Vom Geben und Nehmen

Über den Umgang mit Deinem Sozialkonto

Durch Deine Erfahrungen mit dem Internet und mit der zunehmenden Beliebigkeit bei Entscheidungen hat sich vermutlich auch Dein Umgang mit dem Thema „Geben und Nehmen“ verändert. Heute versuche ich eine Bewertung der moralischen Dimensionen dieser Eigenschaften. Vielleicht gibt sie Dir etwas Orientierung, im besten Falle änderst Du Deine Ansichten und damit Dein Verhalten.

Wenn Du jemandem etwas gibst, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, dann nennt man das Altruismus. Das ist eine gute Eigenschaft, sagt die Bibel und sagt die allgemeine gesellschaftliche Moral. Und was sagst Du? Bis zu welchem Punkt bist Du bereit zu geben, ohne dafür etwas zurück zu bekommen? Wie gehst Du mit dem nagenden Gefühl der Ungerechtigkeit um, das sich ab und zu einschleicht, wenn die „Sauger“ gar nicht genug bekommen können?

Vielleicht sind Deine Motive verborgener, vielleicht erwartest Du Deine Gegenleistungen in längerem Zeithorizont. Heute bekommst Du für das, was Du hergibst, vielleicht nichts. Wie aber verhält es sich morgen, oder später oder in ein paar Jahren? Wirst Du, wenn Du ihn wirklich brauchst, Deinen verdienten Lohn erhalten? Oder ist dir das egal und Du gibst, wann Du willst – und das freizügig?

Das Prinzip der Gegenseitigkeit

Meist beginnt es ja mit den Anderen. Eine der wichtigsten Grundlage des gesellschaftlichen Prinzips der Gegenseitigkeit ist der Versuch, das, was uns andere Personen irgendwann einmal gegeben haben, als Dankbarkeit zurückzugeben. Damit Du dies besser verstehst, gibt es eine Erklärung, die bis in die Vorzeit zurückreicht: Damals mussten die Menschen teilen, um zu überleben. Wissen, Werkzeuge, Essen und die Höhle. Sogar Sex. Es war die Solidarität des Einzelnen in der Gemeinschaft, die das Überleben Aller sicherte.

Diese damals lebensnotwendige Sozialeigenschaft ist uns bis heute, hart im Gehirn verdrahtet, erhalten geblieben. Nur die Voraussetzungen dafür haben sich gewaltig geändert. Du besitzt einen angeborenen Sinn für das, was Du anderen gibst, und für das, was Du von anderen bekommst. Auch wenn Du es nicht bewusst wahrnimmst. Dafür richtet sich Dein Unbewusstes eine Art virtuelles Bankkonto ein. Eines für gegenseitiges Geben und Nehmen, für Deine sozialen Schulden und Guthaben.

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Leider jedoch ist nicht alles Gold, was glänzt. In unseren modernen Zeiten haben viele Menschen keine moralischen Skrupel, den sozialen Schuldenberg auf ihrem Konto ins Unermessliche wachsen zu lassen. Sie nehmen und nehmen – und denken überhaupt nicht daran, zu geben. Egoismus nennt man das, was durch anerzogenes Konsumverhalten in den letzten Jahrzehnten als treibende Kraft in unserer Gesellschaft immer stärker wird.

Dein Unterbewusstsein hat einen Sinn dafür, wenn Du mehr nimmst, als Du gibst. Dann willst Du aus subbewussten Entscheidungskriterien Deiner Vergangenheit heraus zurückgeben. Diesen Sinn für Handlungen auf der Basis moralischer Schulden nutzen Andere oft skrupellos aus. Der Ansatz folgt dem Prinzip: „Ich mache etwas für jemanden, damit er sich verpflichtet fühlt, etwas für mich zu machen.“ So entsteht eine künstliche Leistung auf Gegenseitigkeit. Das heißt, man jemand hilft Dir, damit Du ihm später einen Gefallen schuldest.

Das kannst Du auch ganz anders nutzen!

Die Jünger Krishnas schlagen aus dieser Dynamik großen Profit. Sie gehen auf die Straße, schenken Dir Blumen und erklären Dir daraufhin, dass sie Geld für ihre Stiftung sammeln. Wegen des Geschenks fühlst Du Dich verpflichtet, etwas zu spenden. Zumal es ja obendrein für einen guten Zweck ist. Wo das Geld dann landet, wird nie jemand erfahren…

Übeleg Dir einmal, wie oft Du aus vermeintlicher Unverbindlichkeit Geschenke in Form von Büchern, Erfrischungsgetränken, Kugelschreibern erhältst – und was der tiefere Sinn dahinter sein könnte. Jungs in der PickUp Szene (Mädels abschleppen lernen) wissen sich diesen Effekt ebenfalls zunutze zu machen.

