Hypnose #3: Die Trance Utilisierung

Die richtigen Werkzeuge für das Unbewusste

Es ist ja verhältnismässig einfach, mit etwas Übung in Deinem Gegenüber einen Trancezustand gewünschter Tiefe zu induzieren. Es ist allerdings sehr viel anspruchsvoller, aus diesem Zustand etwas zu machen, was Deinem Gegenüber weiterhilft und seine Probleme löst. Wenn Du das Tor zum Unbewussten öffnest, solltest Du eine Vorstellung davon haben, was Du in der Landschaft, die Du damit betrittst, zum Nutzen Deines Gegenübers anstellen kannst. Die Samen, die Du in die Erde steckst, können reiche Früchte tragen.

In dieser Artikelserie beschreibe ich Dir, wie ich eine erfolgreiche Hypnose-Sitzung  gestalte. Sie beschreibt die 5 Abschnitte, in Die ich eine Hypnose teile: SettingTranceinduktionUtilisation, Posthypnotische Suggestionen und Aufwecken, Nachbereitung. Wenn Du noch keine Erfahrung mit Hypnose hast beginne bei meinem Artikel Hypnose lernen in 6 Schritten

Es lohnt sich, Dir vorher Gedanken zu machen, wie Du mit Deinem Gegenüber in Trance verfahren willst. Wenn Dein Gegenüber in Trance ist, dann ist es oft zu spät. Art und Tiefe der Trance bestimmen, welche Strategie Du beschreiten kannst. In diesem Artikel gebe ich Dir Hinweise, welche Techniken Dir zur Verfügung stehen, damit Du auch wirklich helfen kannst. Ich gebe Dir eine kleine Karte für die Landschaft auf der anderen Seite.

Grundsätzliches zur Utilisierung der Trance

Das was ich in diesem Absatz schreibe, gilt eigentlich für alle Bereiche der Trance. Es geht mehr um das WIE, erst später um das WAS. Ich setze stillschweigend voraus, dass Du vertraut bist mit dem Konzept der „downwards inflection“. Dabei wird jedes Satzende absteigend betont. Achte einmal darauf: Bei Fragen geht die Tonalität Deiner Sprache am Ende des Satzes nach oben. Bei Befehlen (Imperativ) geht die Betonung nach unten.

Sollst Du Dein Gegenüber nun befragen oder ihm befehlen? Beides. Du möchtest beim Inhalt möglichst unverbindlich sein. Die Verbindlichkeit kommt mit der Tonalität. Das heisst, dass Du durchaus so formulieren kannst:

„Wenn Du willst, kannst Du vielleicht jetzt zulassen, daß sich die Muskeln in Deinem Nacken beginnen zu entspannen…!“

Das klingt sehr angebotsmässig, nicht wahr? Wenn Du allerdings das Satzende nach unten betont ausklingen lässt, wird der Satz trotzdem subbewusst als Befehl wahrgenommen und interpretiert… cool nicht wahr?

Und wie verhält es sich mit den Konzepten des Atempacing, einer Grundtechnik im Modell von NLP. Im NLP Practitioner nutzen wir diese nonverbale Methode der Trancevertiefung und erkennen, wie einfach es sein kann, eine leichte Trance zu induzieren. Es ist eine gute Idee, während der gesamten Trance auf den Atem Deines Gegenüber zu achten. Passe den Sprachrhythmus Deiner Suggestionen dem Atem an. Wenn Du noch ab und zu solche „Analogs“ wie Ahhhhh und Mhhhh einflechtest und wenn Du öfters Bestätigungsanhängsel verwendest, bist Du schon sehr weit…nicht wahr?

Dies sind die Grundregeln, WIE Du in Trance mit Deinem Gegenüber kommunizierst. Weitaus komplexer wird es, wenn Du entwickelst, WAS Du sagst, damit Du zu einer erfolgreichen Hypnosesitzung gelangst.

Mehr zum WIE: Das Milton Modell

Damit wir uns richtig verstehen: Du kannst das Milton Modell der Sprache in- und auswendig kennen und trotzdem nicht den Schimmer einer Ahnung von einer guten Hypnose haben. Richard Bandler und John Grinder haben nur aufgezeichnet, welche Sprachmuster M. Erickson verwendete um zu seinen spektakulären Ergebnissen zu kommen. Sie haben Sprachmuster extrahiert, die Du sehr gut nutzen kannst und solltest, WENN Du eine Ahnung davon hast, welche Strategie Du verfolgen willst um zu Deinem Ziel zu gelangen.

Ich sage es also nochmals in aller Deutlichkeit: Das Milton Modell ist NICHT geeignet, den Erfolg Deiner Trance sicherzustellen. Es gibt Dir Sprachmuster an die Hand, eine Tranceutilisierung besonders erfolgreich zu gestalten. Die Inhalte musst Du selbst bestimmen und sie dann in gute Sprachmuster (a la Milton) kleiden.

Ich empfehle Dir deshalb, Dich zuerst damit zu beschäftigen, was Du in der Trance anstellen willst. Danach vermittelt Dir das Milton Modell hervorragende Sprachmuster, dieses WIE auch erfolgreich umzusetzen. Im NLP Practitioner beschäftigen wir uns selbstverständlich zur Beschleunigung des Lernens auf vielfältige Art mit hypnotischen Techniken. Wir experimentieren in den ersten Tagen mit ganz normaler Sprache und mit Aufgabenstellungen, die sich mit Hypnose beschleunigen lassen.

