Perfektionismus – muss das sein?

Das immerwährende streben nach Vollkommenheit

Gehörst Du auch zu denen, die ihr Leben möglichst vollständig kontrollieren wollen. „Ordnung muss sein!“, ist einer Deiner Lieblingssprüche und natürlich weisst Du auch, was für Deine Mitmenschen das Richtige ist. Na, es ist doch wahr, die Menschheit braucht jemanden wie Dich, damit sie endlich glücklich wird. Die Lösung für so viele kleine und große Probleme, das liegt doch auf der Hand, wäre so einfach, wenn man DIR nur folgen würde. Wenn Du bei den vorherigen Sätzen mehr als einmal mit dem Kopf genickt hast, dann solltest Du dringend weiterlesen.

NLP Perfektionismus Diamant

Worüber reden wir hier? Ist Perfektionismus eine Krankheit oder eher eine Charaktereigenschaft mit manchmal negativen Ausprägungen? Einigkeit besteht unter den Fachleuten darin, dass Perfektionsstreben im Wesentlichen ein gedankliches Konstrukt ist. Es entsteht in Deinem Kopf. Es kann zwei mögliche Ausprägungen haben. Entweder es ist ein immerwährendes Streben nach Vollkommenheit oder es äussert sich als eine übertriebene Angst vor Fehlern. So sagt es zumindest Wikipedia und ich meine, mit dieser Definition kannst Du erst einmal arbeiten.

Meist fällt Dir ein perfektionistisches Streben nicht besonders als negative Charaktereigenschaft auf. „So bin ich einfach“, ist eine häufige Selbsteinschätzung. Wenn Du jedoch Deinem Partner oder Deinen Kollegen und Freunden genauer zuhörst, wirst Du vielleicht öfter diesbezügliche Bemerkungen wahrnehmen.

Bin ich ein Perfektionist?

Perfektionismus kann, aber muss sich nicht als eine psychische Krankheit äussern. Lies einmal die nachfolgenden Absätze. Wenn Du Dich in mehr als drei der unten stehenden Punkte wiederfindest, solltest Du nachdenklich werden.

  • Wenn ich meine Ziele nur mit durchschnittlichem Erfolg erreiche, empfinde ich mich als Versager. Ich bin wütend über kleine Fehler die ich gemacht habe, denn Fehler sind der Beweis für meine Unfähigkeit. Misserfolge, auch kleine, beschäftigen mich längere Zeit und machen mich ärgerlich.
  • Für mich hat alles seinen Platz und seine Ordnung. Wenn nicht, fühle ich mich unwohl. Meine Kollegen und Freunde halten mich deshalb für einen Perfektionisten. Ich habe Schwierigkeiten, mir übertragene Aufgaben an Andere zu delegieren, weil nur ich den nötigen Ehrgeiz und die Motivation dafür aufbringe.
  • Von anderen Menschen bin ich oft enttäuscht, weil sie nicht so handeln, wie ich es tun würde. Die Welt wäre ein besserer Platz, wenn mehr Menschen ihr Leben nach meiner Erkenntnis gestalten würden. Wenn die Dinge nicht nach meinen Vorstellungen laufen, werde ich schnell ärgerlich.
  • Meine Mitmenschen sind meist besser und erfolgreicher als ich. Wenn ich absehen kann, dass ich eine mir übertragene Aufgabe nur gerade so zu Ende bringen werde, beginne ich sie erst garnicht.
  • Meine Eltern haben (hatten) eine hohe Erwartungshaltung an mich. In meiner Kindheit musste ich funktionieren. Meine Eltern haben frühzeitig kommuniziert, für welchen Lebensweg ich nach ihrer Meinung geeignet bin. Ich bin diesen Weg gegangen, (ich gehe diesen Weg) um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
  • Obwohl andere mich für meine Arbeit loben, weiss ich, wieviel ich noch verbessern kann. Meine Ziele und Aufgaben plane ich deshalb genau, damit sie perfekt werden. Ich gebe in meinem Leben immer das Maximum. Oft habe ich deshalb Schwierigkeiten, meine Aufgaben zu Ende zu bringen.
  • Meine Fehler und Misserfolge nehme ich deutlicher wahr, als meine Erfolge. Wenn andere mich kritisieren werde ich schnell emotional. Mittelmaß, speziell bei meinen Leistungen, ist nicht akzeptabel. Jeder Mensch kann perfekt sein, wenn er sich genügend anstrengt. Deshalb bin ich oft gestresst und unruhig, wenn ich an meine Projekte denke.

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Wege aus dem Perfektionismus

Wenn Du Dich in den obigen Beschreibungen mehr als einmal wiedergefunden hast, kannst Du Dir vornehmen, an Deinem möglicherweise übertriebenen Perfektionismus zu arbeiten. Auch wenn Dir das Streben danach nicht übertrieben erscheint, kannst Du es als Aufgabe nehmen, ein kritisches Verhältnis zu den beiden Aspekten des Perfektionismus zu bekommen.

