nicht zu erfüllen. Meist hast Du diese Erwartungen ins Leben gerufen. Wenn Du etwa eine Frage stellst, wenn Du ein Problem erläutern willst, wenn Du etwas aus dramaturgischen Gründen auf später verschiebst: löse die Rätsel auf, die Du Deinen Zuhörern gegeben hast. Es gibt kaum etwas Frustrierenderes für Deine Zuhörer, als eine versprochene Antwort am Ende nicht zu bekommen. Deine Zuhörer schenken Dir Zeit und Du darfst Deine Geschichte erzählen. Willst Du, dass Deine Zuhörer glauben, sie hätten ihre Zeit verschwendet?

9. Erzähle farbig und mit vielen Details: Eigenschaftswörter

„Vor ein paar Tagen war ich im Wald unterwegs. Plötzlich sah ich einen schönen Baum!“ Na, das kannst Du bestimmt besser, oder? „Im dämmrigen Zwielicht der anbrechenden Nacht war ich auf müden Füssen unterwegs. Da streckten mir die Bäume ihre dürren Äste entgegen. Eine alte, knorrige Eiche mit tiefhängenden Zweigen rief mir entgegen: Wohin des Weges, Du später Wanderer?“ Das ist nicht nur poetisch sondern auch sehr detailreich erzählt. Der Text ist nicht von mir, Theodor Fontane hat das geschrieben. Viele und genaue Details und passende Eigenschaftswörter erwecken die Fantasie Deines Zuhörers zum Leben und starten einen Film im Kopf.

Dein Weg in die Praxis

Ich habe es weiter oben angedeutet: Du kannst diesen Artikel auswendig lernen und trotzdem immer noch langweilige Geschichten erzählen. Der Weg zum guten Geschichtenerzähler für nicht über das Lesen von Büchern, sondern über das Üben, Üben und nochmals: das Üben. In nahezu jeder Situation ist es mir lieber, meine Ideen, Überzeugungen und Theorien in eine gute Geschichte zu verpacken. Dann weiss ich, dass mit meine Zuhörer folgen. So wird es auch Dir ergehen.

Ich schlage Dir vor, bevor Du Bücher liest, erst einmal für ein paar Tage jede Menge an Geschichten zu erzählen. Wenn Du dann Joseph Campbell oder Wolfgang Schneider (Deutsch für Profis) oder Ludwig Reinerwws (Stilfibel) liest, wird sich der vermittelte Inhalt viel direkter erschliessen. Vielleicht reisst Du Dich auch einfach einmal aus Deiner abendlichen Einsilbigkeit, schaltest den Fernseher ab, öffnest eine gute Flasche Wein und beginnst mit den Worten „Also, ich muss Dir mal erzählen, was ich heute erlebt habe….!“ mit Deiner Geschichte.

Es mag durchaus sein, dass Dein Partner erst einmal grosse Augen macht. Neben einem schnell verflogenen Abend bekommst Du die Befriedigung, etwas für Deine Beziehung getan zu haben und zusätzlich etwas gelernt zu haben. Und wer weiss, vielleicht öffnet sich danach das Tor für weitere, gute Geschichten. Du glaubst mir nicht? Probiere es einfach aus! Lass Dich nicht von ersten Fehlschlägen entmutigen. Du weisst: Helden brauchen Hindernisse. Du kannst nur gewinnen.

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