Achtsamkeit und persönliche Entwicklung in der Küche

Was Du beim Kochen und Essen über Dich lernen kannst

Vor einigen Wochen sah ich ein Video, in dem ein Fitness Influencer sein neues Kochbuch vorstellte. Nun gibt es ja wirklich viele Kochbücher auf dem Markt. Fast täglich erscheint ein neues Buch und geht den Trends nach, die gerade in Mode sind. So auch hier. In den turbulenten Wochen danach habe ich die Inhalte des vorgestellten Buches längst wieder vergessen. Eine Szene aus seinem Video ist mir jedoch im Gedächtnis haften geblieben: Er schneidet Zwiebeln. Nein, er erlegt eine Zwiebel am Küchentisch. Er schält sie nicht, er zerhackt sie, ungeschält, mit einem offensichtlich stumpfen Messer in grobe Teile. Er kämpft mit der widerspenstigen Zwiebel. Sein Gesicht lässt erkennen, dass ihm das Kochen keinen Spass macht.

Mehr Achtsamkeit für Dein Leben

Dazu fällt mir Jonas ein, einer meiner guten Freunde. Er ist Koch von Beruf und Berufung. Ihm sehe ich gerne beim Vorbereiten seiner Mahlzeiten zu. Selbst die nebensächlichsten Arbeiten führt er mit gleichbleibender Präzision und Achtsamkeit aus. Auf die Frage, warum er das macht, antwortet er:

“Schliesslich bin ich dafür verantwortlich, dass meine Gäste essen um zu Leben und dies geniessen wollen!”

Seine Aussage hat mich auf den Gedanken gebracht, Dir in diesem Artikel die Tugend der Achtsamkeit näher zu bringen. Ich nehme das Beispiel der Küchenarbeit, weil das Essen und Zubereiten jeden Menschen betrifft – auch Dich.

In vielen Artikeln ist die Achtsamkeit Thema und mir scheint es heutzutage fast ein Modewort zu sein. Jenseits dieser Mode hat die “Anwendung” von Achtsamkeit viele Vorteile für Dich:

  • Sie stärkt Deine Konzentration und Deinen Fokus
  • Sie hilft Dir, Dich mit Anderen zu verbinden
  • Sie verstärkt Deine positiven Gefühle
  • Sie fördert auf vielen Ebenen Deine Gesundheit

Bereits in den Reden des Buddha im Pali-Kanon aus dem ersten Jahrhundert vor Christus finden sich Zeugnisse, dass in der altindischen Urgemeinde die Praxis der Achtsamkeit zum Zwecke befreiender Einsichten weit verbreitet war. Achtsamkeit ist also auch jenseits der Moden eine Jahrtausende alte “Technik”.

Was ist Achtsamkeit?

Beim Lesen des letzten Absatzes hast Du bestimmt bemerkt, dass ich einige Worte in Anführungszeichen gesetzt habe. Achtsamkeit ist nach meiner Erkenntnis ein eigener Zustand und wird mit den Wörtern “Anwendung”, “Fokus”, “Technik” und “Aufmerksamkeit” eingekreist, jedoch nicht genau getroffen. Die Achtsamkeit, die ich hier beschreibe, sie hat nicht nur mit dem zu tun, was Du tust. Sie beginnt weit im Vorfeld, bei Deinen Gedanken. Achtsam bist Du, wenn Du eine Tätigkeit ganz im Hier und Jetzt ausführst, ohne ablenkende Gedanken und ohne störenden internen Dialog.

Wenn ich den letzten Absatz auf das Kochen und Essen anwende, habe ich gleich ein angenehmes Gefühl. Ich meine, in der Küche bist Du Achtsam, wenn Du ein positives, friedliches, angenehmes Verhältnis zum Einkaufen, Zubereiten und dem anschliessenden Essen hast. UND wenn Du Deine Tätigkeiten ganz im Hier und Jetzt ausführst, ohne… aber diesen Teil kennst Du ja aus dem letzten Absatz. Ist das bei Dir so?