Wenn dann das Milton-Modell zur Sprache kommt, empfinden es die meisten Teilnehmer als eine grosse Erleichterung, endlich Sprachmuster zur Verfügung zu haben, die ihnen die Prozesse vereinfachen, mit denen sie zum Ziel gelangen. Deshalb beschäftige ich mich an dieser Stellen weniger mit dem Milton Modell. Darüber findest Du hier auf der Webseite und im Netzt genug. Viel wichtiger ist es, Dir Strategien für das anzueignen, WAS Du in der Trance sagst.

Ich unterscheide die extrinsische und die intrinsische Methode. Zuerst die Beschreibung der extrinsischen, also von aussen kommenden Methode:

Direkte Suggestionen zum Erlangen eines Ziels

Oft kommt Dein Gegenüber zu Dir und erzählt Dir, was aus seiner Perspektive das Problem darstellt. Dann kann die Lösung sehr einfach sein. Wenn er sagt: „Ich möchte mit dem Rauchen aufhören!“, sind Problem und Lösung klar definiert.

Anders verhält es sich mit Gründen und komplexeren Strategien, die sich so verhalten können, oder auch nicht. Nimm als Beispiel die Aussage: „Ich möchte 20 kg abnehmen!“ Da denkst Du Dir, die Lösung wäre klar, weniger essen hilft gut. Doch Dein Gegenüber führt als Grund die mangelnder Liebe in der Kindheit und andere, komplexe Kompensativstrategien an. Was sollst Du tun?

Ich nenne diese Strategien „Elfenbeinturm Strategien“. Es sind Glaubenssätze einer Person. Ob es sich so verhält, ob sie der Grund für seine Probleme sind, das steht in den Sternen. Wenn sich dann, trotz großer Bemühungen am Ende kein Erfolg einstellen will, weißt Du, dass seine und Deine Annahmen falsch waren. Du hast nun zwei Möglichkeiten mit solchen Strategien umzugehen.

Entweder Du ziehst eines der vielen psychotherapeutischen Modelle zu Rate und handelst je nach Wissensstand nach den Einsichten eines Dr. Sigmund Freud, Alfred Adler, Wilhelm Reich oder wessen Modell Du eben bevorzugst. Dabei kann ich Dir nicht helfen, ich vermute allerdings, dass Du genau Bescheid weisst, wie Du solche Modelle nutzen willst, wenn Du eine solche in Erwägung ziehst. Dies ist die übliche Betrachtungsweise, um Modelle zu entwickeln, innerhalb derer Veränderung erzielt werden soll. Ich jedoch bevorzuge eine andere Möglichkeit.

Ich wähle die indirekte Methode (intrinsisch – von innen kommend). Dabei überlässt Du dem Unbewussten die Strategie, wie es eine formulierte Herausforderung lösen will. Diese Methode wende ich meistens an, weil sie sich auch für Menschen eignet, die aus welchen Gründen auch immer nicht direkt über ihr Problem sprechen wollen oder können. Das ist auf der Bühne vor mehreren hundert Menschen oft eine grosse Erleichterung.

Intrinsische  Protokolle der Tranceutilisierung

Ich nutze für die „intrinsische Methode“ gerne die Technik der unbewussten Fingersignale. Ab einer bestimmten Trancetiefe kannst Du das Bewusstsein Deines Gegenüber mit angenehmen Gedanken, zum Beispiel an einen Urlaub, beschäftigen, während Du mit seinem unbewussten Teil direkt kommunizierst. Wie Du das anstellst kannst Du auf Youtube in mehreren Videos von mir sehen.

Du kannst die Suggestion geben, dass jedes „JA“ eine Bewegung des rechten Zeigefingers sein soll und jedes „NEIN“ eine Bewegung des linken Zeigefingers. Du solltest gelernt haben, echte unbewusste von bewussten Bewegungen zu unterscheiden. Ich demonstriere dies in jedem meiner Workshops, weil diese Technik so wirksam ist.

Dann brauchst Du nur zu fragen, ob das Unbewusste über eine Strategie verfügt, das Problem zu lösen. Meist kommt schon ein JA. Wenn nicht, fallen Dir bestimmt Ja- und Neinbasierte Fragen ein, mit denen Du der Lösung näher kommen kannst. So kannst Du im Vertrauen auf die Fähigkeiten des Unbewussten hervorragende Lösungen erzielen. Leider allerdings wirst DU dann niemals erfahren, WAS genau das Unterbewusstsein angestellt hat, um das Problem zu beseitigen.

Das ist ja auch nicht so wichtig… DU bist ja keiner dieser allmächtigkeits fantasierenden Hypnosemagier, nicht war. Du willst Deinem Gegenüber helfen, gleich wie einfach oder kompliziert die Lösung ist. Wenn Du eine andere Systematisierung einer intrinsischen Utilisierungsstrategie suchst, wirst Du vielleicht mit dem Simpson Protokoll fündig. Du brauchst den Begriff nur einmal zu googeln.

Über das Thema der Tranceutilisierung sind ganze Bücher geschrieben worden und auch dieser Artikel reisst nur wieder an der Oberfläche an. Es wäre sehr schön, wenn Dich dieses Thema fasziniert und Du zum Schluss kommst, einmal praktische Lernerfahrungen zu machen. Jeder meiner Workshops ist dafür hervorragend geeignet, ich halte die hypnotischen Techniken für eine hervorragende Ergänzung zu den verschiedenen Lehrmethoden. So wünschevich Dir viel Erfolg und Spass beim Ausprobieren.

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