Das Streben nach Vollkommenheit

Es kommt ganz darauf an, wie Du dieses Streben interpretierst. Vor kurzem habe ich einen berühmten Maler in seinem Atelier besucht. Auf die Frage, wann er weiß, dass eines seiner Gemälde fertig ist, deutete er auf einen Stapel an der Wand lehnender Gemälde und sagte: „Daran habe ich zu viel gemalt! Die Kunst besteht darin, rechtzeitig aufzuhören.“ Ja, dachte ich mir, das ist im Leben vielfach die Kunst.

Es ist der schmale Grat zwischen künstlerischer Unperfektion und einer Perfektion, die schnell leblos wird. Japaner schätzen das Unperfekte so sehr, dass sie etwas, das einen kleinen Fehler besitzt, mehr Wert beimessen, als einem perfekt gemachten Stück. „Es ist die Hoheit, die sich in der Hülle des Unperfekten verbirgt, es ist die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden alle Reize des Schönen offenbart“, sagt Wilhelm Gundert, ein berühmter Ostasienforscher.

Wenn Du zu verstehen beginnst, dass auch dem Unperfekten ein Reiz innewohnt, bist Du schon ein Stück weiter. Verstehen, das ist erst einmal ein gedankliches Konzept. Doch der Drang, ewig an der Perfektion zu feilen, der kommt von Deinen Gefühlen, die zur unrechten Zeit auftauchen.

Meist, um mit NLP zu sprechen, hast Du unselige Anker am Platz. Fühlt es sich schlecht an, wenn etwas nach Deinen Vorstellungen unperfekt ist? An diesem schlechten Gefühl kannst Du etwas ändern. Vielleicht beginnst Du mit dem Nachforschen, wie es sich mit diesen Gefühlen wirklich verhält.

Beim nächsten Mal, wenn Du eine Aufgabe wieder einmal fast erledigt hast und Dich im Streben nach Perfektionismus verhedderst, kannst Du diese Aufgabe einfach als erledigt definieren und unvollkommen beenden. Das wird sich nicht gut anfühlen. Nun hast Du allerdings das Bewusstsein darüber gewonnen.

Forsche dann nach, woraus genau diese negativen Gefühle bestehen. Wie produzierst Du sie? Ist es Dein interner Dialog? Laufen Filme vor Deinem geistigen Auge ab? Was immer Du veranstaltest, wird dazu führen, dass Du negative Gefühle in Deinem Körper generierst.

Leider ist es in den meisten Fällen so, dass, was auch immer Du tust, diese Gefühle bleiben. Perfektion ist ein nie zu erreichendes, gedankliches Konstrukt. Es ist ein endloses „moving away“ von schlechten Gefühlen durch Handlungen. Du wirst nie zu einem Ende kommen, weil die schlechten Gefühle ja bleiben. Wie kannst Du aus dieser fest verankerten, endlosen Schleife herauskommen? Eine Möglichkeit besteht darin, eine Fast Phobia Cure (FPC) zu absolvieren. Mach sie mit einem Freund, der etwas NLP beherrscht.

Deine negativen Gefühle nimmst Du als Basis für einen Ressourcenanker. Frage Dich: Wie will ich mich stattdessen fühlen? Welche Handlung wäre in dieser Situation zweckdienlicher? Dann kannst Du die dazu gehörenden Gefühle als Ressourcenanker installieren. Wenn Du den Film in der PFC vor Deinem geistigen Auge ablaufen lässt, nimm die Handlungen Deines Perfektionsstrebens als Basis. Lösche die negativen Gefühle und setze mit dem Ressourcenanker die gewünschten Gefühle an ihre Stelle. Glaub mir, das veränderte Verhalten wird schnell und ganz von selbst folgen.

Die übertriebene Angst vor Fehlern

Viele Menschen meinen, andere Menschen würden bestimmte Reaktionen von ihnen erwarten. Es kann ja sein, dass für bestimmte Lebenssituationen entsprechende Handlungsmuster richtig sind. Meist jedoch entsteht das Gefühl dieser Erwartungshaltung IN DIR. Es entsteht aus der Angst, andere Menschen würden Dich nicht akzeptieren, wenn Du nicht das tust, was DU Dir vorstellst, dass sie von Dir getan haben wollen. Merkst Du etwas…?

Wieder einmal entsteht dieses Konstrukt in DEINEM Kopf. Du tust so, als wäre Dein Denken im Elfenbeinturm die Realität … und handelst danach. Dabei war es mit Sicherheit schon einmal ganz anders.

Sieh nur einmal einem einjähriges Kind zu, das gerade mit dem Laufen beginnt. Es setzt sich hin und denkt nach, was Vater und Mutter wohl von ihm erwarten werden. Dann stellt es sich vor, wie perfektes Laufen funktionieren muss und überlegt, dass wohl Vati oder Mutti es nicht mögen würden, wenn es nicht gleich perfekt laufen würde. Und dann bleibt es sitzen.