Achtsamkeit beim Einkaufen der Zutaten

Bereits auf dem Weg zum Supermarkt hilft Dir Achtsamkeit. Du wirst viel weniger Geld ausgeben und Dein mögliches Budget einhalten, wenn Du Dir ein Mantra einprägst:

“Alles, was ich in den Einkaufswagen lege, ist Nahrung für meinen Körper. Ich brauche aus dem Supermarkt keine Nahrung für meinen Verstand oder meine Gefühle.”

Hast Du Dir überlegt, was Du brauchst, damit Dein Körper mit der nötigen Energie versorgt wird? Im Supermarkt findest Du lange Regale mit leeren Speisen, künstlich zusammengesetzt, mit viel Zucker, Salz und Gewürzen. Du findest im Kühlregal jede Menge an vorbereiteten Mahlzeiten, die Du “nur” in der Mikrowelle zu erhitzen brauchst. Wenn Du Dich nur damit versorgst, hast Du dann ein Bewusstsein darüber, wie wenig Dich der Konsum dieser “Speisen” zufrieden macht? Hast Du Dich informiert, welchen Schaden Du Deinem Körper mit längeren Perioden solchen Missbrauchs zufügst?

Es gibt für Deine Ernährung eine einfache Regel:

So roh wie möglich, so wenig Zutaten, wie möglich und so frisch wie möglich.

Das führt am Ende vielleicht dazu, dass Du Dir Gedanken machen müsstest, um herauszufinden, was Du wirklich einkaufen, zubereiten und essen möchtest.

Deine Achtsamkeit kann Dir im Supermarkt auch anders nützlich sein. Sagt Dir Dein “Bauchgefühl”, dass Du die ersten und teuren Erdbeeren weit vor der Saison, den importierten gegrillten Lachs oder die große Packung frischer Wasabi-Nudeln tatsächlich mit Genuss essen wirst? Ist dieser Kauf etwas Besonderes für Dich oder kaufst Du diese Dinge quasi auf Autopilot? Achtsamkeit bedeutet hier, dass Du dem treu bleibst, was Du aus Deinem Inneren kommend für Dich herausgefunden hast. Vor allem, wenn das Leben von Dir verlangt, größere Zeiträume außerhalb Deiner gewohnten Komfortzone zu verbringen.

Das Wort Karma ist in diesem Zusammenhang ein mächtiges Wort. Es ist die Energie in Deinem Leben, die Du durch Deine Gedanken und Handlungen erschaffst und lenkst. Im NLP sagt man “Weltsicht” dazu. Wenn Du jahrelang die Erfahrung gemacht hast, etwas auf eine bestimmte Art und Weise zu tun, kann eine plötzliche und starke Veränderung dazu führen, Deine stärksten Stärken und Deine subbewussten Signale zu ignorieren. Es kann in solchen Zeiten eine Herausforderung sein, Dir bewusst zu machen, wer Du bist, und wie Du wieder in ein Gleichgewicht mit der Welt um Dich herum findest.

Achtsamkeit bei der Zubereitung

Wenn Du für Dich, für die Familie oder für Freunde kochst, und Achtsamkeit praktizierst, wirst Du weit mehr Genuss aus Deinen Tätigkeiten schöpfen als jemand, der nur mit halbem Herzen bei der Sache ist. Wenn Du mit Achtsamkeit Deine Zutaten besorgt hast, liegen sie nun frisch und appetitlich auf Deinem Tisch. Du hast Dir überlegt, welche Speisen Du aus Deinen Zutaten gestalten willst. Selbst wenn Du kein großartiger Koch bist, kannst Du Deine Gäste oder “nur” Dich selbst auf Deine ganz eigene Art verwöhnen und Dich ganz nebenbei selbst besser kennenlernen.

Es gibt eine Menge an wunderbaren Kochrezepten, die wirklich einfach zuzubereiten sind. Wenn Du ganz am Anfang stehst, stöbere doch mal in youtube oder lese Timothy Ferris Buch Der 4-Stunden-(Küchen)-Chef) bzw. The four hour Chef im englischen Original. Wichtig ist, jeden Schritt bei der Zubereitung der Speisen mit Achtsamkeit zu tun. Du wirst Dir viele Fragen zu beantworten haben, wenn Du kochst oder vorbereitest, und ganz im Hier und Jetzt etwas Gutes für Dich und Deine Gäste gestaltest. Wenn Du aus übrig gebliebenen Früchten ein Glas Marmelade kochst, kann alleine durch Deine Achtsamkeit daraus eine “satte Liebesmarmelade” werden. Und sie wird lustvoll, verführerisch und sehr sinnlich schmecken. So kann die Zubereitung von Essen ein anregendes und gleichzeitig meditatives Erlebnis sein.