Sie laden ein Mädchen, das sie gerade erst kennengelernt haben, auf einen Drink ein. So erzeugen sie in ihrem Gegenüber ein Gefühl von „Verschuldung“, insbesondere ein sexuelles Verschulden. Im 21. Jahrhundert erscheint dies unlogisch, aber vor vier Jahrtausenden war dies überlebenswichtig. Wenn Dich dieses Thema genauer interessiert, lies das Buch von Christopher Ryan: Sex at Dawn

Gibst Du – ohne Gegenleistung zu erwarten?

Die meisten Menschen würden diese Frage sofort bejahen, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. In Wirklichkeit erwartest Du jedoch auf irgendeine Weise immer, dass Du etwas zurück bekommst. Das bedeutet nun nicht, dass Du direkt auf ein Geschenk wartest. Es braucht überhaupt nichts Materielles zu sein. Wie wäre es zum Beispiel mit guten Gefühlen. Dem Anderen etwas zu geben macht Dir ein gutes Gefühl. Du hast „etwas Gutes getan“, Du kannst stolz auf Dich sein.

Siehst Du, so versteckt können die heimlichen Erwartungen sein. Vielleicht wartest Du ja nur auf den richtigen Zeitpunkt, dem Anderen direkt zu sagen, was Du alles für ihn oder sie bereits gemacht hast. Vielleicht baust Du auch darauf, dass Dich etwas Höheres für Dein Geben belohnt. Spätestens, wenn sich die Tore zum Himmel für Dich öffnen, wirst Du Deinen verdienten Lohn bekommen. So macht man Gläubige zu willigen Untertanen.

Ist reiner Altruismus überhaupt möglich?

Das ist selbstverständlich eine rein rhetorische Frage. Nein, reines Geben ist nicht möglich. Ich denke mir jedoch, es lohnt sich, über einen vermehrten Sinn am Geben Gedanken zu machen. Irgend jemand muss doch einmal damit beginnen. Wie wäre es zum Beispiel mit guten Gefühlen. In allen meinen Workshops lernst Du als Erstes, wie es funktioniert, Dir selbst gute Gefühle zu machen. So viele gute Gefühle, daß Du reichlich und zu jeder Zeit davon abgeben kannst.

Du musst also nicht auf Geld und Gut verzichten. Du musst nicht hungern, damit andere genug zu essen haben. Du kannst viel einfacher mit dem Geben beginnen. Generell rate ich Dir, Dich mehr um die Menschen in Deinem Umfeld zu kümmern und das Geben von guten Gefühlen zu üben. Vielleicht in der Form ehrlich gemeinter Komplimente. Das ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, Dich in Altruismus zu üben.

Es genügen wirklich simple Handlungen: Verzichte einfach auf Deinen Sitzplatz im Bus. Öffne jemandem die Türe, der es braucht. Lass die Dame im Supermarkt vor, weil sie nur eine Kleinigkeit kauft. Hilf Deinem Sohn bei seinen Schulaufgaben, hilf Deiner Tochter, ihre Schuhe zu binden. Bereite das Abendessen für deine Familie vor, obwohl Du ein Mann bist. Du merkst schon: Dein Alltag ist voller kleiner Möglichkeiten für Altruismus.

Und zum Schluss verrate ich Dir ein moralisches Geheimnis: Wer anderen gute Gefühle bereitet, verändert unmerklich seine Umgebung und legt damit den Grundstein, genau in der Welt zu leben, die er sich ausgesucht hat. So funktioniert das, nicht anders herum. Viel Spass und Erfolg beim Ausprobieren.

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2 Kommentare

  • Gerade die ganzen Kleinigkeiten machen für mich persönlich das Leben so viel schöner und bunter. Manchmal reicht es schon, jemandem ein Lächeln zu schenken, der davon normalerweise nicht verwöhnt wird. Oder Menschen mit Achtung zu begegnen, die dies eher selten erfahren (ich denke da z.B. an viele der Motz-Verkäufer usw., bei deren Anblick sich viele mittlerweile sofort wegdrehen. Warum nicht freundlich nein sagen? Oder eben ab und an auch mal eine kaufen oder spenden?) Und ja, das ist nicht wirklich altruistisch, weil es mir natürlich gute Gefühle macht. Aber (vielleicht) zweimal gute Gefühle auf einmal – das ist doch jedenfalls, wie es heute immer so schön heißt, eine echte win-win-Situation. :)

    Antworten
  • Lieber Chris,

    wie lustig nach deinen tollen Gedanken zum Altruismus eine Audio Produktion von dir angeboten zu bekommen????.

    Ganz liebe Grüße
    Bettina

    Antworten

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