Wenn Du jemals einem Kind beim Laufenlernen zugesehen hast, weisst Du, wieviel Nonsens in den obigen Sätzen steckt. Von Dir jedoch erwartest Du, dass die zuerst beschriebene Strategie, etwas zu tun, genau die richtige darstellt. Wie oft ein Baby hinfällt, bevor es ein paar Schritte läuft, das sagt Dir jeder Vater und jede Mutter – mit viel Liebe in der Stimme. Fehler sind Bestandteil des Lebens, sie sind wichtig und sie sind gut.

So, das ist der erste Schritt für Deine Veränderung. Die Veränderung Deines Glaubens. Und nun zum praktischen NLP. Tausche die negativen Gefühle Deiner Angst vor möglichen Fehlern gegen viel positivere Gefühle aus. Positiv ist das Bewusstsein, dass fehlerbehaftetes Lernen (trial and error) ein unglaublich hilfreicher Bestandteil Deines Lebens ist. Jedes Mal, wenn Du einen Fehler machst, hast Du die Chance, etwas wirklich Wichtiges für Dich zu lernen.

Die Menschheit würde ohne diese Eigenschaft nicht existieren. Es gäbe niemanden, der Erfindungen macht. Edison brauchte über zweitausend Anläufe, bis er schliesslich den Kohlefaden fand, der die Glühbirne als Folge hatte. Es gäbe keine Fortschritte in der Kunst. Michelangelo kratzte Teile der Decke der Sixtinischen Kapelle wieder ab, weil er erst lernen musste, wie die Technik der Freskomalerei funktioniert.

Noch heute kannst Du sehen, wie kleinteilig die Malerei auf der dem Altar gegenüberliegenden Seite ausgeführt ist (im Bild links). Am Anfang schaffte er etwa einen halben Quadratmeter pro Tag und dies nur nach mühseligen Vorzeichnungen. Am Ende waren es zwölf Quadratmeter und er malte einfach direkt auf den nassen Putz. Was ich damit sagen will? Selbst große Erfinder und Künstler MÜSSEN Fehler machen. Es wird also Zeit für Dich, für Deine Fehler gute Gefühle zu entwickeln.

Das Ankern ist die Technik Deiner Wahl. Mach Dir einen grossen und positiven Ressourcenanker. Nutze das SWISH Pattern um Deine bisher negativen gegen die selbst gestalteten und sehr positiven Gefühle auszutauschen. Sei großzügig mit Dir! Wenn es sich gut anfühlt, Neues zu erforschen und dabei Fehler zu machen, wirst Du sehr viel mehr lernen und sehr viel mehr Spass dabei haben.

ist hier die Technik Deiner Wahl. Mach Dir einen grossen und positiven Ressourcenanker. Nutze das SWISH Pattern um Deine bisher negativen Gefühle gegen die selbst gestalteten und sehr positiven Gefühle auszutauschen. Sei großzügig mit Dir! Wenn es sich gut anfühlt, Neues zu erforschen und dabei Fehler zu machen, wirst Du sehr viel mehr lernen und sehr viel mehr Spass dabei haben.

Wenn Du Dir selbst im Wege stehst, hast Du immer noch die Möglichkeit, alle die oben beschriebenen Techniken in einem meiner Workshops anzuwenden. Der NLP Practitioner eignet sich hervorragend dafür. Du verbringst einen ganzen Tag damit, die FPC zu lernen und anzuwenden. Selbstverständlich wirst Du dabei im allerersten Anlauf erfolgreich sein. Auch sonst verbringst Du sehr viel Zeit damit, Dir gute Gefühle zu machen und sie in den unterschiedlichsten Lebensbereichen anzuwenden.

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Ein Kommentar

  • Hallo Chris,

    danke für Deine wöchentlichen Artikel, die mich immer wieder inspirieren, zum Nachdenken anregen und neue Perspektiven generieren.
    Das „Streben nach Vollkommenheit“ ist für mich immer wieder eine schöne Motivation, tiefer und immer noch tiefer einzutauchen in die komplexen Zusammenhänge des Objektes meines Perfektionsstrebens,
    sei es nun das perfekte Steak auf dem Grill zu bereiten, das vollkommene Bier zu brauen oder auf was auch immer ich meine Aufmerksamkeit gerichtet habe.
    Ich freue mich dabei immer wieder darüber, neue Zusammenhänge zu entdecken, ein tieferes Verständnis für die Materie zu entwickeln und bessere Resultate zu erzielen. Dabei ist für mich hier der Weg das Wichtige, darüber, ob ich das Ziel (Perfektion) jemals erreiche, gebe ich mich keiner Mutmaßung hin.
    Für mich liegt der wesentliche Unterschied dabei zwischen begeistertem Streben und verbissenen Ehrgeiz.
    Habe ich das Gefühl, mich durch mein Streben nach Vollkommenheit in meinen Optionen einzuschränken, klingeln meine Alarmglocken und ich steuere dagegen.
    Bei einem solchen Zustand stimme ich Deinen Ausführungen vollkommen zu.
    Wie Paulus schon sagte:“Alles ist erlaubt, aber nichts soll euch gefangennehmen“.

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