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Achtsamkeit beim Essen

Die Achtsamkeit beim Essen ist eine uralte Praxis im asiatischen Raum. Sie hat tiefgreifende Anwendungen in unserer heutigen, von Nahrungsmitteln überschwemmten Welt. Das achtsame Essen gibt Dir eine Struktur, mit der Du lernen kannst, die Achtsamkeit auf alle Aspekte des Essens anzuwenden. Ich habe Dir nachfolgend eine Reihe von Fragen aufgeschrieben, die Du Dir bei Gelegenheit stellen und über die Antworten nachdenken kannst.

Wenn Du beim nächsten Mal bei einem Mahl sitzt, kannst Du Dich beispielsweise fragen “Bin ich gerade hungrig?” Diese Frage scheint einfach. Sie öffnet Dir jedoch die Türe zum Verständnis, warum, wann, was, wie und wie viel Du isst. Das achtsame Essens beginnt bei der Frage, warum Du überhaupt isst, und reicht bis zum Verständnis, wohin Du die Energie investierst, die Du mit Deinem Essen konsumierst

Ein paar Fragen zur Achtsamkeit beim Kochen und Essen

WARUM
Warum esse ich?

  • Warum denke ich, dass ich esse?
  • Warum esse ich etwas, obwohl ich nicht hungrig bin?
  • Warum esse ich, obwohl ich mir vorgenommen habe, es nicht zu tun?

WANN
Wann esse ich?

  • Wie oft habe ich Lust zu essen?
  • Wie weisst Du, ob Du Hunger hast?
  • Kennst Du den Unterschied zwischen körperlichem Hunger und Hunger im Kopf?
  • Wie kann ich meine Aufmerksamkeit vom Essen ablenken, bis ich hungrig bin?
  • Was kann ich tun, um mit den emotionalen Auslösern für das Essen umzugehen?
  • Wann bedeutet “Ich will einen Kaffee” eigentlich “Ich brauche eine Pause”?

WAS
Was esse ich?

  • Was esse ich an einem typischen Tag?
  • Würde mir ein Tagebuch helfen, meine Muster zu erkennen?
  • Welche Arten von Lebensmitteln esse ich, wenn ich aus emotionalen Gründen esse?
  • Schränke ich mich beim Essen selbst ein, und esse dann später zu viel von davon?
  • Fühle ich mich schuldig, wenn ich esse?
  • Habe ich Angst, die Kontrolle zu verlieren, wenn ich bestimmte Lebensmittel esse?
  • Auf welche gesundheitlichen Aspekte werde ich achten, wenn ich entscheide, was ich esse?
  • Was könnte ich essen, damit ich mich besser fühle und gesünder werde?
  • Gibt es Bereiche meiner Ernährung, die ich verbessern kann?
  • Was möchte ich bis wann ändern?
  • Welche Lebensmittel kann ich auf Vorrat halten, um sie zu essen, wenn ich hungrig bin?

WIE
Wie esse ich?

  • Esse ich, während ich abgelenkt bin?
  • Esse ich so, als ob ich das Essen liebe?
  • Esse ich schnell und schmecke mein Essen kaum?
  • Esse ich im privaten Bereich anders als in der Öffentlichkeit?
  • Könnte ich einen längeren Artikel für ein Gourmet-Magazin über meine letzte Mahlzeit schreiben?

WIE VIEL
Wie viel esse ich?

  • Wie fühle ich mich, wenn ich mit dem Essen fertig bin?
  • Gefällt mir das, was ich fühle?
  • Fühle ich mich gezwungen, meinen Teller leer zu essen?
  • Wenn ich nicht hungrig bin, wenn ich anfange zu essen, woher weiß ich dann, wann ich aufhören muss?
  • Welche Situationen oder Gefühle veranlassen mich zum Überessen?
  • Was könnte ich tun, um meine Auslöser für übermäßiges Essen effektiver anzugehen?
  • Was tue ich, wenn ich trotzdem zu viel gegessen habe?

WO
Wo investiere ich die Energie hin, die ich verbrauche?

  • Bin ich körperlich aktiv?
  • Sehe ich zu viel fern oder verbringe ich zu viel freie Zeit vor dem Computer?
  • Wie halte ich es mit der Bewegung?
  • Mache ich Sport? Welche Aktivitäten mache ich gerne?
  • Benutze ich Sport, um mich für das Essen zu bestrafen oder um mir das Recht auf Essen zu verdienen?
  • Was mache ich mit meiner Energie (z. B. mit meinen Kindern spielen, meinen Hobbys nachgehen, mich ehrenamtlich engagieren, reisen, Zeit mit Freunden verbringen usw.)?
  • Gibt es etwas, das ich gerne tun würde, aber nicht tue?
  • Was sind meine Ziele für meine Beziehungen, meine Karriere und mein Leben?
  • Praktiziere ich Selbstfürsorge, um mich vor dem Stress des Lebens zu schützen?
  • Spiegelt mein Essen mein Wohlbefinden in Körper, Geist, Herz und Seele wider?

Beim Lesen dieser vielen Fragen wird Dir auffallen, wie wichtig es sein kann, Dich mit Achtsamkeit dem Essen und seiner Vorbereitung zu widmen. Vielleicht nimmst Du diesen Artikel und seine Anregungen zum Anlass, Dich in der nächsten Zeit einmal genauer mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen. Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, bedeutet ja, ALLE Bereiche des Lebens selbst zu bestimmen. Beobachte auch andere Menschen dabei, ob und wie sie Achtsamkeit praktizieren. So kannst Du viel lernen.

Achtsamkeit weltweit

Auf meinen Reisen im asiatischen Raum fällt mir auf, wie tief dort die Praxis der Achtsamkeit im täglichen Umgang verwurzelt ist. Es mag beispielsweise sein, dass ich mir in Japan einen Kaffee bestellt habe und ungeduldig warte, weil “es” so lange dauert. Wenn ich genauer beobachte, mit welchem Grad an fokussierter Achtsamkeit der Barista jeden einzelnen seiner vielen Schritte zu einer perfekten Tasse Kaffee ausführt, wird mir klar, warum sich das Warten auf diesen Kaffee lohnt.

Diese Einstellung gilt für viele Bereiche des Alltags. Du musst nicht gleich nach Asien reisen, um eine praktikable Form der Achtsamkeit zu lernen und sie in Dein Leben zu übernehmen. Es reicht, Dein eigenes Verhältnis zu dieser wahrlich segensreichen Eigenschaft zu finden und es lohnt sich, sie durch Praxis mehr in Dein Leben zu bringen. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen diese Achtsamkeit, auch Deinen Mitmenschen gegenüber.

Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose
Chris Mulzer | Trainer für NLP & Hypnose

Seit über 25 Jahren lehre ich Menschen das Modell von NLP und die Techniken von Hypnose. Ich glaube fest daran das jeder Mensch in sich die Ressourcen trägt um sein Leben selbständig und nach eigenen Maßstäben zu gestalten.

1 Antwort

  1. Lieber Chris.
    Du polarisierst, priorisierst und veränderst “ganz nebenbei” ganz viele brach liegende Einstellungen, die erst gar nicht beachtet wurden.
    Mit Dir wird man nicht sofort “warm”, denn hinter Deiner Stirne befindet sich so vieles, das das Für und Wider austariert, wenn Du Dich einem Menschen zuwendest (nicht in workshops, sondern danach/davor), oder dieser Mensch sich Dir.
    Und welche Themen Du aufgreifst, sie sind “aus dem vollen Leben gegriffen”.
    Ich habe mir selbst die Freude der Achtsamkeit speziell für dieses meta-Thema (Essen und weitere damit zusammenhängende micro-Themen) ausgesucht, um auszuprobieren, was dabei rauskommt, wenn ich das Achtsamkeit Thema umgekehrt lese: Von unten nach oben, mal rechts nach links.
    Das strengt den materiellen Kopf an, und es tut der Energie im Kopf richtig gut!
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben das Beste zu den Feiertagen und sende Euch viel Liebe (kann man doch immer brauchen..?)
    Alexandra

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